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Rügen: Armenhaus mit Luxusstrand

Montag, 20. Oktober 2014, 22:00 bis 22:45 Uhr

Rügen ist für Millionen Feriengäste das Urlaubsparadies im Osten. Auf den ersten Blick boomt die Insel, zumal viele Westdeutsche hier investieren und die Immobiliennachfrage ständig wächst - Rügen scheint zum neuen Sylt zu werden.

Wer Arbeit hat, schuftet oft zum Billiglohn

Eigentlich sollte es den Menschen, die auf Rügen leben, gut gehen. Doch hinter den Kulissen brodelt es gewaltig: Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau. Wer Arbeit findet, etwa im Tourismus, schuftet zum Billiglohn. Rund 15.000 Euro beträgt das Jahreseinkommen hier im Durchschnitt.

Auf ihrer Reise durch das Hinterland der Luxusstrände von Rügen treffen die Autoren Menschen, die für einige Hundert Euro im Monat rund um die Uhr arbeiten und vom Mindestlohn träumen. Sie finden verödete Dörfer, deren Bewohner längst schon weggezogen sind.

Immobilienboom: Gerät das Ostseebad Binz aus den Fugen?

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Überall wird abgerissen und gleichzeitig neugebaut. Gerät das traditionelle Ostseebad aus den Fugen?

Brachen und Bau-Boom bestimmen das Bild auf Rügen. In Binz, das für seine prachtvolle Bäderarchitektur berühmt ist, werden überall Häuser abgerissen, während besonders in Strandnähe neu gebaut wird. Wer eine der neuen Luxuswohnungen direkt an der Strandpromenade kaufen will, muss mittlerweile 7.000 bis 10.000 Euro pro Quadratmeter bezahlen. Und wenn es nach den Tourismusmanagern geht, soll Binz noch mondäner werden und größer - ein Ferienstandort der Extraklasse.

Schöner Wohnen im Nazi-Bau Prora?

Noch mehr Luxuswohnungen entstehen gerade in der von den Nationalsozialisten erbauten Riesen-Ferienanlage in Prora an der Ostküste Rügens. Hier sollen 3.000 zusätzliche Ferienbetten entstehen. Über die Zukunft der Ruinen wurde über Jahre gestritten. Nach und nach verkaufte der Bund den Komplex, in dem die Nazis mit ihrem Propaganda-Programm "Kraft durch Freude" ihre "Volksgenossen" auf den Krieg vorbereiten wollten. Das Dokumentationszentrum, das über die Geschichte informiert, wird vielleicht bald keinen Platz mehr haben.

"Baden und Spaß" in Prora

Niedergang und neue Hoffnung in Sassnitz

In Sassnitz lässt sich der Niedergang von Wirtschaftszweigen außerhalb des Tourismus gut beobachten. In dem Ort haben einmal 1.500 Menschen vom Fischen gelebt. Heute sind es nur noch 230. Einige der verbliebenen Kutter dienen nur noch als Imbissstände für die Touristen.

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In der Nähe des Sassnitzer Fährhafens verrotten die Gebäude eines Industriegeländes, auf dem zu DDR-Zeiten 2.000 Menschen beschäftigt waren.

In der Nähe des Fährhafens von Sassnitz liegt ein riesiges Industriegelände brach. 2.000 Menschen haben früher dort gearbeitet. Mehr als fünf Millionen Tonnen Güter pro Jahr wurden im Hafen Sassnitz-Mukran per Eisenbahnfähre angelandet und umgeschlagen.

Neue Hoffnung bringt die Offshore-Windkraftbranche. Jetzt werden im Fährhafen von Sassnitz Windkraftanlagen angeliefert. Die Energiewirtschaft will in den kommenden Jahren Milliarden in neue Offshore-Windparks investieren. Dabei rückt die Ostsee immer stärker in den Fokus - und mit ihr der Fährhafen Sassnitz.

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Rügen - Armenhaus mit Luxusstrand

Begleitend zur Dokumentation hat der WDR ein E-Book mit ausführlichen Hintergrundinformationen und zusätzlichen Videos herausgegeben. extern

 

Autor/in
Jo Angerer
Johannes Höflich
Redaktion
Mestmacher-Steiner, Christoph

Inselporträt

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