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Das Schweigen der Männer - Die katholische Kirche und der Kindesmissbrauch

Montag, 31. August 2015, 22:00 bis 22:45 Uhr

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Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle kommen Bischöfe wie Dr. Stephan Ackermann, der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, aber auch Ordensleute und die Opfer zu Wort.

"Wir wollen Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche", sagte Bischof Stephan Ackermann im Namen der katholischen Bischöfe, als er im März 2014 ein interdisziplinäres Forschungsprojekt vorstellte. Die Wissenschaftler erhielten den Auftrag, die zahlreichen Kindesmissbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufzuarbeiten. Ein Jahr danach ist es Zeit für eine Zwischenbilanz: Wie ehrlich meint es die katholische Kirche wirklich mit der Aufarbeitung? Wie groß ist das Ausmaß des Skandals?

Die Autoren Birgit Wärnke und Sebastian Bellwinkel haben hinter die Mauern der katholischen Kirche geschaut. Sie fragen nach, wie frei die Wissenschaftler wirklich forschen können, ob die neuen kircheninternen Leitlinien zum Umgang mit den Tätern konsequent umgesetzt werden und welche Rolle die Ordensgemeinschaften spielen, in deren Zuständigkeit viele Schulen und Internate liegen. Der Film fragt auch nach den Verantwortlichen und lässt namhafte Katholiken zu Wort kommen, die die Verbindung von Priesteramt und Zölibat hinterfragen. Sexualpsychologen weisen darauf hin, dass der Zölibat Männer mit gestörter Sexualität anziehe und selbst bei psychisch gesunden Priestern zu einer "seelischen Unterernährung" führen könne.

 Untätigkeit bedeutet erneutes Leid für die Opfer

Fünf Jahre nach dem Bekanntwerden der ersten Missbrauchsfälle kommen Bischöfe, Ordensleute und Opfer zu Wort. Kritiker beobachten, dass es der katholischen Kirche zuweilen mehr um das Wohl der Täter aus den eigenen Reihen als um das Schicksal der Opfer geht. Manche befürchten, die groß angekündigte wissenschaftliche Aufarbeitung sei nicht viel mehr als eine PR-Aktion der Bischöfe. Es wird klar, dass viele Bischöfe ihren hehren Worten nur bedingt Taten folgen lassen und damit den Betroffenen, die bis heute unter ihrer Ohnmachtserfahrung leiden, ein weiteres Mal Leid zufügen. Es mehren sich auch in der katholischen Kirche die Stimmen, die sagen: "Wir müssen den Opfern gerecht werden, nicht dem Narzissmus unserer Institution."

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Redaktionsleiter/in
Anja Würzberg
Redaktion
Sebastian Bellwinkel
Autor/in
Birgit Wärnke
Produktionsleiter/in
Heike Ernst
Regie
Birgit Wärnke
Kamera
Marcel Tauer
Dennis Wienecke
Birgit Wärnke
Schnitt
Anna Peper
Grafik
Jörn Peper
Musik
Simon Heeger
Max Fritz
Sprecher/in
Dilara Schröder
Nina West