Taste the Waste

Mittwoch, 19. April 2017, 00:00 bis 01:30 Uhr

In den deutschen Haushalten werden jährlich Lebensmittel für 20 Milliarden Euro weggeworfen, das entspricht so viel wie dem Jahresumsatz von Aldi in Deutschland. Das Essen, das in Europa im Müll entsorgt wird, würde zweimal reichen, um alle Hungernden auf der Welt zu ernähren. Valentin Thurn hat zum Umgang mit Lebensmitteln international recherchiert und ist zu haarsträubenden Ergebnissen gekommen. Jeder zweite Kopfsalat wird aussortiert, jedes fünfte Brot aus den Läden muss entsorgt werden.

Einwandfreie Lebensmittel in Abfallcontainern

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Jedes fünfte Brot landet im Müll.

In der Kartoffelsortieranlage AGRATA in Beelen, Westfalen, werden bis zu 50 Prozent der Kartoffelernte aus rein optischen Gründen aussortiert. Kartoffeln, die der offiziellen Norm nicht entsprechen, bleiben auf dem Feld liegen. Kleine Schönheitsfehler an ihnen entscheiden über ein Schicksal als Ladenhüter. In den Abfallcontainern der Supermärkte findet man überwältigende Mengen einwandfreier Nahrungsmittel, originalverpackt, mit noch gültigem Mindesthaltbarkeitsdatum. Auf der Suche nach den Ursachen und Verantwortlichen deckt der Autor ein weltweites System auf, an dem sich alle beteiligen.

Auswirkungen auf das Weltklima

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Forscherin Felicitas Schneider durchsucht Mülltonnen von Haushalten und Supermärkten.

Ein Gemüseabfallcontainer auf dem Pariser Großmarkt: Nach Angaben der "Pariser Tafel" ANDES wurden 2009 von der Organisation 120 Tonnen Lebensmittel hieraus gerettet. Die Folgen der Lebensmittelentsorgung sind weitreichend, denn die Auswirkungen auf das Weltklima sind verheerend. Die Landwirtschaft verschlingt für den Anbau riesige Mengen an Energie, Wasser, Dünger und Pestiziden, für Weideflächen wird Regenwald gerodet. Mehr als ein Drittel der Treibhausgase entsteht durch die Landwirtschaft. Nicht unbedeutend sind auch die auf den Müllkippen vergärenden Lebensmittelabfälle, denn die entstehenden Klimagase haben entscheidenden Einfluss auf die Erderwärmung. Die Müllforscherin Felicitas Schneider vom Wiener Institut für Abfallwirtschaft durchsucht die Mülltonnen von Haushalten und Supermärkten nach Lebensmitteln.

"Im Prinzip geht es darum, dass Lebensmittel oder Obst und Gemüse, so wie es vom Feld kommt, unterschiedlich aussieht, der Handel das aber möglichst gleichförmig haben will, damit er besser die Qualität überprüfen kann, damit er es besser transportieren kann. Krumme Gurken lassen sich nicht leicht in eine Kiste packen. Also setzt der Handel Normen, die wiederum in der Landwirtschaft zum Wegwerfen führen." (Valentin Thurn, Regisseur)

Auszeichnung mit dem UmweltMedienpreis

Dieser Film zeigt, dass ein weltweites Umdenken stattfindet und dass es Menschen gibt, die mit Ideenreichtum und Engagement diesem Irrsinn entgegentreten. Kleine Schritte, die eine große Chance bedeuten.

"Taste the Waste" wurde mit zahlreichen deutschen und internationalen Preisen und mit dem UmweltMedienpreis der Deutschen Umwelthilfe ausgezeichnet. Die Dokumentation hat entscheidenden Einfluss auf die politische Debatte genommen. So ist in Deutschland die Diskussion um das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht zuletzt auch deswegen voll entbrannt.

Ratgeber Verbraucher

Was sagt das Mindesthaltbarkeitsdatum aus?

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Produktionsleiter/in
Eva-Maria Wittke
Redaktionsleiter/in
Dirk Neuhoff
Redaktion
Dirk Neuhoff
Regie
Valentin Thurn
Autor/in
Valentin Thurn
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