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Interview
Fernseh-Journalist Hauke Wendler
Hauke Wendler: Wir sind ja von dieser Einkaufsstätte fast alle abhängig und meinen zu wissen, wie sie funktioniert. Doch mein Co-Autor Carsten Rau und ich haben festgestellt, dass das nicht stimmt. An dem Punkt haben wir beschlossen, ganz ergebnisoffen zu recherchieren und zu fragen, was ein Supermarkt ist, was wir da kaufen und warum wir es kaufen. Wir wollten einerseits zeigen, was das für eine Qualität ist, die man da bekommt, und andererseits, was eigentlich alles am System Supermarkt dranhängt. Uns ist es wichtig, Hintergründe aufzuzeigen und zu veranschaulichen, was für eine Riesenindustrie dahintersteckt und mit was für ausgefeilten Methoden sie arbeitet.
Hauke Wendler: Überraschend war für uns, dass es oft nicht so einfach ist, an Supermärkte heranzukommen, wenn man kritisch nachfragt. Wenn man als Journalist mit einem Kamerateam in einem Supermarkt drehen möchte, gibt es erst mal ganz erhebliche Hürden. Wir haben in der Vergangenheit auch schwierige Themen realisiert und beispielsweise in Atomkraftwerken gedreht oder in Hochsicherheitsgefängnissen. Ich hätte nicht gedacht, dass man uns im Supermarkt häufig auch den Zutritt beziehungsweise die Drehgenehmigung verwehrt. Das war zunächst mal unser größtes Problem. Daher mussten wir manchmal sogar mit versteckter Kamera arbeiten, um an die benötigten Informationen zu kommen.
Blick in ein Lebensmittellabor
Hauke Wendler: Ja. Interessant war auch, dass wir beispielsweise erst gut ein Dutzend Anfragen bei privaten Lebensmittellaboren stellen mussten, bevor wir dort Produkte testen lassen konnten. Wir haben uns gefragt, warum sich diese Labore scheuen, in die Öffentlichkeit zu gehen. Ein Lebensmittelchemiker wies uns dann darauf hin, dass diese Menschen nicht mit uns zusammenarbeiten wollten, weil sie Angst hatten, die Industrie könne nachher Großaufträge stornieren. Das sind so Zusammenhänge, die wir spannend fanden. Da wird ganz massiv ein Geschäft betrieben, das legitim ist und nicht gesetzeswidrig. Aber der Kunde, der Verbraucher, und letztlich unser Zuschauer, sollte über diese Methoden und über die Art und Weise, wie diese Geschäfte betrieben werden, informiert sein.