Stand: 12.05.2014 09:41 Uhr

Bioplastik - eine Mogelpackung?

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Auch Bioplastik kann im Meer landen - und ein Problem für die Umwelt darstellen.

Joghurtbecher aus Milchsäure, Einkaufstüten aus Maisstärke, Spielzeug aus Pflanzenzellen: Mit Hochdruck arbeiten Forscher an umweltfreundlichen Alternativen zu Kunststoffen auf Erdölbasis. Doch oft ist Bioplastik gar nicht so gut für die Umwelt. Einige Experten halten viele der angeblich ökologischen Kunststoffe sogar für höchst problematisch.

Was ist Bioplastik?

Der Begriff ist nicht einheitlich definiert. Es gibt zwei Arten von Bioplastik:

  • Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen statt Erdöl
  • biologisch abbaubare Kunststoffe, die im Kompost verrotten sollen

In welchen Produkten wird Bioplastik bereits eingesetzt?

Eigentlich überall, wo herkömmliches Plastik zum Einsatz kommt, lässt sich auch Bioplastik verwenden:

  • Bio-Polyamid (PA)

    Skistiefel, Autoverkleidungen

  • Bio-Polyhydroxyalkanoat (PHA)

    Hilfsmittel in der Chirurgie, z. B. Schrauben und Platten

  • Bio-Polylactid (PLA)

    Textilien, Handyschalen, Spielzeug, Joghurtbecher

  • Bio-Polyethylen (PE)

    Kosmetik- und Lebensmittelflaschen, Getränkekartons

  • Bio-Polyethylenterephthalat (PET)

    Getränkeflaschen

  • Bio-Polyester (PES)

    Lippenstifte

  • Stärkemischungen

    Plastiktüten

  • Zelluloseverbindungen

    Klarsichtverpackungen, Computerzubehör

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Warum ist Bioplastik problematisch?

Vier Gründe sprechen gegen Bioplastik:

  • Plastiktüte statt Lebensmittel: Bioplastik aus nachwachsenden Rohstoffen enthält immer noch viel Erdöl, teilweise bis zu 50 Prozent. Nach Ansicht des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) steht der Anbau von Pflanzen für die Herstellung von Bioplastik in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion - ähnlich wie bei der Diskussion um Biosprit ("Volle Tanks, leere Teller"). Häufig würden Genmais und mit Pestiziden behandelte Pflanzen für die Produktion von Bioplastik verwendet.
  • Schlechte Kompostierbarkeit: Bioplastik darf nicht in die Biotonne, weil es zu langsam verrottet. Kunststoffe gelten als kompostierbar, wenn nach drei Monaten industrieller Kompostierung höchstens zehn Prozent des Produkts größer als zwei Millimeter sind (EU-Norm 13432). Industrielle Kompostierung heißt: Das Material wird einer Temperatur von 65 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt. Solche Werte sind beim Kompostieren im eigenen Garten unrealistisch.
  • Fehlendes Recycling: Bioplastik wird meist wie Restmüll verbrannt, weil es nicht recycelbar ist, sagt Rolf Buschmann vom BUND. Für das häufig eingesetzte Bioplastik aus Stärke und Zellulose sieht das Bundesumweltamt auch in Zukunft keine Chancen für eine Wiederverwertung. Dafür sei die Beschaffenheit des Materials zu unterschiedlich.
  • Kurze Haltbarkeit: Bioplastik ist nicht so robust wie herkömmlicher Kunststoff, kritisiert das Bundesumweltamt. Deshalb könnten zum Beispiel Bio-Plastiktüten nicht so häufig verwendet werden wie herkömmliche Plastiktüten und landeten relativ früh im Müll.

Ist Bioplastik zum Scheitern verurteilt?

Nach Informationen des Bundesumweltamts wurden 2009 in Deutschland 2,645 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen produziert, davon lediglich 0,5 Prozent als Bioplastik. Der Anteil werde bis 2015 voraussichtlich auf zwei Prozent steigen. Aber: "Momentan ist Bioplastik Augenwischerei, die Firmen könnten sich grün geben und Verbraucher ihr ökologisches Gewissen beruhigen", kritisiert der emeritierte Professor Gerd Liebezeit, der die Folgen der Plastikmülls erforscht. Auch Rolf Buschmann von der Umweltorganisation BUND kritisiert Bioplastik: Er hält es nur zusammen mit einem funktionierenden Recycling-System für sinnvoll.

Welche Einkaufstaschen sind gut für die Umwelt?

  • Herkömmliche Plastiktüte

    Sie wird aus Erdöl hergestellt. Wer sie nur einmal verwendet, vergeudet wertvolle Ressourcen. Endstation: Gelber Sack.

  • Kompostierbare Plastiktüte

    Sie besteht in der Regel zur Hälfte aus Rohöl und zu 30 bis 50 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen. Endstation: Restmüll.

  • Jutetasche

    Sie werden aus Baumwolle und Polyestergewebe hergestellt. Dafür ist viel Material, Energie und Wasser nötig. Erst ab der 30. Benutzung ist sie umweltfreundlicher als eine Plastiktüte. Endstation: Restmüll.

  • Papiertüte

    Bei der Herstellung kommt viel Zellstoff, Energie und Chemie zum Einsatz. Oft reißt sie schnell oder weicht durch. Erst ab dem dritten Einsatz ist sie besser als eine Plastiktüte. Endstation: Papiertonne.

  • Recycling-Plastiktüte

    Eine Plastiktüte mit dem Blauen Engel ist zu 80 Prozent aus Altplastik. Bei mehrfachem Gebrauch ist sie den anderen Taschen überlegen. Endstation: Gelber Sack.

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Informationen zur Sendung

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Dieses Thema im Programm:

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