NaturNah: Der Wipfelstürmer

Dienstag, 15. Dezember 2015, 18:15 bis 18:45 Uhr

Der Biologe Thomas Grünkorn klettert in Baumkronen, um Greifvögel zu begutachten.

bei Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Thomas Grünkorn ist zwar schon 51, aber trotzdem ist kein Baum vor ihm sicher - denn das was ihn seit seiner Kindheit fasziniert, lebt eigentlich unerreichbar in den Kronen hoher Bäume: Greifvögel. Um an seine "Klienten" heranzukommen, musste der Biologe richtig klettern lernen - spätestens für seine Diplomarbeit über Kolkraben. Seine Datensammlungen aus den Horsten der damals extrem seltenen Vögel haben maßgeblich dazu beigetragen, dass es den größten Rabenvogel Deutschlands inzwischen wieder weit verbreitet bei uns gibt. In Mitteleuropa gilt Thomas Grünkorn als Koryphäe für Kolkraben.

Vogelforschung vor Ort

Inzwischen besucht er als Biologe und Ornithologe der Vogelwarte Helgoland und Mitglied der Projektgruppe Seeadlerschutz regelmäßig auch Seeadler, Bussarde, Habichte und Rotmilane in ihrem Zuhause. Seine Aufgaben: eie Jungvögel im Horst zählen, untersuchen, wiegen, ihnen Blut abzapfen, und sie beringen.

Geschichte

Die Vogelwarte auf Helgoland

Helgoland ist eine Oase für Zugvögel. 1910 öffnete die Vogelwarte auf der Insel - ein Meilenstein in der Erforschung des Vogelzuges. Noch heute werden die Tiere dort beringt. mehr

Eine gute Klettertechnik ist lebenswichtig

Es gibt wohl keinen anderen Schleswig-Holsteiner, der so dicht an den Nistplätzen von Greifvögeln arbeitet. Thomas Grünkorn ist der Wipfelstürmer des Nordens und hat seine Klettertechnik in den letzten Jahren verfeinert. Früher ist er mit Strickleitern auf die teils 30 Meter hohen Bäume gestiegen, hat sich waghalsig von Ast zu Ast gearbeitet - bis er irgendwann in 20 Metern Höhe den Halt verlor. Dass er den Sturz überlebt hat, war Glück. Dass er dann nach sechs Monaten Krankenhaus wieder anfing zu klettern, war eine bewusste Entscheidung: "Hörst du auf und kletterst nie wieder oder machst du weiter?" Inzwischen hat er eine professionelle Ausrüstung: Mit einem Katapult schießt er ein Seil über einen stabilen Ast hoch am Baum, danach benutzt er alpines Kletter-Equipment, um sich gesichert zu den Nestern vorzuarbeiten.

Bestandsstudie der Mäusebussarde

Die Sicherheit geht vor und doch beeindruckt die Behändigkeit und Schnelligkeit, mit der er die Bäume erklimmt. Auch mit viel Routine ist jeder Baum eine Herausforderung. Über 250 Bäume erklettert er im Jahr - die meisten für eine Bestandsstudie der Mäusebussarde in Schleswig-Holstein. Die Population des früher häufigsten Greifvogels in Schleswig-Holstein ist in den letzten Jahren bedenklich geschrumpft. Was sind die Gründe dafür? Grünkorn hat Kameras an den Nestern installiert, um die Brut- und Aufzuchtphase bei den Bussarden lückenlos dokumentieren zu können. So erhält der Biologe spektakuläre Einblicke in das Privatleben der Bussarde: Von der Ehe zu dritt bis zum Todeskampf mit einem Uhu - Szenen, die selbst er so noch nie gesehen hat.

Was jagt der Mäusebussard?

Der Mäusebussard ist einer der häufigsten Greifvögel in Deutschland. Mit einer Flügelspannweite von 117 bis 137 Zentimetern gehört er zu den mittelgroßen Greifvögeln. Seit den 1970er-Jahren steht der Vogel in Europa ganzjährig unter Schutz und hat sich seitdem so vermehrt, dass er in Deutschland fast flächendeckend anzutreffen ist. Der NABU schätzt die Population in Niedersachsen auf 540 Tiere im Jahre 2015. Als Lebensraum bevorzugt der Mäusebussard Waldränder und Feldgehölz.

Wie an seinem Namen zu erkennen ist, ernährt sich der Mäusebussard hauptsächlich von kleineren Nagetieren. Insekten, Frösche und Regenwürmer ergänzen sein Menü. Auch geschwächte Hasen, Kaninchen und Vögel können in die Klauen des Greifvogels geraten, sowie Aas, vorzugsweise überfahrene Tiere. Ausgewachsene Katzen stehen normalerweise nicht auf der Speisekarte eines Mäusebussards.

Redaktion
Christian Pipke
Produktionsleiter/in
Stephan Helms
Autor/in
Ralf Bartels