Stand: 25.03.2015 18:23 Uhr

"Es war eine bewusste Grenzüberschreitung"

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Starkes Team: Stefanie Gromes (r.) hat beim Dreh bewusst ihre Grenzen überschritten. Katrin Hafemann (M.) war immer mit der Kamera dabei.

In Lebenswelten anderer eintauchen, filmisch in Innenwelten blicken und eindringliche Geschichten erzählten: Darum geht es bei der Doku-Reihe 7 Tage. Die Autorinnen Stefanie Gromes und Katrin Hafemann haben an sieben Tagen Aktivistinnen der Gruppe Femen Germany begleitet. Nach langen Recherchen schafften sie es, Vertrauen aufzubauen und Einblick in ihre Untergrundwelt zu bekommen.

Stefanie Gromes und Katrin Hafemann, Sie waren sieben Tage mit Aktivistinnen von Femen Germany zusammen. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?

Stefanie Gromes: Ich habe die Aktionen von Femen immer sehr interessiert in der Presse verfolgt und fand es sehr mutig, was die Frauen da machen. Mit Anfang 30 habe ich nun auch schon einige Erfahrungen machen müssen, die eine gleichberechtigte Gesellschaft doch stark infrage stellen.

Katrin Hafemann: Bei mir war es so, dass ich mich im Studium das erste Mal tiefer gehend mit Feminismus und Emanzipation beschäftigt habe. Das hat sich dann wie ein roter Faden durch mein Studium gezogen, und natürlich kamen auch noch persönliche Erfahrungen dazu. Steffi und ich haben viel über unsere Stellung in der Gesellschaft und im Job gesprochen und diskutiert. Es ist einfach ein Thema, das uns bewegt. Wir wollten endlich mal mehr machen, als nur reden und uns aufregen. Femen erschien uns dafür ein interessanter und persönlicher Ansatz. Deswegen haben wir das Thema der Redaktion vorgeschlagen.

„Zwei Mitglieder von Femen Germany mit schwarzem Schriftzug auf dem Oberkörper. © NDR, honorarfrei

7 Tage... FEMEN

7 Tage -

Sie kämpfen oben ohne gegen Prostitution und frauenfeindlichen Islamismus - die Aktivistinnen von Femen Germany. Die Autorinnen von 7 Tage bekommen Einblick in ihre Untergrundwelt.

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Frau Hafemann, Sie haben gefilmt, Frau Gromes, Sie sind diejenige, die in der Doku zu sehen ist. War es von Anfang klar, dass Sie sich so aufteilen?

Gromes: Ja, es war von Anfang an klar, dass ich vor die Kamera gehe. Ich bin in der DDR aufgewachsen, da war FKK ja auch nicht so ein Thema. Ich denke, nackte Brüste haben schon viele Menschen gesehen. Und bei Femen stehen sie ja auch im anderen Kontext.

Hafemann: Mir war schnell klar, dass ich nicht oben ohne vor die Kamera möchte. Für mich war es eher reizvoll, meinen Blick auf die Frauen und das Thema durch die Kamera festzuhalten. Denn der weibliche Blick ist natürlich gerade bei dem Thema noch mal ein ganz anderer als der von männlichen Kollegen.

Im Film sieht man Ihnen, Frau Gromes, unter anderem beim Fotoshooting Ihr Unbehagen deutlich an. Warum haben Sie mitgemacht?

Gromes: Bei 7 Tage tauchen wir immer in die Lebenswelt der Menschen ein. Wenn ich einen Film über die Femen-Aktivistinnen mache und ihren Protest ernst nehmen will und auch als Filmemacherin ernst genommen werden will, dann muss ich ja mitmachen. Nur so verstehe ich das große Ganze. Auch wenn es mir schwerfiel, es war eine bewusste Grenzüberschreitung. Persönlich und beruflich.

Während des Drehs ist die Hauptfigur Femen Germanys, Zana, ausgestiegen. Hatten Sie damit gerechnet?

Hafemann: Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet, und es war am Anfang auch nicht abzusehen. Zana war diejenige, zu der wir den ersten Kontakt hatten und die uns in die Gruppe eingeführt hat. Ihre Wandlung hat natürlich auch unseren Dreh und Steffis Haltung der Gruppe gegenüber stark beeinflusst. Am Ende macht gerade so eine Wendung einen Film spannend, aber es war nicht unproblematisch für uns.

In ihrem Film ist die Entwicklung deutlich zu sehen. Nicht nur von Femen selbst, auch von Ihnen, Frau Gromes. Was hat Ihre Zeit bei den Aktivistinnen mit Ihnen gemacht?

Gromes: Während der Dreharbeiten ist mir bewusst geworden, wie sehr wir alle doch die Augen vor Dingen verschließen, die absolut unmöglich sind. Ich habe viele engagierte Frauen getroffen, die mich extrem beeindruckt haben. Und ja, ich kann sagen, ich werde in Zukunft mit offeneren Augen und einer klareren Position durch die Welt gehen. Auch über den Film hinaus werde ich mich weiter für das Thema Frauenrechte einsetzen. Auf welchem Weg auch immer.

Hafemann: Die Zeit hat uns beide schon stark beeinflusst. Ich hatte ja schon viel gelesen und mich mit dem Thema auseinandergesetzt, aber "Stop-Sexkauf-Kongress" [Kongress des "Netzwerks zur Beendigung der Prostitution durch das Sexkaufverbot", Anm. d. Red.], auf dem wir in München waren, hat mich sehr aufgewühlt. Die Erzählungen und Gespräche mit den ehemaligen Prostituierten wirken bei mir noch heute nach. Die Filmarbeiten haben mich schon verändert, und auch ich will mich über den Film hinaus wieder stärker engagieren.

Das Interview führte Vivienne Schumacher.

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