Stand: 26.01.2016 11:13 Uhr

Chat zu Bluthochdruck, Colitis und COPD

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Matthias Riedl ist Ernährungsmediziner und Diabetologe im Medicum Hamburg.

Essen als Medizin: Wie packe ich selbst so eine Ernährungsumstellung an? Was muss ich insbesondere bei Colitis ulcerosa oder dem Lungenleiden COPD beachten? Oder bei starkem Übergewicht und Bluthochdruck?
Nach Folge sechs von Die Ernährungs-Docs war Dr. Matthias Riedl live im Chat. Der erfahrene Ernährungsmediziner hat Ihre Fragen beantwortet.

Angela: Ihre Kollegin Doc Fleck empfiehlt Leinöl und Weizenkeimöl. Das bekomme ich nicht in dem Ort, in dem ich wohne. Können Sie mir alternativ ein anderes Öl empfehlen?

Dr. Matthias Riedl: Leinöl ist schon das Beste, man könnte auch Olivenöl nehmen, das ist aber zweite Wahl. Leinöl und Weizenkeimöl sind zur Not auch im Internet bestellbar.

Karin: Sehr gute Tipps zur Darmentzündung Colitis ulcerosa! Gelten diese und die angegebenen Rezepte auch genauso bei Morbus Crohn, wo die Entzündung einen anderen Darmabschnitt betrifft, aber sonst ähnlich verläuft?

Riedl: Die Rezepte lassen sich für alle Colitis-Formen verwenden.

Leo: Halten Sie es für möglich, durch Ernährung langjährige Medikamente wie Pentasa und vor allem Azathioprin bei Colitis ulcerosa erfolgreich absetzen zu können? Mir ist es trotz Remission in den letzten zehn Jahren nicht geglückt. Es kam nach zweimaligen Auslassversuchen immer wieder zu Rückfällen.

Riedl: Die Ernährungsumstellung kann Symptome verbessern und hilft in vielen Fällen bei der Einsparung von Medikamenten.

Christin: Ich brauche dringend Hilfe. Habe einen angeborenen Herzfehler, und seit den Herzoperationen habe ich eine Histamin-Intoleranz bekommen. Vertrage kaum noch Nahrungsmittel und habe 15 Kilo Untergewicht. Können Sie mir einen Rat geben?

Riedl: Untergewicht ist häufig noch schwieriger zu therapieren als Übergewicht. Dafür würde ich zu einer Ernährungsanalyse in einer Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin raten (Adressen beim BDEM). Hier kommt es auf jedes Detail an.

Kathi: Ich habe regelmäßig Magenschmerzen und Blähungen - teilweise von Milch, aber auch, wenn ich sie weglasse. Die Ernährung wie bei der Darmentzündung klingt sinnvoll, ich vertrage aber keine Milchprodukte. Was kann ich tun?

Riedl: Auch wenn Ferndiagnosen schwierig sind, so hört sich das nach einem Reizdarm an. Hier wäre die FODMAP-Diät zu versuchen. Da sie genau erklärt werden muss, empfehle ich auch hier den Besuch einer Schwerpunktpraxis Ernährungsmedizin.

Meggo: In Ihren Sendungen empfehlen Sie den Verzehr von Vollkornprodukten. Wie ist in diesem Kontext Ihre Meinung zu Gluten? Was halten Sie von Alternativen wie Buchweizenbrot?

Riedl: Glutenfreie Ernährung ist nur nötig bei Zöliakie. Allerdings profitieren auch manche Reizdarm-Patienten ohne Zöliakie von glutenfreier Ernährung. Das muss man im Einzelfall ausprobieren.

liza: Ich bin 1,58 Meter groß und wiege 40 Kilo, obwohl ich zwei Kinder bekommen habe. Mir konnte kein Arzt bisher was raten zum Zunehmen. Ich habe vieles probiert und nehme kein Gramm zu, seit ich ausgewachsen bin. Ich esse wirklich viel und oft, und nichts hilft. Jeder sagt, mein Stoffwechsel wäre halt gut.

