Die Redaktion stellt sich vor
Sie alle schauen ganz genau hin: Die Redaktion von 45 Min plant, organisiert und verantwortet die wöchentlichen Dokumentationen.
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Seit Januar 2010 ist 45 Min zu sehen. Patricia Schlesinger ist sehr zufrieden. "Man weiß, man bekommt da etwas Gutes, etwas Besonderes." Ein halbes Jahr, nachdem 45 Min gestartet ist, zieht die Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation im NDR Fernsehen im Gespräch mit NDR.de eine erste Bilanz.
Patricia Schlesinger (lacht): Am liebsten fernsehen natürlich! Leider gelingt es mir nicht, jede 45-Min-Sendung zu sehen, denn ich habe auch Abendtermine. Aber ich sehe mir alle Filme vorher an, oder aber wirklich am Abend der Ausstrahlung. Man weiß, man bekommt da etwas Gutes, etwas Besonderes. Hinterher kann man sagen: "Ach, so ist das? Das habe ich nicht gewusst."
Patricia Schlesinger: Unsere Auftaktsendung "Sexobjekt Kind" fand ich hervorragend. Das war eine Dokumentation, auf die ich schon mal sehr stolz bin. Sie hat uns nicht nur eine gute Quote gebracht, sondern war auch inhaltsschwer, da waren Neuigkeiten drin. Dieser Film war so, wie ich mir Dokumentationen wünsche. Er hat uns auch, und es war wohlgemerkt die erste Sendung 45 Min, gleich eine Grimme-Preis-Nominierung eingebracht.
Und ich habe noch eine Lieblingsdokumentation, und zwar "Die Macht der Rocker". Erstaunlich dabei war die Nähe der Rockerclubs zur "Gesellschaft".
Patricia Schlesinger: Meine Bilanz ist positiv. 45 Min hat sich innerhalb dieser kurzen Zeit als Marke etabliert - und das mit Dokumentationen und harten journalistischen Themen, was nicht selbstverständlich ist in dieser Zeit. Die Menschen sehen es, die Menschen mögen es und wir haben ja inzwischen auch eine richtige Fangemeinde im Internet. Ich bin sehr froh darüber, zeigt es doch, dass man mit harten journalistischen Stoffen unsere Zuschauer erreichen kann.
Patricia Schlesinger: Es fehlte eine Marke für Dokumentationen im NDR Fernsehen! Voraussetzung war, dass wir Kräfte zusammengeführt haben. Es ist ein tolles Team, das unter der Leitung von Christoph Mestmacher zusammenarbeitet; diesem Team zolle ich hohen Respekt. Wir haben außerdem Ressourcen gebündelt und alles auf diese eine Marke konzentriert - bisher mit Erfolg.
Patricia Schlesinger: Es ist mit Sicherheit eine andere Herangehensweise, als die der Dokumentationen, die wir bisher gesendet haben. Die waren gut, aber alle sehr unterschiedlich. Wir haben jetzt bei 45 Min eine eigene Formensprache entwickelt: Wir begeben uns immer auf Spurensuche; am Beginn der Recherche steht immer eine Frage. Das heißt, ein Autor, eine Autorin oder manchmal auch mehrere, gehen auf die Reise, auf die Recherche, und sehen, was sie über ein Thema herausfinden, das sie interessiert. Der Zuschauer nimmt daran auf Augenhöhe teil: Es ist nicht so, dass mir der Autor erklärt, wie die Welt funktioniert, sondern ich als Zuschauer erfahre mit dem Autor zusammen, wie die Welt funktioniert. Ich bin auch bei den Rechercheschritten beteiligt - der Zuschauer wird mitgenommen.
Patricia Schlesinger: Ich finde sie klasse, sie ist in der Tat sehr aufwendig. Wir machen da das Maximum dessen, was wir im rechtlichen Rahmen dürfen. Der Auftritt kostete gerade zu Anfang viel Kraft. Bei 45 Min Online findet man den klassischen Mehrwert, den das Internet für uns bieten kann: nämlich die längeren Interviews, Hintergrundinformationen, manchmal auch ein bisschen Geschichte zu dem einzelnen Thema. Wir haben es inzwischen geschafft, eine Community zu bilden, das heißt, es gibt eine Fangemeinde, die dort immer hinklickt, sieht, was machen wir da und die sich auch rege über die Kommentarmöglichkeit beteiligt. Wer mehr wissen will, als die Dokumentation zeigen konnte, findet genau das auf der 45-Min-Seite. Ich glaube, wir erreichen so auch Zuschauer, die wir sonst nicht so leicht erreichen, nämlich einfach eine jüngere Zielgruppe.
Patricia Schlesinger: Na klar! Das ist sehr ungewöhnlich sogar. Ich finde das eine richtig gute Idee. Als ich davon hörte, habe ich gesagt, "Das ist mal was Neues". Wir in unserem Kosmos sehen Themen, bekommen viel mit, aber unsere Zuschauerinnen und Zuschauer haben vielleicht auch noch mal Ideen oder eine ganz andere Vorstellung davon, was ein Thema sein könnte oder wie man ein Thema anfassen könnte. Ich glaube, der Kontakt zu unseren Zuschauern und deren Möglichkeit, etwas mitzugestalten, ist etwas, was neu und sehr interessant ist. Und unter Umständen können das auch gute Dokumentationen werden.
Patricia Schlesinger: Das ist eine interessante Frage. Ideen gibt es immer, aber die würde ich wirklich lieber erst mal mit der Redaktion besprechen.