Stand: 18.01.2016 22:35 Uhr

Chat zu Rheuma, Migräne und Diabetes

Bild vergrößern
Ernährungsmedizinerin Dr. Anne Fleck ist Rheumatologin am LANS Medicum in Hamburg.

Essen als Medizin: Was muss ich insbesondere bei Rheuma oder Migräne beachten? Wie beuge ich Diabetes vor oder verbessere die Symptome?
Nach Folge fünf von Die Ernährungs-Docs war Dr. Anne Fleck im Chat-Raum. Die erfahrene Ernährungsmedizinerin und Rheumatologin hat Ihre Fragen beantwortet.

Rheumakind: Unsere kleine Tochter (dreieinhalb Jahre) hat vor einem Jahr die Diagnose systemisches Rheuma bekommen. Dank Medikamenten (MTX, Tocilizumab) ist sie eigentlich beschwerdefrei. Wir möchten ihr natürlich aber auch durch die richtige Ernährung helfen, Medikamente zu sparen, und sie rundum gut versorgt wissen. Unsere Frage ist nun, ob eine rheumatische Diät, wie auf Ihrer Seite empfohlen, auch für kleine Kinder im Wachstum ratsam ist oder ob beispielsweise durch den geringeren Fleischverzehr und weniger Milchprodukte Mangelerscheinungen (Vitamin B6, B12, Eisen) eintreten. Erschwerend kommt hinzu, dass Kinder natürlich nicht alles "Gesunde" gerne essen.

Fleck: Auf jeden Fall ist es sinnvoll, die klassische Medizin mit innovativer Ernährungsmedizin zu ergänzen. Man kann dadurch Medikation einsparen, die Beschwerden (etwa Schmerzen) verringern und die Beweglichkeit verbessern.

Inessel77: Ich habe rheumatoide Arthritis, seit zwei Jahren. Bin seit etwa einem Jahr schmerzfrei, habe gute Blutwerte, nehme kein Cortison mehr. Einzig MTX 15 Milligramm spritze ich einmal pro Woche. Würde gern ganz ohne Medikamente leben, Arzt verneint dies. Muss ich wirklich ständig MTX spritzen?

Fleck: Rheuma bedarf immer einer soliden Medikation. Das heißt, Sie können Ihre Medikamente nicht "über Bord werfen". Mit unseren modernen Ernährungsvorschlägen aus dem Beitrag werden Sie es aber schaffen können, die Dosis signifikant zu verringern. Gern helfen wir.

Vera: Wie kann ich den Heißhunger auf Süßes loswerden? Ich habe Diabetes. Ich habe eine Sechswochenkur ohne Kohlenhydrate gemacht, das war aber sehr schwer durchzuhalten. Ich brauche dringend ein Buch mit Rezepten für Diabetes. Können Sie mir bitte weiterhelfen?

Fleck: Da empfehle ich Ihnen das Buch zur Sendung "Die Ernährungs-Docs" mit Rezepten. Auch hier auf der Website finden Sie viele Diabetes-geeignete Gerichte zum Nachkochen. Generell sind Rezepte mit Low-Carb-Ansatz sinnvoll.

Katja: Welche Alternativen gibt es bei Migräne, wenn man Quark und andere Milchprodukte nicht so gut verträgt?

Fleck: Der Quark ist wie eine Transportrakete für die hochwertigen Fette. Sie können genauso gut zum Beispiel Chia-Samen als gute Fett- und Eiweißquelle nutzen - gemeinsam mit hochwertigen Ölmischungen aus Leinöl, mit DHA (Docosahexaensäure)-Zusatz. Das Öl sollte in der Herstellung ohne Licht, Sauerstoff und Hitze gepresst worden sein.

Stephanie: Auch ich leide an Migräne. War in der Schmerzklinik in Kiel. Da hat man mir empfohlen, viel Kohlehydrate zu essen, auch zirka eine Stunde vor dem Schlafen. Dadurch nehme ich auch zu. Sind die vielen Kohlenhydrate sinnvoll?

Fleck: Sie können eine Ernährungsumstellung wie im Beitrag probieren. Mit einer maßvollen Kohlenhydrat-Beigabe und vermehrtem Einsatz von guten Ölen. Ich empfehle Ihnen das Rezept Frühstücksquark hier auf NDR.de als Einstieg.

Simone: Meine Schwiegermutter leidet seit 2003 an Vaskulitis. Das ist ja auch eine Rheuma-verwandte Erkrankung. Was muss sie bei der Ernährung beachten?

Fleck: Bei rheumatische Erkrankungen ist die Strategie: Minderung der Entzündung durch Einsparen von Arachidonsäure, also konkret: Minimieren von Fleisch, auch verarbeitetem Fleisch. Gleichzeitig Hemmung der Entzündung durch gezielte Omega-3-Gaben. Von Fischölkapseln rate ich ab, da oft im Pressvorgang Hitze die empfindlichen Öle zerstört. Das kann eine Entzündung potenziell zusätzlich befeuern. Sinnvoll sind dagegen zum Beispiel pflanzliche Öle wie Leinöl, Weizenkeimöl, Walnussöl aus guten Quellen.

Kathi: Hallo, ich habe immer zuzeiten meiner Periode zwei bis drei Tage Migräne. Kann auch da die soeben in Ihrer Sendung vorgestellte Ernährungsumstellung helfen, oder ist das dann in meinem Fall eher hormonell bedingt?

Fleck: Ihre Migräne scheint hormonell stark beeinflusst zu sein. Trotzdem sollten Sie zusätzlich prüfen, ob eventuell Faktoren Ihrer Ernährung die Symptome verschlimmern. Ich empfehle ein Migränetagebuch.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 18.01.2016 | 21:00 Uhr

Hintergrund

Typ-2-Diabetes erkennen und behandeln

Typ-2-Diabetes bleibt oft lange unentdeckt, denn anfangs verläuft die Zuckerkrankheit symptomfrei. Die schweren Folgeerkrankungen lassen sich durch richtige Ernährung verhindern. mehr

Migräne erkennen und behandeln

Privat und beruflich wird diese Krankheit zur Belastung, weil Betroffene an Migräne-Tagen komplett "ausfallen". Die Ursachen sind nicht restlos geklärt, aber die Ernährung spielt eine Rolle. mehr

Rheuma erkennen und behandeln

Gelenke schmerzen, es reißt in den Muskeln: Millionen Deutsche leiden unter Krankheiten des rheumatischen Formenkreises. Die richtige Ernährung kann Rheuma zum Stoppen bringen. mehr