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Reinhard Schädler


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Extreme Schufterei für schäbiges Gehalt

Um die "menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen" der Paketbranche aufzudecken, hat Reinhard Schädler selbst als Kurierfahrer gearbeitet - undercover. Wie ist es dem Autoren ergangen?

NDR.de: Sie haben mehrere Wochen lang als Paketzusteller gearbeitet. Warum haben Sie das getan?

Reinhard Schädler © NDR Detailansicht des Bildes Unser Autor hat sich fast ein halbes Jahr lang auf seinen Undercover-Einsatz vorbereitet. Reinhard Schädler: Vor drei Jahren habe ich im Rahmen der Recherchen für eine Fernsehreportage die ersten Kurierfahrer kennengelernt. Das, was sie mir damals erzählten, beunruhigt mich bis heute. Von den Fahrern, die unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen schuften, befinden sich die meisten in einer psychischen Ausnahmesituation. Der Zeitdruck, die brutal langen Schichten und die Anspannung im Straßenverkehr zeichnet die Männer innerhalb kürzester Zeit. Diese Missstände aufzudecken und den Zuschauern zu zeigen, wie es den Arbeitnehmern in dieser für unsere Wirtschaft so wichtigen Branche wirklich geht, waren die Motivation für meine Recherchen und meine Bewerbung als Paketzusteller. Dabei spielt es keine Rolle, bei welchem Unternehmen die Fahrer angestellt sind. Unsere Recherchen zeigen, dass es diese tarifvertraglich nicht regulierten Arbeitsverhältnisse bei allen großen und bekannten Marken der Logistikbranche gibt.

NDR.de: Wie haben Sie sich auf Ihren Undercover-Einsatz vorbereitet?

Schädler: Ich habe mich fast ein halbes Jahr auf den Einsatz vorbereitet. Vor allem meine Identität im Internet musste ich verschleiern, da ja nicht auszuschließen war, dass der eine oder andere Personalchef meinen Namen googelt. Des Weiteren mussten wir die geeignete Kameratechnik finden und testen. Wir wollten ja einerseits auf keinen Fall auffliegen. Die Kameras mussten also unsichtbar sein und andererseits aber möglichst authentische Bilder liefern. Der spannendste Teil der Vorbereitung war in diesem Zusammenhang sicher das intensive wochenlange Training mit den Kameras.

NDR.de: Wie haben Sie sich während des Einsatzes gefühlt?

Schädler: Die nervliche Anspannung war schon sehr groß. Auf der einen Seite wollte und musste ich meinen Job als Kurierfahrer ja möglichst gut machen. Auf der anderen Seite konnte ich den Journalisten in mir ja nicht ausschalten. Ich war also ständig auf zwei Ebenen unterwegs. In der Nachschau würde ich sagen, dass man das niemandem allzu lange zumuten sollte.

NDR.de: Was hat Sie am meisten erschüttert?

Schädler: Die lange Arbeitszeit, sechs Tage die Woche, das war die gravierendste Erfahrung. Aber wenn ich jetzt sage, da bleibt so wenig Zeit fürs Leben übrig, trifft es das überhaupt nicht. Diese Erfahrungen haben mir auch die vielen Fahrer, die ich interviewt habe, mitgeteilt. Die mentale und körperliche Erschöpfung ist bei dem Job so groß, dass die wenigen Minuten nach Feierabend oder die paar Stunden am Sonntag zu nichts zu gebrauchen sind. Anders gesagt, die Fahrer selbst sind zu nichts zu gebrauchen. Viele haben extreme Probleme, Beziehungen zu führen oder Freundschaften und Hobbys zu pflegen. Wütend macht mich das vor allem dann, wenn ich an das extrem schäbige Gehalt denke, das die meisten für diese extreme Schufterei bekommen.

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 13.02.2012 | 22:00 Uhr

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Undercover als Paketsklave

13.02.2012 | 22:00 Uhr

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Beitrag des WDR-Politmagazins Monitor zum Sub-Unternehmermodell in der Paketbranche

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