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Die Todesermittler - Wenn Morde unentdeckt bleiben

Montag, 20. November 2017, 22:00 bis 22:45 Uhr

Animation des Kopfes einer Leiche mit Einschlussloch im Realbild eines Obduktionstisches. © NDR

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Etwa 1.200 Tötungsdelikte - Mord und Totschlag zum Beispiel - werden in Deutschland pro Jahr erst gar nicht entdeckt, sagen Rechtsmediziner. Die Ursache sind fehlerhafte Todesbescheinigungen. Bundesweite Zahlen dazu gibt es zwar nicht. Eine aktuelle Studie der Universität Rostock zeigt aber: 98 Prozent aller Todesscheine allein in Mecklenburg-Vorpommern weisen Mängel auf: Mal unterlaufen Ärzten bloß Flüchtigkeitsfehler, doch manchmal stellen sie auch krasse Fehldiagnosen.

Unentdeckt bleiben dann der Mord aus Habgier in der Familie, das Handeln überforderter Pflegekräfte im Pflegeheim oder sogenannter Todesengel im Krankenhaus. Besonders bei Menschen im hohen Alter ist die Dunkelziffer an nicht aufgedeckten Tötungsdelikten hoch. Doch auch ärztliche Behandlungsfehler oder Spätfolgen von Verkehrsunfällen können einen nicht natürlichen Tod zur Folge haben und sich zum Beispiel auf Versicherungsansprüche der Angehörigen auswirken.

Die wichtigsten Statements aus der Doku

Fehldiagnosen werden nicht immer entdeckt

Wenn überhaupt, fallen Fehler zum Beispiel erst auf, wenn ein Leichnam nochmals untersucht wird. Liegt kein Verdacht vor, findet eine solche zweite Leichenschau routinemäßig aber nur bei Leichen statt, die eingeäschert werden sollen. Wird eine Fehldiagnose entdeckt, beginnen Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin mit ihren Ermittlungen.

Problem ist die Leichenschau

Der Hauptvorwurf etlicher Rechtsmediziner in Deutschland: Ärzte gehen bei der sogenannten Leichenschau nicht sorgfältig genug vor. Schon lange ist bekannt, dass diese währenddessen unter Stress stehen. Sie fühlen sich zum Beispiel von Polizeibeamten und Angehörigen unter Druck gesetzt, sind häufig schlecht in der Leichenschau ausgebildet und werden zu gering bezahlt. Alle Beteiligten fordern dringende Reformen. Doch seit Jahrzehnten tut sich wenig bis nichts.

Leichenschau deckt verdächtige Todesfälle auf

Fallbeispiele: War es doch Mord oder ein unnatürlicher Tod?

Die Dokumentation begleitet den bekannten Hamburger Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel bei seinen Untersuchungen. Der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf untersucht die Leiche eines Mannes, dessen Tod fälschlicherweise als natürlich diagnostiziert wurde.

Auch ein angeblicher Selbstmord kann sich als Mord herausstellen. Der Bonner Rechtsmediziner Prof. Burkhard Madea erläutert anhand von Tatortfotos und aufwendigen Animationen, wie Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin der Mörderin auf die Spur gekommen sind.

Braucht es ein neues System der Leichenschau?

Der Film zeigt Fehler auf, die Ärzte bei der Leichenschau machen können, und thematisiert die Probleme, die daraus folgen: eine Dunkelziffer bei Tötungsdelikten in der deutschen Kriminalitätsstatistik, Serien von Patiententötungen, Aufwand und Kosten für den Staat, Belastung für die Angehörigen und verunsicherte Ärzte. Braucht Deutschland auch unabhängige Leichenbeschauer wie den Coroner, den es in England gibt? Oder reicht das kürzlich in Bremen eingeführte System des qualifizierten Leichenbeschauers aus?

Redaktionsleiter/in
Jochen Graebert
Redaktion
Christian von Brockhausen
Regie
Maryam Bonakdar
Autor/in
Maryam Bonakdar
Lucas Stratmann
Regie
Lucas Stratmann
Kamera
Andreas Fritzsche
Martin Horning
Schnitt
Yütte Reischmann
Grafik
Björn Feldmann-Bethe
Musik
Ben Lukas Boysen
Sprecher/in
Petra Konradi
Produktionsleiter/in
Michael Schinschke