NaturNah: Der Wildblumenretter

Dienstag, 29. August 2017, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 31. August 2017, 11:30 bis 12:00 Uhr

Ein Mann sitzt in einer Blumenwiese.

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Fährt man im Norden übers Land, egal in welche Richtung, ist es grün. Grün - so weit das Auge reicht. Zur Rapsblüte auch mal gelb und nach dem Pflügen braun. Die anderen Farben sind aus unserer Landschaft verschwunden. Unsere heimischen Wildblumen sind größtenteils einfach weg. Und mit den Blumen verschwanden Hummeln, Wildbienen, Schmetterlinge und noch vieles mehr.

Gegen diese monotone Landschaft arbeitet der Botaniker Dr. Björn-Henning Rickert an, als freier Mitarbeiter im Auftrag der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit Gleichgesinnten pflanzt und sät er auf ausgesuchten Flächen heimische Wildblumen wie Heidenelke, Küchenschelle oder Teufelsabbiss, damit sie sich wieder ausbreiten. Da sie über Jahrzehnte auf verschiedenste Weise vernichtet wurden, sind sie nicht mehr in der Lage, von selbst "einzuwandern". Das Ziel ist es, auf 2.500 Hektar bis zum Jahr 2020 die "Initialzündung" für ein Blütenmeer zu geben - ein in dieser Größenordnung bisher einmaliges Projekt in Deutschland.

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Bunte Blumenwiesen, wie diese Margeritenwiese bei Darry in Ostholstein, gab es früher in Schleswig-Holstein häufig.

Rickerts Kollege Detlef Kolligs züchtet in seinem Garten den Goldenen Scheckenfalter, einen vor 60 Jahren in Schleswig-Holstein weit verbreiteten Schmetterling. Für seine Zucht musste er die ersten Raupen aus Dänemark holen. Die Wiederansiedlung des Falters gelingt nur, wenn dessen natürlicher Lebensraum - mit Teufelsabbiss als  Futterpflanze für die Raupen und reich blühenden Wildblumen als Nektarpflanzen für die Schmetterlinge - wiederhergestellt wird. Der Goldene Scheckenfalter steht stellvertretend für andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten, denn dort, wo er heimisch ist, haben auch sie eine Überlebenschance.

Die für dieses groß angelegte Projekt gegründete Arche-Gärtnerei in Eggebek züchtet diese heimischen Wildblumen, die dann in entsprechenden Gebieten ausgepflanzt werden. Um an die Saat zu gelangen, sammelt Dr. Rickert diese auf den wenigen noch reich blühenden Wiesen in Schleswig-Holstein. Er könnte sie sich auch aus der Schweiz schicken lassen, aber nur mit Pflanzen aus der Region, die an hiesigen Boden und norddeutsches Klima angepasst sind, gelingt dieses Vorhaben auf Dauer.

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Ute Jung
Hilmar Rathjen
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen