45 Min

Tod nach Abschiebung

Montag, 11. Januar 2016, 22:00 bis 22:45 Uhr

Monatelang erwartete die Flüchtlinge in Deutschland eine Welle der Hilfsbereitschaft. Jetzt häufen sich Forderungen, die Grenzen zu schließen und massiv abzuschieben. Die Politik denkt sogar über Abschiebungen nach Afghanistan nach. Aus diesem Anlass wiederholt das NDR Fernsehen die preisgekrönte Dokumentation "45 Min - Tod nach Abschiebung". Ein berührender Film, der am Beispiel eines jungen Flüchtlings zeigt, was Abschiebung bedeutet und was sie anrichten kann.

Wadim K. ist in Deutschland aufgewachsen, zur Schule, zum Sport und in die Ministrantengruppe gegangen. Er sprach Deutsch, er hatte deutsche Freunde, er fühlte sich als Deutscher. Doch einen deutschen Pass hat Wadim nie bekommen, weil er mit seiner Familie 1992 als Flüchtling aus Lettland kam. Es folgen 13 Jahre in Hamburg, zwischen kurzfristigen Duldungen, Arbeitsverbot und Sammelunterkünften - bis zur Abschiebung des jungen Mannes nach Lettland. Weitere fünf Jahre später nimmt Wadim sich bei einem illegalen Besuch in Hamburg das Leben.

Hintergrund

Bei jeder Abschiebung geht es um Menschenleben

11.01.2016 22:00 Uhr

Die Abschiebung in ein fremdes Herkunftsland hat einen jungen Mann 2010 in den Suizid getrieben. Warum ist sein Schicksal heute immer noch von Bedeutung? mehr

mit Video

Wadim sah nur den Tod als Lösung

11.01.2016 22:00 Uhr

Er kam als Flüchtling und war 13 Jahre lang nur geduldet. Völlig allein wurde Wadim mit 18 Jahren aus Hamburg nach Lettland abgeschoben. Als einzige Perspektive sah er Selbstmord. mehr

Darf man einem Menschen per Gesetz die Heimat nehmen?

"45 Min - Tod nach Abschiebung" zeigt eindringlich, wie Menschen kämpfen müssen, um in diesem Land einen Platz für sich zu finden. Dabei hinterfragt die Doku auch das starre Gerüst von Aufenthaltsrecht und Bürokratie, in dem der Einzelne nichts zählt. Der Film stößt beim Zuschauer Gedanken an, die angesichts der Integrationsdebatte in Deutschland aktueller sind denn je: Wo gehört ein Mensch hin? Was ist Heimat? Und darf man sie jemandem per Gesetz wegnehmen?

Drei Jahre nach dem Suizid haben die Filmemacher Carsten Rau und Hauke Wendler auch mit Wadims Bruder Georg K. drehen können und den Fall neu aufgerollt. Mit der Dokumentation "45 Min - Tod nach Abschiebung" haben sie eine aktualisierte, vollständig überarbeitete TV-Fassung ihres mehrfach preisgekrönten, 90-minütigen Dokumentarfilms "Wadim" vorgelegt.

Videos
00:39 min

Heimatstadt Hamburg - Wadim am Fischmarkt

11.01.2016 22:00 Uhr

Offiziell durfte er schon nicht mehr nach Deutschland einreisen, als Wadim selbst an der Elbe gedreht hat. Video (00:39 min)

00:58 min

Wadims eigene Worte über die Abschiebung

11.01.2016 22:00 Uhr

Unmittelbar nach der Abschiebung hat Wadim die Ereignisse selbst beschrieben. Die Aufzeichnungen liest Martin Grahl vor, Pastor der deutschen Gemeinde in Riga. Video (00:58 min)

01:53 min

"Kinder und Jugendliche müssen geschützt werden"

11.01.2016 22:00 Uhr

Wadims Bruder Georg hat kurz nach dessen Tod nicht daran geglaubt, dass ein Film etwas bewirken kann. Heute sieht er das anders. Video (01:53 min)

Regie
Carsten Rau
Autor/in
Carsten Rau
Regie
Hauke Wendler
Autor/in
Hauke Wendler
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktionsleiter/in
Christoph Mestmacher-Steiner
Redaktion
Denz, Barbara

Mehr zum Thema

Flüchtlinge in Norddeutschland

Viele Flüchtlinge sind in Norddeutschland angekommen. Auf NDR.de finden Sie aktuelle Meldungen und Hintergründe rund um das Thema sowie Informationen speziell für Flüchtlinge. mehr

Moin Moin und herzlich willkommen!

Sie sind neu im Norden und haben viele Fragen? Von Ansprechpartnern über Nachrichtensendungen bis zu Kinderfernsehen: Der NDR hat wichtige Informationen für Flüchtlinge zusammengestellt. mehr