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Der Laptop war online: Eine Schülerin zieht sich aus, der Hacker schaut durch die laufende Webcam unbemerkt zu.
Von Voyeurismus über ungewollte Berührungen am Körper bis zu erzwungenem Geschlechtsverkehr reichen die Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, mit denen Schulen, Heime und Internate konfrontiert sind. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat nun erstmals landesweit untersucht, wie häufig an diesen Institutionen Verdachtsfälle auf sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt bekannt werden. Die Studie ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, das die Unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann in Auftrag gegeben hat.
Erschreckend: Als mögliche Täter haben die betroffenen Kinder vergleichsweise selten Betreuer, Erzieher oder Lehrer angegeben. In den befragten Heimen gerieten bei zehn Prozent der Missbrauchsvorwürfe die dort tätigen Erwachsenen unter Verdacht, an Schulen vier und an Internaten drei Prozent. Dagegen ist sexueller Gewalt unter Kindern und Jugendlichen offenbar viel weiter verbreitet: Knapp 40 Prozent der Heime berichten über Verdachtsfälle, bei denen die mutmaßlichen Täter andere Kinder oder Jugendliche waren. An Schulen und Internaten werden bei 16 (Schulen) bis 28 Prozent (Internate) der Vorwürfe Gleichaltrige dafür verantwortlich gemacht. Die Hälfte dieser Verdächtigten war unter 14 Jahre alt. Bei den Opfern handelt es sich, egal bei welcher Tätergruppe, überwiegend um Mädchen.
Die Vielzahl der Verdachtsfälle in Heimen lässt sich gut begründen, so Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des Deutschen Jugendinstitutes.
Laut der DJI-Studie müssen Heime am häufigsten mit Verdachtsfällen sexueller Übergriffe und sexueller Gewalt umgehen: 70 Prozent der 324 befragten Einrichtungen meldeten, dass es bei ihnen innerhalb der vergangenen drei Jahre mindestens einen Verdachtsfall auf sexuelle Gewalt gegeben habe. Fast jeder zweite Fall hat sich laut Deutschem Jugendinstitut aber außerhalb des Heimes, etwa im häuslichen Umfeld, ereignet. Das sei im Vergleich zu Schulen und Internaten grundsätzlich auch nicht sehr überraschend, meint Professor Dr. Thomas Rauschenbach, Direktor des DJI, gegenüber NDR.de. Diese Kinder und Jugendlichen hätten oftmals bereits Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen gemacht und zudem kaum Strategien und Widerstandskräfte entwickelt, um sich gegen sexuelle Übergriffe zu wehren. Zudem müsse man sich klar machen, "dass es in Heimen und Internaten, anders als an Schulen, Tag- und Nachtsituationen gibt. Da kann es zu intimeren Situationen kommen, weil Kinder zum Beispiel ins Bett gebracht oder getröstet werden müssen. Oder weil Jugendliche Probleme, wie beispielsweise Liebeskummer, haben und darüber dann gesprochen wird. Damit bieten sich sogenannte Ermöglichungsräume, in denen die Kinder und Jugendlichen sich emotional eher öffnen, wenn ihnen außerhalb des Heims etwas passiert ist. Aber diese Offenheit kann auch im wahrsten Sinne des Wortes missbraucht werden."
Bei der Präsentation der Studie zeigte sich Christine Bergmann angesichts der hohen Zahl der Verdachtsfälle schockiert: Diese Kinder seien "emotional bedürftig" und dies werde ausgenutzt. Die Ergebnisse zeigten, "dass der Schutz der Kinder und Jugendlichen vor sexuellem Missbrauch integraler Bestandteil von Schulen, Internaten und Heimen werden muss", so die Missbrauchsbeauftrage weiter. Denn nicht nur Heime sind den Daten der DJI-Studie zufolge mit Verdachtsfällen von sexueller Gewalt konfrontiert, sondern auch Schulen und Internate, zwar in geringerem, aber dennoch erschreckendem Ausmaß. In der Hälfte der befragten Internate und rund 40 Prozent der befragten Schulen sind Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs bekannt geworden. Die Mehrzahl der Vorfälle soll sich außerhalb der Einrichtungen, etwa innerhalb der Familie ereignet haben, wurde aber einem Lehrer oder Betreuer mitgeteilt und damit zu einem Thema innerhalb der Institution.