Viktor S. ist seit Langem arbeitslos und hat schon sieben Kurse besucht. "Ich staune selbst, dass diese Kurse noch unterstützt werden vom Staat. Das Geld wird auf diese Weise rausgeschmissen, meiner Meinung nach."
Zu den vielen Qualifizierungsmaßnahmen gehören etwa die drei Nähprojekte des Hamburger Bildungsträgers SBB Kompetenz.
Die 120 Teilnehmer verschwinden für zehn Monate aus der Arbeitslosenstatistik und sie erhalten neun Euro am Tag zusätzlich.
Dabei gehe es hauptsächlich gar nicht ums Nähen, wie die Trainerin erklärt, sondern ums Coaching: "Wie bewerbe ich mich, wie kriege ich das zeitlich hin, pünktlich zu kommen und bis zum Arbeitsende zu bleiben, also so einen ganzen Arbeitstag auch wirklich durchzuhalten."
Schulungen für zukünftige Arbeitnehmer im Einzelhandel bietet der TÜV Nord mit seinem Übungs-Supermarkt, einer Art XXL-Kaufmannsladen.
Frische Ware gibt es hier nicht. Zehn Monate lang lernen Teilnehmer mit sogenannten multiplen Vermittlungshemmnissen, wie man Lager auffüllt oder Warenkörbe arrangiert.
Auch das Kassieren wird trainiert.
Bezahlt wird mit Spielgeld. Diese Maßnahme, die auch dem Einzelhandel zugutekommt, wird aber mit dem ganz realen Geld der Steuerzahler finanziert.
Das hat auch seinen Grund, erklärt Hermann Meier vom Verein zur Förderung des Einzelhandels: "Die Kostenstruktur im Einzelhandel ist sehr schmal und die Situation sehr eng. Von daher kann sich ein Unternehmen nicht unbedingt noch mehr leisten als jetzt."
Die Bildungsfirma Goldnetz trainiert die Teilnehmer ihrer Kurse im Telefonieren. Manche sind schon das zehnten Mal dabei.
"Das ist durchaus üblich, dass die Leute mehrfach dasselbe machen", sagt die Trainerin. "Und die werden nicht immer gefragt, was sie machen wollen. Das Arbeitsamt hat beschlossen, dass sie in dieser Maßnahme sind, also muss ich sie mitziehen."
Manche jungen Leute, die noch nie eine Beschäftigung hatten, schickt das Jobcenter in einen Theaterkurs, wie hier den der Projektfabrik in Konstanz.
Wieso ausgerechnet Theater? "Theater bietet eine Plattform, kreativ tätig zu werden. [...] Hier wird gesungen, man kann tanzen, über die Stückentwicklung wird vielleicht auch choreographisch gearbeitet, es hat viel mit Sprechen zu tun, deutlich sprechen", erklärt die sozialpädagogische Leiterin.
Der Regisseur hat sein Stück schon sechs Mal umgeschrieben und Rollen neu besetzt, weil manche Teilnehmer einfach wegblieben oder tagelang nicht erschienen.
Eigentlich sollen die jungen Erwachsenen lernen, pünktlich zu kommen, durchzuhalten und soziale Kompetenz zu erwerben, wie etwa sich in eine Gruppe einzufügen.
Für diese und andere Trainingskurse gibt die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg, die größte Behörde Europas, 6,6 Milliarden Euro jährlich aus. Selbst Mitarbeiter halten viele Maßnahmen für Geldverschwendung.
Was sagt der Vizechef der Bundesagentur, Heinrich Alt, dazu? "Wir sind sicher alle eher suchend unterwegs als wissend und sagen nicht, wir wissen eigentlich, wie Frau Müller und Herr Meier in Arbeit kommen und wir haben auch das richtige Instrument zur Verfügung, das funktioniert. Sondern wir probieren sehr vieles aus, in der Hoffnung, dass einiges davon gelingt."