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Schulter an Schulter normalweise unvorstellbar bei den verfeindeten Rockerclubs. Hier eine Montage.
Wer sich als Motorradclub zu den sogenannten Outlaw Motorcycle Gangs (OMCG) bekennt, bekundet damit, außerhalb des Gesetzes zu stehen und nach seinen eigenen Regeln und Gesetzen zu leben. Zu diesen Regeln gehört beispielsweise das Schweigegelübde gegenüber Außenstehenden, insbesondere gegenüber den staatlichen Stellen. Darin ähneln die Rockergruppen der italienischen Mafia. Deren Omertà (Schweigegelübde) gilt sogar als heilig. Eine weitere Parallele zeigt sich beim Zusammenhalt: bei der Mafia innerhalb der einzelnen Clans, bei den OMG in den sogenannten Chapters und Charters, den Ortsgruppen der Clubs. Zudem besitzt der Präsident eines "Chapters" eine ähnliche Machtfülle wie der "Capo" eines Mafia-Clans.
Wenn es allerdings um die Vereinsverbote geht, wenden sich Bandidos und Hells Angels durchaus an den Staat, etwa wenn sie versuchen, die Verwaltungsgerichte für sich zu nutzen. Ein Beispiel: Die "Hells Angels" haben sich öffentlich über den geringen Schutz durch die Polizei Bremen beschwert, als die Mongols (vor ihrem Verbot Ende Mai dieses Jahres in Bremen) mit 20 Mann 40 "Hells Angels" überfielen und offensichtlich obsiegten.
Hells Angels: Am 17. März 1948 gründen Veteranen der US Air Force um den ehemaligen Kampfpiloten Arvid Olsen einen Motorradclub. Der Männerbund benennt sich nach der Bomberstaffel Olsens: Hells Angels Motorcycle Club (HAM). Ein geflügelter Totenkopf, heute noch Logo der Hells Angels, fand sich schon auf den Flugzeugen der Militärflieger. Der Club schafft sich einen strengen Ehrenkodex. In den 60er-Jahren gründen die Hells Angels in den gesamten USA weitere Ortsclubs, die sogenannten Charters. Sie gewinnen als Türsteher und Ordner an Einfluss.
Der erste deutsche Hells Angels-Club wird 1973 in Hamburg gegründet. Auf St. Pauli bewirtschaften die Rocker unter anderem Bordelle. Der Motorradclub ist längst zu einer weltweit operierenden Vereinigung geworden. Immer wieder werden Mitglieder wegen Zuhälterei, Körperverletzung, unerlaubten Waffenbesitzes, Vergewaltigung und Drogenhandel angeklagt. In Hamburg reicht das 1983 für ein Verbot der Hells Angels als kriminelle Vereinigung.
Bandidos: Das texanische Houston ist der Gründungsort des anderen großen Outlaw Motorradclubs. Vietnamveteranen rufen ihn 1966 ins Leben. Die Farben Rot und Gold des Logos, das einen mexikanischen Banditen darstellt, sollen auf die US-Marines hinweisen. 1989 gründen die Bandidos erste "Charters" in Europa, 1999 in München. Die Expansion des Rockerclubs führte in einigen Ländern etwa in Dänemark zu blutigen Auseinandersetzungen mit den verfeindeten Hells Angels.
Gita Ekberg, Autorin der beiden Dokumentationen über Rocker, weist darauf hin, dass nicht alle organisierten Motorradclubs als kriminell zu betrachten sind. Den meisten gehe es weder um Gewinn- noch Machtstreben. Es werde auch kein sogenannter Gebietsschutz beansprucht, so die Journalistin. Die Unterschiede zwischen den Anhängern sind optisch allerdings kaum zu erkennen, insbesondere dann, wenn die Biker ohne "Kutte" und "Colors", also den clubeigenen Abzeichen, unterwegs sind. Das Problem ist, dass sie für Außenstehende schwer zu unterscheiden sind und damit nicht immer klar ist, wer harmlos ist und wer möglicherweise als "gefährlich" gelten könnte.
Ein wichtiges Zeichen gibt es allerdings: Motorradgruppen, in denen Frauen mitfahren, sind den Outlaw Motorcycle Gangs nicht zuzurechnen. "Bandidos" und "Hells Angels" sind, genau wie andere hochorganisierte Rockerclubs (Outlaw, Gremium oder Red Devils), reine Männergesellschaften. Frauen dürfen in den Clubs keine Mitglieder werden. Sie spielen außerhalb der eigenen Familie lediglich eine Rolle für die Geschäfte, vor allem im Rotlicht-Bereich. Dort liegen die Betätigungsfelder der meisten Outlaw Motorcycle Gangs.
Durchsuchungsaktion der Polizei gegen "Hells Angels" in Bremen.
Viele Menschen fragen sich, wie gefährlich es für sie ist, wenn eine der beiden Rockergruppen zu ihrer Nachbarschaft gehört. Gita Ekberg hält nicht jeden Rocker, der eine "Kutte" von "Hells Angels" oder "Bandidos" trägt, per se für gefährlich für die Bewohner einer Stadt, in denen die Clubs einen Sitz haben. "Nach allem, was wir erfahren haben, gehen weder Hells Angels noch Bandidos auf ihre Nachbarschaft los - im Gegenteil", so die Einschätzung von Gita Ekberg. "Sie wollen in den Clubhäusern ihre Ruhe haben." Bedrohlich für die Bevölkerung können allerdings die rund um die Clubhäuser stattfindenden Kontrollen und Durchsuchungen wirken. Kaum ein Einsatz gegen "Hells Angels" oder "Bandidos" geht ohne Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Polizei vonstatten, weil bei ihnen häufig Waffen gefunden wurden.