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"Früher haben die Menschen die Zustellung so ein bisschen wie Spazierengehen wahrgenommen, mittlerweile ist das ein Knochenjob geworden", sagt Wolfgang Abel. Der Gewerkschafter ist bei Verdi Hamburg verantwortlich für den Bereich Postdienste, Speditionen und Logistik. In einem Gastbeitrag für 45 Min beschreibt Wolfgang Abel das System der Sub-Unternehmen in der Paketbranche.
Von Wolfgang Abel / Verdi Hamburg
"Wir gehen davon aus, dass mindestens 35.000 Paketzusteller unter Lohn-Dumping-Bedingungen arbeiten", sagt Wolfgang Abel.
Der Wettbewerb zwischen den fünf großen Anbietern der Paket-Branche ist brachial. Drei Anbieter arbeiten nur mit Sub-Unternehmern, ganz überwiegend zu Lohndumping-Bedingungen: Hermes, DPD und GLS. Zwei weitere Dienstleister, UPS und Post, beschäftigen überwiegend eigene Angestellten. UPS hat ungefähr 30 Prozent der Paketzustellung an Sub-Unternehmer vergeben. Bei der Post sind maximal zehn Prozent der Paketzustellbezirke sind an Fremdfirmen vergeben. Der Rest sind Post-Beschäftigte, die nach tariflichen Bedingungen entlohnt werden. Sie müssen zwar auch sehr viel arbeiten, bekommen aber ein anständiges Gehalt dafür.
Für diese fünf großen Unternehmen arbeiten insgesamt mindestens 50.000 Paketzusteller bundesweit. Wir gehen davon aus, dass von denen wiederum mindestens 35.000 unter Lohn-Dumping-Bedingungen arbeiten. Das heißt, sie müssen manchmal bis zum Umfallen arbeiten und erhalten dafür einen Hungerlohn. Das liegt daran, dass im Wettbewerb um Kunden wie Internetversandhäuser der Rotstift regiert: Der, der die Beschäftigten der Sub-Unternehmer am meisten gedrückt hat, erhofft sich den Auftrag. Da wird Lohn-Dumping vielfach als Geschäftsprinzip betrieben.
Das Prinzip, nach dem die Fremdfirmen arbeiten, ist überall gleich: Die Hauptfirma vergibt eine bestimmte geografische Einheit an eine Fremdfirma, samt den damit verbundenen Straßen. Die Sub-Unternehmer werden in der Regel nach der Anzahl der ausgelieferten Pakete bezahlt, die in dieser geografischen Einheit anfallen. Das heißt, je mehr Stück, desto höher das Einkommen, je weniger, desto geringer das Einkommen. Die Angestellten erhalten in der Regel einen niedrigen Pauschallohn. Das System baut darauf auf, dass das unternehmerische Risiko in der gesamten Paketzustellung, wo Fremdvergabe erfolgt, an die Beschäftigten weitergegeben wird.
Da gibt es auf der einen Seite die Zusteller der Sub-Unternehmern, die einen sogenannten Produktlohn erhalten. Sie müssen die Pakete, die sie in der Woche bekommen, auch zustellen. Wenn sie das getan haben, bekommen sie dafür ihre Entlohnung. Für eine Wochenarbeitszeit von bis zu 60 Stunden ist das ein Monatsgehalt von etwa 1.200 Euro. Damit sind aber auch alle Überstunden pauschal abgegolten. Die tatsächlichen Arbeitszeiten werden nicht festgehalten. Die Zusteller kommen damit auf Stundenlöhne von 4,50 Euro bis 7,00 Euro.
Auf der anderen Seite sind da die Tarif-Beschäftigten, die es leider nur noch bei UPS und der Post gibt. Sie bekommen für eine Wochenarbeitszeit von 38,5 Stunden pro Woche ein Gehalt von etwa 1.900,00 Euro, jedenfalls bei der Post. Überstunden werden bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen. Die Ursache dafür ist relativ klar. Die Beschäftigten bei der Post zum Beispiel sind zu 80 Prozent organisiert und damit in der Lage, ihre Interessen durchzusetzen, über Betriebsräte und Gewerkschaften.