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Die herzkranke Gesellschaft

Montag, 22. Juni 2015, 22:00 bis 22:45 Uhr

Kunststoff-Modell eines Herzens © picture-alliance / scanpix Fotograf: Louise Billgert

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Es ist paradox: In Deutschland werden fast drei Mal so viele Blutdruckmittel und Cholesterinsenker geschluckt wie vor 15 Jahren. Doch Herzinfarkt und Schlaganfall - die Krankheiten, vor denen diese Pillen angeblich schützen - haben seitdem nicht abgenommen. Sind wir eine Gesellschaft von Herzkranken? Oder profitieren nur die Hersteller vom gigantischen Absatz pharmazeutischer Mittel?

Medikamente ohne Nutzen?

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"Wir haben Millionen Gesunde zu Kranken gemacht und verschreiben ihnen Medikamente ohne Nutzen", erklärt die streitbare Dr. Iona Heath, ehemalige Präsidentin des britischen Hausärzteverbandes. Sie fordert eine radikale Kehrtwende - die Rückkehr zu früher gültigen, höheren Grenzwerten. Und vor allem: Mehr Zuwendung für die wirklich Kranken statt der Panikmache bei Gesunden.

Fallgeschichte 1: Umstrittene Operationsmethode

Seit 20 Jahren kämpft Manfred G. gegen seinen Bluthochdruck. Der Lehrer schluckt bereits acht verschiedene Mittel - die Wechselwirkungen kann niemand mehr überblicken. Doch auch dieser tägliche Pillenberg hilft ihm nicht. Im vergangenen Jahr hatte er einen Schlaganfall. Nun unterzieht er sich in Lübeck einer neuen, umstrittenen Operationsmethode: Bei der "renalen Denervation" werden Nervenstränge an den Nierenarterien mit Hochfrequenzstrom verödet - ein therapeutisches Experiment mit ungewissem Ausgang.

Fallgeschichte 2: Patientin will sich nicht "krank machen" lassen

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Sport regt Selbstheilungskräfte an

Und: Obwohl längst bekannt ist, dass Entspannung, Bewegung und gesunde Ernährung vor Herzkrankheiten schützen, spielt Sport als Therapie im Medizinbetrieb nur eine untergeordnete Rolle. Dabei zeigen neue Studien: Körperliches Training regt sogar die Selbstheilungskräfte bei Herzkranken an und das ganz ohne riskante Nebenwirkungen.

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Redaktion
Sabine Reifenberg
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke
Regie
Ute Jurkovics
Autor/in
Ute Jurkovics
Regie
Irene Stratenwerth
Autor/in
Irene Stratenwerth
Redaktionsleiter/in
Christoph Mestmacher-Steiner