Riedl: Meistens haben Menschen mit Untergewicht auch wenig Muskulatur. Empfehlenswert ist, die Eiweiß-Aufnahme zu jeder Hauptmahlzeit zu überprüfen, damit die Muskulatur nicht zu sehr leidet. Vier bis fünf Mahlzeiten sind zu empfehlen. Besonders gut sind eiweißreiche Nuss-Snacks und fettreiche Milchprodukte. Aber auch hier muss man die Ernährung genau analysieren, sonst entgehen einem eventuell wichtige Aspekte.

Jürgen: Bei mir wurde eine COPD festgestellt. Ich nehme seitdem zu, anstatt dass wie in Ihrem Fernsehbericht ein Gewichtsverlust vorkommt. Wie ist das möglich?

Riedl: Am Anfang überwiegt häufig noch die Gewichtszunahme durch weniger Bewegung. Wenn die Atemarbeit später anstrengender wird, kann es zu Gewichtsabnahme durch den Energiemehrverbrauch kommen. Eine Gewichtszunahme ist aber bei COPD auch ungünstig, da sie den Körper zu sehr anstrengt und einen Sauerstoffmehrverbrauch verursacht.

Zwiebel: Ich habe Bluthochdruck, Adipositas und Fettleber. Wie kann ich mein Gewicht senken? Größe 1,65 Meter und Gewicht 103 Kilogramm.

Riedl: Mit einer Gewichtssenkung können Bluthochdruck und Fettleber geheilt werden. Hier besteht auch die Gefahr einer Diabetes-Entstehung. Dies sollte unbedingt geprüft werden. Ein Wochenprofil der Mahlzeiten würde ich mit einem Ernährungswissenschaftler oder Ernährungsmediziner besprechen, damit eine Unterversorgung mit Eiweiß zu den Mahlzeit ausgeschlossen wird. Unbedingt Kartoffeln, Reis und Nudeln einschränken und viel Gemüse essen.

john-o: Meine Haut spielt seit Längerem verrückt: Ich habe Akne (bin 47), immer wieder Neurodermitis im Gesicht und seit vielen Jahren Vitiligo an beiden Händen. Kann mir gezielte Ernährung helfen?

Riedl: Bei Vitiligo hilft keine Ernährung. Bei Akne ist das Ansprechen unterschiedlich. Manchen Menschen hilft es, Milchprodukte zu reduzieren und Süßigkeiten.

Benjamin Thiel: Ich leide an Blutdruck von 159 : 79. Wiege 93 Kilo bei 1,76 Meter und bin 15 Jahre. Was kann ich tun?

Riedl: In diesem Alter ist dringend Handlungsbedarf, sonst ist das Gewicht in späteren Jahren kaum noch zu beeinflussen. Weil das so wichtig ist, rate ich dringend zu einer Analyse der Ernährungsgewohnheiten bei einem Ernährungsmediziner, um denBlutdruck mit Gewichtsabnahme zu heilen. In jedem Fall Gerichte nicht nachsalzen.

Denise: Ernährung nach Kolektomie: Ist das wie bei Colitis? Nehme ich alle Nährstoffe noch richtig auf?

Riedl: Im Grunde ja. Was die Darmentfernung (Kolektomie) betrifft, gilt: Wenn nur der Dickdarm entfernt wurde, werden ausreichend Nährstoffe aufgenommen. Ist auch der Dünndarm beteiligt, dann müssen spezielle Blutproben gemacht werden.

Emre1: Gab/gibt es auch eine Sendung zu Borreliose? Glauben Sie, dass hierbei auch eine Ernährungsumstellung helfen kann?

Riedl: Nein, hier hilft Ernährung nicht. Es handelt sich um eine bakterielle Erkrankung.

Dieses Thema im Programm:

Die Ernährungs-Docs | 25.01.2016 | 21:00 Uhr

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