Grundwissen: Gute und gefährliche Algen

In Florida färbt die sogenannte Red Tide das Wasser blutrot, in der Ostsee ziehen Massenblüten von Cyanobakterien (Blaualgen) braun-grüne Schlieren und auf den Philippinen zerstören die Algengifte die Lebensgrundlage von Fischern und Muschelzüchtern. Doch nicht alle Meeresalgen sind toxisch, im Gegenteil: Algen sind ein wichtiger Bestandteil mariner Ökosysteme.

Mikroskopisch kleine Einzeller und riesiger Seetang

Blaualgen auf einem See © dpa Fotograf: Stefan Sauer Detailansicht des Bildes Blaualgen auf einem See Algen kennt man oft vom Strandurlaub oder aus Badeseen, doch sie existieren beispielsweise auch in heißen Quellen, in Wüstengegenden und im antarktischen Eis. Der überwiegende Teil dieser Gruppe niederer Pflanzen lebt jedoch meist unter Wasser, hauptsächlich in den Ozeanen, aber auch in Süßwasser. Zur Gesamtheit der bekannten Algen gehören Schätzungen zufolge etwa 115.000 Arten. Unter ihnen sind sowohl Einzeller, als auch bis zu drei Meter lange Großalgen wie der Seetang zu finden. Letzteren gibt es unter den Grün-, Rot- und Braunalgen. In der Wissenschaft sind bislang etwa 20.000 Mikroalgen bekannt, von denen 120 bis 200 Arten toxisch.

Algen ernähren sich unter anderem, in dem sie Fotosynthese betreiben. Am pflanzenähnlichsten sehen die verschiedenen Arten von Tang aus: Ihre Wedel sind mit Blättern vergleichbar. Ihre Besonderheit: Schwimmkörper zwischen Blatt und Stängel sorgen für Auftrieb der Algen. Sie leben in unterschiedlichen Wassertiefen, manche von ihnen festgeheftet an Felsen in Küstennähe, andere freischwimmend.

Ganz grob lassen sich Algen nach ihrer Färbung in verschiedene Gruppen unterteilen:

  • Grünalgen - Kommen besonders häufig in Süßwasser vor.
  • Braunalgen - Der bis zu 70 Zentimeter lange Seetang gehört dazu.
  • Rotalgen - Das Blattgrün ist von einem roten Farbstoff überdeckt.
  • Blaualgen - Die Einzeller gehören zu den Bakterien und nicht zu den Echten Algen.

Braun- und Rotalgen vielseitig nutzbar

Riesenseetang-Wald aus Braunalgen © Jeffrey Rotman/SAVE Fotograf: Jeffrey Rotman Detailansicht des Bildes Riesenseetang-Wald aus Braunalgen Des Weiteren unterscheiden sich die verschiedenen Algen-Gruppen in ihrer chemischen Zusammensetzung. Die Bestandteile verschiedener Großalgen (Mehrzeller-Algen) zum Beispiel lassen sich industriell verwerten. In manchen Ländern, wie etwa Japan, gehören sie zudem zur traditionellen Küche. Extrakte bestimmter Rotalgen werden als Heilmittel verwendet und als Geliermittel oder Textilappretur eingesetzt. Stoffe der Braunalgen finden ebenfalls als Geliermittel, aber auch in Cremes, Vitaminpräparaten, Schlankheitsmitteln und als Emulgierhilfsmittel Verwendung. Auch Jod, Brom und Proteine lassen sich aus Meeresalgen gewinnen.

Algen sind Teil des Planktons und gehören so zur Ernährungsgrundlage der Unterwasserfauna. Ist das Ökosystem, in dem sie leben, im Gleichgewicht, tragen sie zur Selbstreinigung der Gewässer bei, da sie Sauerstoff an das Wasser abgeben. Doch sie vermehren sich explosionsartig, wenn sie zu viele Nährstoffe erhalten.

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/45_min/hintergrund/killeralgen110.html
Logo der Sendung 45 Min © NDR
Nächste Sendung: 21.05.2012 22:00 Uhr

45 Min - Neues vom Biotier

Sven Jaax geht der Frage nach, ob "öko" grundsätzlich artgerechter ist. Und er fragt sich, ob es Kompromisse zwischen ökologischer und konventioneller Haltung gibt.

Wiederholung der Sendung

25.05.2012 06:00 Uhr

Zur Sendungsseite
Dossier
Verursacher von Muschelvergiftungen: der Dinoflagellat Azadinium spinosum (links eine lichtmikroskopische Aufnahme, rechts im Elektronenmikroskop) © Alfred-Wegener-Institut Fotograf: Urban Tillmann
 

45 Min - Die Killeralgen

27.07.2010 | 22:35 Uhr

Das Dossier informiert über das Lebewesen Alge und die Dreharbeiten zur Dokumentation. mehr

Links

Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Institutes zum Fund der Alge Azadinium spinosum. 19.03.2009

Link in neuem Fenster öffnen

Umfangreiches Bildmaterial mit Kurzinformationen. Bereitgestellt vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Link in neuem Fenster öffnen

Meldung von Radio Bremen über ein Forschungsprojekt des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung

Link in neuem Fenster öffnen

BR-online berichtet über die Nutzung von Mikroalgen als alternative Energielieferanten

Link in neuem Fenster öffnen