45 Min Newsletter abonnieren
Anmeldung und Adressänderungen können Sie hier vornehmen. mehr
Eine faire Beschäftigung nach Tarif sähe so aus: tariflicher Stundenlohn, also kein "Produktlohn" wie bei den Zustellern der Sub-Unternehmer, und eine Ankerkennung der aufgewendeten Arbeitszeit. Die üblichen Standards wie Urlaub, Urlaubsgeld und Zuschläge für Überstunden müssten ebenfalls gewährleistet sein. Das sind Eckpfeiler der Beschäftigung nach Tarifvertragsbedingungen und das unterscheidet die Tarif-Beschäftigten von denen, die unter Sklaven-Bedingungen arbeiten.
Die Zusteller der Sub-Unternehmer sind in der Regel nicht organisiert. Sie haben wenig Möglichkeiten für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen: Manche Sub-Unternehmer sind dafür bekannt, dass sie kritische Arbeitnehmer sehr restriktiv behandeln und Betriebsräte nach Möglichkeit verhindern. Das ist im Prinzip ein Wesensmerkmal der Beschäftigung im Sub-Unternehmerbereich. Helfen würde nur eins: Wenn sich die fünf großen Anbieter dazu durchringen könnten, dass sie auch für die Sub-Unternehmer und deren Beschäftigte den Flächentarifvertrag und den darin festgelegten Lohn als Grundlage anerkennen würden. Dann hätten wir die Situation, dass das beste Betriebskonzept über die Aufträge entscheidet und sich nicht die besten Lohndrücker ihre Aufträge mithilfe von Billig-Angeboten sichern.
Der Skandal dabei ist, dass die Gesellschaft diese skandalösen Arbeitsbedingungen mitfinanziert. Nicht wenige derjenigen, die zu diesen Sklavenbedingungen beschäftigt werden, müssen am Ende des Monats zum Sozialamt gehen, weil sie mit dem Lohn ihre Familie nicht durchbringen können. Das bedeutet auch, dass wir als Steuerzahler im Prinzip den ruinösen Wettbewerb mitfinanzieren. Das ist der eine Skandal. Der zweite Skandal ist, dass uns genau die Folgen dieser Lohn-Dumping-Politik in zehn bis 20 Jahren auf die Füße fallen werden, weil diese Menschen kaum in die Renten- oder in die Sozialkassen einzahlen können. Auch das werden wir später bezahlen müssen.
Praktisch ist es für diejenigen, die unter solchen Bedingungen arbeiten, schwierig sich zu wehren. Eigentlich müssten sie ihren Arbeitgeber verklagen. Den meisten fehlt dazu der Mut. Sie sind auch deshalb eher bereit, die skandalösen Arbeitsbedingungen in Kauf zu nehmen, weil sie nichts anderes haben. Zudem haben wir zwar Behörden, die zum Beispiel für die Überwachung des Arbeitszeitengesetzes zuständig sind, aber nicht in der Art tätig werden, wie es wünschenswert wäre, um es sehr diplomatisch zu formulieren.
Wir müssen weg von der Tatsache, dass in der Paketbranche der Wettbewerb über das beste Lohndumping-System entschieden wird. Stattdessen sollten die Unternehmen Aufträge bekommen, die faire Arbeits- und Bezahlungsbedingungen gewährleisten und darauf basierend den besten Kundenservice, beziehungsweise das beste Betriebskonzept anbieten.