Stand: 03.06.2017 09:45 Uhr

"Wir wollen langsam sein, aber nicht langweilig"

von Julia Jakob

Heute nimmt sich der NDR Zeit, ganz viel Zeit. Mit einem Fernseherlebnis gegen die Schnelligkeit: Fünf Stunden lang tuckert ein historischer Raddampfer die Elbe entlang. "Die Elbe. Ganz in Ruhe" heißt das Experiment, das sich das skandinavische Slow-TV zum Vorbild genommen hat.

Ruhig wie ein See liegt die Einfahrt zur Elbe vor dem historischen Raddampfer, der Kaiser Wilhelm. Dicht bewachsene Uferböschung; viel Land, viele Vögel, wenige Menschen, noch weniger Verkehr. Die Fahrgäste sitzen an der Reling und machen - nichts.

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Köchin Sarah Wiener findet Bootfahren sehr entspannend. Und: "Das Handy bleibt aus!"

Von Bleckede bis nach Hamburg geht die Entschleunigungsfahrt. Dabei werden das Biosphärenreservat Elbtalaue passiert, Lauenburg und Geesthacht. In Hoopte gibt es einen Stopp für die Mitfahrer, zu denen auch etwas Prominenz gehört - wie Sängerin Pe Werner und Köchin Sarah Wiener.

"Wir wollten die Elbe feiern", erklärt NDR Redakteur Tom Fischer, "und die Themen Entschleunigung und Achtsamkeit in homöopathischen Dosen besetzen. Wir wollten mit Promis darüber sprechen, wie sehen deren Ruhezonen aus. Wie können wir im Alltag wieder zur Ruhe kommen." Redakteur Fischer war von der Idee der Schiffstour als Slow-TV sofort begeistert. Und was bietet sich besser an als die Elbe, die vier norddeutsche Bundesländer berührt und die Teil der deutsch-deutschen Geschichte war.

Die Action selbst finden

Die Durchschnittsgeschwindigkeit der Kaiser Wilhelm: gemütliche 14,5 Kilometer pro Stunde, also nicht viel schneller als ein Fahrrad. Da bleibt Zeit, das Auge schweifen zu lassen. Mal taucht am Horizont ein alter Grenzturm auf, mal sieht das Auge kein Ende der Landschaft, dann wieder rauchen in weiter Ferne Industrieschornsteine.

TV Vorbild

Eine stundenlange Mitfahrt auf der Bergensban, dem Zug von Oslo nach Bergen, durch atemberaubende Natur. 2009 das erste Slow-TV-Projekt der Norweger und ein Überraschungserfolg. Dann kam die tagelange Mitfahrt auf dem Hurtigruten-Schiff, diesmal sehr aufwendig produziert und live von Bord übertragen.
Zeitweise guckte über zweieinhalb Millionen Norweger zu, mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Inzwischen ist NRK bei Projekt Nummer 17 angekommen und musste erstmals die Notbremse ziehen. Die Liveübertragung der Rentier-Frühjahrswanderung wurde nach einer Woche - unterbrochen. Grund: die Tiere waren selbst fürs Slow-TV zu langsam. Erst wenn sie kurz vor dem Ziel eine Meerenge durchschwimmen, wollen die Fernsehmacher wieder einsteigen.

"Wir wollen langsam sein, aber nicht langweilig", erklärt Tom Fischer. Die Action muss der Zuschauer in "Die Elbe. Ganz in Ruhe" selbst entdecken. Weil die Bilder länger als gewohnt stehen bleiben:

Hier ist nichts geschnitten, mit Effekten aufgebauscht oder mit Musik übertüncht worden. Genau das macht für Tom Fischer den Reiz von Slow-TV aus: "Wir haben Bilder, wo vermeintlich nichts passiert. Wo einfach nur die Dampfmaschine zu sehen ist und die stampft da lustig vor sich hin und auf einmal kommt der Ruf der Kapitäns: Maschine stopp! - Erst dadurch, dass wir uns die Zeit nehmen, das genau so stehenzulassen, wird das authentisch und spannend und unterhaltsam. Wenn wir das schneiden würden, würde es nicht funktionieren."

Slow TV: Zu Gast auf der "Kaiser Wilhelm"

Insgesamt 10 Kameras, ein Begleitboot und eine Drohne haben den Raddampfer Kaiser Wilhelm von Bleckede bis nach Hamburg begleitet. Die Bilder mögen nicht neu sein, aber die Art es zu sehen schon.

Fünf Stunden "Die Elbe. Ganz in Ruhe" - zu sehen am Pfingstmontag ab 12 Uhr im NDR-Fernsehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 04.06.2017 | 08:55 Uhr

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