Kristian Bader
Für Das! forscht unternimmt der Schauspieler eine Zeitreise durch Wissenschaft und Forschung. mehr
Hummer sind selten geworden auf Helgoland. Früher bevölkerten rund 1,5 Millionen Tiere den 40 Quadratkilometer großen, felsigen Inselsockel. Bis zu hundert Fischerfamilien lebten vom Fang der Krustentiere. Die Hummerbuden sind die letzten Überbleibsel davon - in den 1960er-Jahren gab es kaum noch Hummer. Wissenschaftler der Biologischen Forschungsanstalt Helgoland sollen die Gründe herausfinden. Es gibt vermutlich mehrere Ursachen.
Früher konnten auf der Insel ganze Fischerfamilien vom Hummerfang leben. Der Bestand der Krustentiere ist inzwischen aber stark gesunken - dies soll aber bekämpft werden.
Hummer haben eine feine Nase. Im trüben Nordseewasser brauchen sie diesen Geruchssinn, um sich gegenseitig zu finden - für die Paarung etwa. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg aber, so vermuten die Forscher, verunreinigten Sprengstoffe und Munition das Meer um Helgoland. Auch verdreckte die Nordsee mit der Zeit immer mehr: Öl und Dünnsäure verunreinigen das Wasser. Zusätlich wurden zeitweise zu viele Hummer gefangen. Ende der 1960er-Jahre waren dann schlicht zu wenig Exemplare der Tiere übrig - und die wenigen die es noch gab, haben sich nicht gefunden, um sich zu paaren. Doch wenn man nur wollte, könnte man den Hummer auf Helgoland wieder in großer Zahl ansiedeln. Hummer können 60 Jahre alt werden.
Zu Forschungszwecken hat die Biologische Forschungsanstalt in den letzen Jahren rund 12.000 Hummer jeweils ein bis drei Jahre lang aufgezogen und anschließend in der Nordsee ausgesetzt. Denn erst nach einigen Jahren ist das leckere Schalentier durch seinen Panzer und den kräftigen Scheren ausreichend geschützt. Hummer haben in jungen Jahren viele Fressfeinde, aber die Evolution hat dafür gesorgt, dass sie sehr fruchtbar sind: Das Weibchen trägt bis zu 100.000 Eier aus.
Um in Zukunft den Hummerfang auf Helgoland wieder zu ermöglichen, müsste die Hummeraufzucht noch weitere fünf bis zehn Jahre betrieben werden, bis die Population stabile 250.000 Tiere erreicht. Hierzu wären Investitionen von rund eine Million Euro jährlich nötig, so die Meeresbiologen der Biologischen Forschungsanstalt. In etwa zehn Jahren wäre es dann jedoch möglich, jährlich bis zu 20.000 Hummer zu fangen, ohne dass die Population gefährdet wäre. Der Helgoländer Hummer soll übrigens sehr gut schmecken.