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Shoppingcenter: Fluch oder Segen?

Montag, 13. Februar 2017, 22:00 bis 22:45 Uhr

Blick entlang eines Shoppingcenters der ECE mit verschiedenen Ebenen. © NDR / lizardmedia

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Prunkvoll stehen sie mitten in unseren Städten mit schönen, alten Namen, heißen gern mal "Schlosshöfe" oder "Schloss-Arkaden". Doch was nach Tradition klingt, ist das genaue Gegenteil. Shoppingcenter sind keine gewachsenen Teile der Stadt. Sie sind künstliche Gebilde, optimiert nach allen Regeln des Marketings, des Handels, der Finanzwelt.

ECE: Einkaufszentren stets nach dem gleichen Konzept

Der mit Abstand erfolgreichste Einkaufscenter-Entwickler ist die ECE (ECE steht für Einkaufs-Center Entwicklung) in Hamburg. Alexander Otto und seine rund 3.500 Mitarbeiter bauen immer mehr Center in Deutschland und Europa und stets nach dem gleichen Konzept: Eins-a-Lage, mindestens 250.000 Menschen im Einzugsbereich, ein bewährter Mix aus großen und kleinen Geschäften.

Das ECE-Geschäftsmodell hat, so beschreibt es Professor Thomas Krüger von der Hafencity-Universität Hamburg, zwei Phasen. Zunächst die Entwicklung einer Shoppingcenter mit anschließendem Verkauf an einen Investor. Dann das Management der Mall, "möglichst lange und stabil und durch das Center-Management garantiert, ohne Ausfälle, immer optimiert, immer neue Formate bringend und möglichst den Konsum in keiner Weise irritierend."

Shoppingcenter - kühle Kapitalmaschinen

Kritiker bezeichnen die Shoppingcenter als begehbare Anlagedepots. Tatsächlich stellt der internationale Finanzmarkt für Einkaufscenter mehr als genug Geld bereit, wie der Volkswirt und ECE-Entwickler Jan Röttgers einräumt: "Es gibt auf dem Investment-Markt eine hohe Nachfrage nach Shoppingcentern", auch weil "natürlich Anlage-Alternativen fehlen aufgrund der Niedrigzins-Politik."

UMFRAGE
Mögliche Antworten

Wo kaufen Sie am liebsten ein?

Wer ein ECE-Center betritt, läuft so an einem vertrauten und klug kalkulierten Ladenmix entlang, anonym beobachtet von unsichtbaren Kameras, ungestört von Wettereinflüssen, Straßenmusik oder gar Bettlern. Shoppingcenter sind weniger Begegnungsorte für Bürger als kühle Kapitalmaschinen. Das gefällt nicht allen.

Celle: Wiederbelebung der Innenstädte kann gelingen

In Oldenburg haben sich viele Bürger vergeblich gegen den Bau eines ECE-Centers gewehrt. In Celle hat SPD-Bürgermeister Dirk-Ulrich Mende ein Center verhindert, das die Verkaufsfläche der Innenstadt schlicht verdoppelt hätte. Dann hat er einige der typischen "Anker-Kunden" der Malls - H&M, SchuhKay, Saturn - so angesiedelt, dass auch wieder mehr junge Menschen in die Celler Innenstadt kommen. "Es gibt natürlich bestimmte Elemente, die von einem Shoppingcenter auch auf eine Stadt übertragbar sind", räumt Mende ein, denn "die haben ja eigentlich von uns abgeguckt - wie funktioniert eine Stadt?" Man brauche neue, moderne Geschäfte. Und die könne man auch trotz eines strengen Denkmalschutzes in der Altstadt unterbringen.

Singen diskutiert, ob ein Einkaufszentrum Fluch oder Segen ist

Auch im süddeutschen Singen ringen die Bürger und ihre Vertreter seit Jahren darum, ob sie ein ECE-Center haben wollen. Der Bürgermeister fürchtet, Singen büße ohne Mall gegenüber den Nachbarstädten an Attraktivität ein, der örtliche Einzelhandel verliere ohne Center. Die Vertreter einer örtlichen Bürgerinitiative hingegen sehen angesichts eines schon bestehenden Überangebots den traditionellen Einzelhandel in Gefahr, fürchten eine Verödung ihrer Innenstadt.
Für die Stadt Singen ist die 140 Millionen schwere Investition eine große Sache. Für die ECE ist es nur ein Center unter vielen. Wie andernorts wird in Singen intensiv diskutiert, ob eine Shoppingcenter ein Fluch oder ein Segen für die Stadt ist.

Celle: Shopping ohne Center

Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert
Redaktion
Kathrin Becker
Autor/in
Kersten Schüssler
Regie
Kersten Schüssler
Produktionsleiter/in
Tim Carlberg