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Unser Apfel: Masse statt Klasse?

Montag, 10. Oktober 2016, 22:00 bis 22:45 Uhr

Kisten mit Äpfeln in einem Supermarkt. © NDR

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Supermodels im Supermarkt: perfekt, makellos, knackig. Wie geklont liegen die Äpfel in den Regalen - Ware für einen internationalen Markt, in dem zu viel Vielfalt stört. Früher hatte jede Region ihre Lieblinge. Allein in Deutschland wurden mehr als 3.000 Apfelsorten kultiviert. Mittlerweile spielen nur noch zehn bis 15 von ihnen eine wirtschaftliche Rolle.

International vermarktete "Clubsorten" verdrängen die Traditionsäpfel aus den begehrten und knappen Regalflächen im Supermarkt. Mit sexy Namen wie "Pink Lady" wird der simple Apfel vom Baum zum Marken- und Lifestyleprodukt. In der modernen Apfelwelt gilt: Frisch ist, was frisch aussieht.

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Wie alt ein Apfel wirklich ist, hat den Kunden nicht zu interessieren. Die Chemie macht's möglich - durch das Wundermittel  einer Dow-Chemical-Tochterfirma. Es wirkt wie ein Jungbrunnen für die Früchte, unterliegt aber keinerlei Kennzeichnungspflicht. Der Kunde erfährt also nie, warum sein Apfel auch nach Monaten noch faltenlos in der Obstschale liegt. Ist er wirklich frisch? Oder lag er schon fast ein Jahr lang im chemischen Dämmerschlaf?

Alte Apfelsorten kommen ganz ohne "Chemiekeule" aus

Gegen die Entwicklung am Apfelmarkt schlägt Pomologe Eckart Brandt Alarm: "Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir unsere Jahrhunderte alte Apfeltradition", mahnt er. Die Zeit drängt, denn der letzte Baum einer Sorte, der altersschwach umkippt, ist ein verlorener genetischer Schatz. Viele von Eckart Brandts alten Sorten kommen nämlich ganz und gar ohne die heute übliche "Chemiekeule" aus. Es liegt allein in der Hand der Verbraucher, ob wir wieder eine breitere und gesündere Auswahl von Äpfeln im Angebot finden. Aber solange wir nur auf ein makelloses Äußeres, süßen Geschmack und knackigen Biss achten und solche Äpfel rund ums Jahr essen wollen - solange dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass auf dem Apfelmarkt mehr Masse als Klasse zu finden ist.

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Redaktion
Barbara Denz
Regie
Tim Böhme
Autor/in
Tim Böhme
Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktionsleiter/in
Christoph Mestmacher-Steiner

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