"Meine Bilanz ist positiv"
Seit Januar 2010 ist 45 Min zu sehen. Patricia Schlesinger, Chefin des Programmbereichs Kultur im NDR Fernsehen, ist sehr zufrieden: "Man weiß, man bekommt da etwas Gutes, etwas Besonderes." mehr
Interview
In der neuen Reihe werden "spannende Filme ohne Schnickschnack" gezeigt, verspricht Dirk Neuhoff. Der Leiter der Abteilung Dokumentation und Reportage beim NDR Fernsehen verrät, wie ein Film für 45 Min gestaltet wird.
Dirk Neuhoff: Gut gemachte, spannende Dokumentationen, die Fragen aufgreifen und beantworten, die sich unsere Zuschauer in ihrem Alltag auch schon mal gestellt haben. Um Beispiele zu nennen: Wie “verführt“ uns eigentlich ein Supermarkt zum Kaufen? Warum werden so viele Kinder in Deutschland Opfer von sexueller Gewalt? Wie ist es zu der Milliardenkatastrophe bei der HSH Nordbank gekommen? Im Ergebnis entstehen Dokumentationen, aus denen der Zuschauer auch etwas für seinen Alltag mitnehmen kann.
Dirk Neuhoff: In der Regel nein, wir wollen Dokumentationen ohne Schnickschnack machen, das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben, aber natürlich sollen sie modern gestaltet sein, so wie man heutzutage Dokumentationen macht.
Dirk Neuhoff: Es unterscheidet sich im Wesentlichen darin, dass wir in jedem Film einer Kernfrage der Zuschauer auf den Grund gehen, und zwar wirklich Schritt für Schritt: Diese Frage produziert eine erste Antwort, und aus dieser Antwort entsteht eine neue Frage und so weiter. Wir gehen diesen Rechercheweg und kommen am Ende der Spurensuche zu einer Antwort.
Dirk Neuhoff: Wir haben ein Spektrum, das so vielfältig ist wie das Leben unserer Zuschauer: Wir besetzen Themen aus dem Verbraucherbereich, wir werden uns mit der Wirtschaft beschäftigen, aber auch mit alltäglichen Themen wie etwa der Bedeutung des Aberglaubens im Leben von Menschen. Natürlich werden politische Themen wie der Skandal um die HSH Nordbank bei 45 Min nicht fehlen. Wichtig ist uns, dass wir an die Themen so herangehen, dass wir immer die Perspektive der Zuschauer einnehmen.
Dirk Neuhoff: Unser Redaktionsteam besteht aus sechs Redakteurinnen und Redakteuren. Jedes Thema braucht gewissermaßen eine Patin oder einen Paten. Sie finden die Themen oder es kommen Autoren zu ihnen und schlagen eines vor. Und wenn die Redakteure sich das dann zu eigen machen, diskutieren sie es mit ihren Kollegen im Team. Die Themen, von denen die meisten am stärksten überzeugt sind, werden mir dann präsentiert. Am Ende sage ich dann, ja, das sollten wir auf den Weg bringen.
Dirk Neuhoff: Bei dieser Art von Dokumentation vergehen meist mehrere Monate von der Idee bis zum fertigen Film. Denn wir machen ja Dokumentationen und keine Magazinstücke, keine kurzen, schnellen Reportagen. Wir haben den Anspruch, ein Thema wirklich gut zu recherchieren und tiefgehend zu behandeln. Wir wollen uns aber immer auch die Möglichkeit offen halten, aktuell zu reagieren. Also wenn ein Thema hochkommt, von dem wir sagen, dass es sehr schnell von vielen Seiten recherchiert und innerhalb von zwei, drei Wochen produziert werden muss, dann stemmen wir auch das.
Dirk Neuhoff: Sie müssen, wie gesagt, zunächst mal eine Themenentscheidung treffen. Dann müssen Sie mit den Autoren klären, wie bei dem Thema die Kernfrage und die Spur, der wir für den Zuschauer folgen, umgesetzt werden sollen. Anschließend sind die Redakteure jederzeit ansprechbar für die Autorinnen und Autoren bei der Produktion. Die Redakteure arbeiten im Prinzip wie Hebammen, sie unterstützen die Autoren auf dem Weg zu einem fertigen Film.
Dirk Neuhoff: Einen guten Dokumentarfilmer macht aus, dass er ein gutes Gefühl für die Dramaturgie der langen Form hat. Es ist ein Unterschied, ob man eine Geschichte in 45 Minuten erzählt oder in drei Minuten oder fünf. Er muss ein sehr gutes Gefühl für Bilder haben sowie sorgfältig, tief und umfangreich recherchieren können.
Dirk Neuhoff: Einer guten Dokumentation folge ich mit Spannung und Neugier, so, dass ich alle paar Minuten sage, hey, das wusste ich ja noch gar nicht. Am Ende sollte ich das Gefühl haben, etwas gelernt oder verstanden zu haben.