NaturNah: Für Hirsch und Käfer

NaturNah: Für Hirsch und Käfer - Wildbrücken über der A7

Dienstag, 05. Dezember 2017, 18:15 bis 18:45 Uhr
Donnerstag, 07. Dezember 2017, 11:30 bis 12:00 Uhr

Eine WIldbrücke von oben, die über die A7 führt.

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Björn Schulz ist Mitarbeiter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. Er hat einen schweren Job, er will ein Stück die Welt retten, zumindest in Schleswig-Holstein. Denn in Sachen Artenvielfalt sieht es im nördlichsten Bundesland gar nicht gut aus.

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Fotofallen geben einen Überblick welche Großtiere die Grünbrücken nutzen.

Im Süden Schleswig-Holsteins stellt die Elbe ein unüberwindbares Hindernis dar, das einen genetischen Austausch mit den meisten Arten beispielsweise aus Niedersachsen verhindert. Und von Nord nach Süd zerteilen Autobahnen das Land. Auch sie sind für die meisten Arten unüberwindlich.

Das Paradebeispiel dafür ist der Rothirsch. Anders als das Damwild ist das Rotwild weniger standorttreu, sondern zieht entlang uralter Wanderwege durch das Land. Wären da nicht die Autobahnen. Das Ergebnis: Seit Jahrzehnten gibt es nur noch vereinzelte Populationen von Rotwild, die in Waldinseln zwischen Autobahnen eingesperrt sind. Es drohte Inzucht und letztlich das Aussterben dieser Art.

Zwei neue Brücken für den Rothirsch

Das leuchtete irgendwann auch der Politik ein, es wurden Gelder für Grünbrücken über die Autobahnen freigegeben, auf denen der Rothirsch endlich wieder seine Ostverwandschaft auf der anderen Seite der Grenze besuchen konnte. Gerade werden auf der A7 wieder zwei neue Brücken gebaut, Kosten: gut zehn Millionen Euro.

Aber es geht nicht nur um das Rotwild. Betroffen sind vielerlei Arten, die nicht fliegen oder schwimmen können, der Käfer, der Frosch, der Dachs. Viele Arten sind in ihrem Lebensraum von diesen Insellagen eingeschränkt.

Der Herr der Wildbrücken

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Björn Schulz von der Stiftung Naturschutz auf der Suche nach dem wohl seltensten Tier des Nordens.

Björn Schulz ist für alle Wildbrücken im Land zuständig. Sein Job ist es, das Hinterland der Brücken so zu verändern, dass möglichst viele Arten die Brücken nutzen können. Er kauft hektarweise Land auf, damit es renaturiert werden kann, verhandelt mit Förstern, Jägern, Bauern über die Nutzung angrenzender Flächen, bespricht mit den Tiefbaufirmen die Gestaltung der Querungshilfen für die Tiere, trifft sich mit Naturschützern, die vielleicht wieder eine aussterbende Art entdeckt haben, die es zu retten gilt.

Artgerechte "Zubringer" weisen den Weg zur Brücke

Und dann agiert Schulz nicht anders als die Straßenbauer. Er muss ein Naturwegenetz schaffen, das zu den Grünbrücken führt. Ein Netz aus Trockenrasenkorridoren, Moorflächenverbindungen, Grabensystemen und Waldverbindungen, damit möglichst viele Arten die Chance haben, durch Wege in ihrem Habitat die Grünbrücken überhaupt zu finden.

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Einer der letzten Thymian-Blattkäfer im Norddeutschland.

Beim Rothirsch macht sich Björn Schulz deswegen keine Sorgen; der erste wurde schon an der noch im Bau befindlichen Brücke bei Brokenlande gesichtet. Was dem Biologen wirklich am Herzen liegt, ist beispielsweise der Thymian-Blattkäfer. Den Winzling gibt es in ganz Norddeutschland nur noch auf einer einzigen kleinen Fläche ganz in der Nähe der geplanten Brücke bei Bad Bramstedt. Aber auch er muss es irgendwann einmal über die Brücke schaffen, wenn seine Art erhalten werden soll. Und dafür braucht er einen Korridor aus Trockenrasenflächen und Thymianpflanzen. Denn Flügel hat der kleine Käfer nicht.

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Frederik Keunecke
Autor/in
Ralf Bartels
Leitung der Sendung
Norbert Lorentzen