45 Min - Neues vom Biotier
Sven Jaax geht der Frage nach, ob "öko" grundsätzlich artgerechter ist. Und er fragt sich, ob es Kompromisse zwischen ökologischer und konventioneller Haltung gibt.
Wiederholung der Sendung
25.05.2012 06:00 Uhr
Seit dem 1. Juli 2010 tragen Bio-Produkte, die nach den EG-Rechtsvorschriften für den Ökologischen Landbau hergestellt wurden, das neue EU-Bio-Logo in Form eines Blattes. Schon neun Jahre älter ist das sechseckige deutsche Biosiegel, das Lebensmittel kennzeichnet, die nach den Regeln der EG-Öko-Verordnung angebaut, beziehungsweise produziert werden. Seit Einführung der Verordnung 1993 sind die Ausdrücke "Bio" und "Öko" geschützt. Neben dem sechseckigen Zeichen der EU muss in der Regel eine Codenummer, beziehungsweise der Name der Kontrollstelle - beispielsweise "DE-099-Öko-Kontrollstelle" - aufgedruckt sein.
Immer mehr Deutsche interessieren sich für Bio-Lebensmittel. Es gibt eine Vielzahl von Begriffen, Labels und Siegeln. Doch was ist wirklich bio? Plietsch klärt auf.
Das EU-einheitliche Biosiegel garantiert Mindeststandards wie etwa, dass Gentechnik, chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger weitgehend verboten sind.
Bio-Lebensmittel dürfen weder Farbstoffe noch Geschmacksverstärker, künstliche oder naturidentische Aromen, Stabilisatoren oder synthetische Süßstoffe enthalten. Mindestens 95 Prozent der Grundzutaten müssen aus dem Bio-Landbau stammen. Tiere dürfen keine Antibiotika, Wachstums- oder Leistungshormone im Futter bekommen. Auch Stickstoff-Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel (Pestizide) sind verboten. Diese sind in der konventionellen Landwirtschaft erlaubt. Genauso wenig ist es gestattet, die Waren mit Strahlen jeder Art zu behandeln oder Gentechnik einzusetzen. Seit 2009 dürfen Bio-Produkte 0,9 Prozent gentechnisch veränderte Zutaten (bezogen auf die jeweilige Zutat) beinhalten. Das ist nicht kennzeichnungspflichtig.
Neben dem staatlichen "Bio-Siegel" gibt es über 100 Siegel und Zeichen, die Bio-Lebensmittel kennzeichnen - beispielsweise Verbandszeichen oder Öko-Handelsnamen:
Produkte, die "Bio" oder "Öko" im Namen tragen, sind auch tatsächlich nach den Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung hergestellt. Lebensmittel, die das Zeichen der Verbände Bioland, Demeter oder Naturland tragen, werden allerdings unter strengeren Richtlinien produziert. So ist es Verbands-Mitgliedern verboten, mit konventioneller Gülle, Jauche oder Geflügelmist zu düngen. EU-Öko-Bauern ist das erlaubt. Müssen sich laut eines Vergleichs des Bioland-Verbandes bei den EU-Öko-Landwirten 230 Hennen, 580 Hähnchen oder 14 Mastschweine einen Hektar teilen, sind es bei einem Bioland-Hof 140 Hennen, 280 Hähnchen oder zehn Mastschweine. Kontrolliert wird die Produktion von staatlich beauftragten Kontrolleuren. Bioprodukte schneiden meist recht gut ab, aber auch ein Siegel ist leider keine Garantie dafür, dass keinerlei Schadstoffe darin zu finden sind.
Produkte aus den Bio-Linien der Handelsketten tragen das deutsche Bio-Sigel, das wie das europäische Siegel, die Mindeststandards garantiert. Das bedeutet, die Produkte müssen mindestens aus 95 Prozent kontrolliertem Ökolandbau stammen und bis zum Erzeuger zurück verfolgbar sein. Gentechnik, chemische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger sind weitgehend verboten. Die Tierhaltung muss artgerecht sein. Die Verwendung von Hormonen und Antibiotika ist tabu.