Unter uns - Klein Russland am Schweriner See

Liebesgrüße aus Sibirien

Mittwoch, 20. Januar 2016, 18:15 bis 18:45 Uhr

Männer und Frauen in traditioneller Tracht bei einer russisch-orthodoxen Messe.

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In Mecklenburg-Vorpommern leben fast 4.000 Menschen mit sowjetischen Wurzeln. Die Russisch sprechende Gemeinde ist die größte des ganzen Landes, mehr als die Hälfte davon lebt in Schwerin. Viele der Menschen sind jetzt schon 20 Jahre in Deutschland. Und doch sieht ihr Alltag ganz anders aus als der ihrer deutschen Nachbarn.

Russische Kultur in Schwerin

Engagement für syrische Flüchtlinge

Diese Reportage begleitet Irina Michaelis, die in der Schweriner Kleiderkammer warme Pullover an syrische Flüchtlinge verteilt und dabei immer wieder selbst an ihre ersten Monate in Deutschland denken muss. Damals war sie gar nicht begeistert, als sie im kalten Nieselregen das erste Mal durch die Plattenbausiedlung Großer Dreesch fuhr. Ihre Schwester fing sogar an zu weinen. Doch schnell fühlten sich die Schwestern und ihre deutschstämmigen Ehemänner wohl in der Stadt, belegten Sprachkurse, machten eine Ausbildung. Doch ihre Eltern musste Irina in Sibirien zurücklassen. Deshalb schickt sie einmal im Monat ein Paket mit Proviant und Kleidung zu ihrer Mutter in ein kleines Dorf bei Novosibirsk.

Der Glaube ist ein wichtiger Halt

Für Lüdmilla Katuschonak und ihre Tochter Uljana gibt es nichts Wichtigeres als das russisch-orthodoxe Osterfest in der neuen Holzbasilika mitten in einer Schweriner Plattenbausiedlung. Der Glaube ist für die 38-Jährige ein wichtiger Halt geworden. Die neue Heimat ist ihr in vielen Dingen immer noch suspekt. Vor allem bei den Themen Kindererziehung und musische Förderung kann sie viele deutsche Eltern nicht verstehen. Die alleinerziehende Mutter ist jeden Tag damit beschäftigt, die Talente von Uljana zu verbessern. Die Zehnjährige spielt Klavier, tanzt und will Profi-Geigerin werden. Einmal pro Woche fahren die beiden sogar nach Lübeck in die Musikhochschule. Dort bekommt das talentierte Mädchen Frühförderung von einer Geigen-Professorin.

Russische Spezialitäten auf dem Großen Dreesch

Iskandar Shajev aus Usbekistan bewarb sich vor fünf Jahren bei einem Shanty-Chor als Akkordeonspieler. Jetzt ist er der musikalische Leiter der Herren-Gesangsgruppe. Nur die deutsche Sprache macht ihm immer noch große Probleme. Zusammen mit seiner Frau hat er auf dem Großen Dreesch gerade ein kleines Magazin eröffnet, einen russischen Spezialitätenladen. Dima, ihr Sohn, bringt die Waren meist vom Hamburger Großmarkt mit. Alle hoffen, dass der Laden ein bisschen Gewinn abwirft, denn mit dem Akkordeonspielen kann der studierte Orchesterdirigent nicht den Unterhalt für die Familie verdienen. Aber es macht ihm Spaß mit den Herren der Gruppe. Gerade proben sie für einen Auftritt auf einem Schweriner Markt.

Immer noch Fremde

Irina, Lüdmilla, Uljana und Iskandar stehen im Mittelpunkt dieser Reportage. Sie alle haben ganz unterschiedliche tägliche Herausforderungen: vom Stress in der Kleiderkammer, über den anstrengenden Alltag im neu eröffneten Laden bis hin zum aufregenden Countdown des orthodoxen Osterfestes. Was alle eint ist der Versuch, ein normales Leben zu führen, in einem Land, in dem sie sich oft immer noch als Fremde fühlen.

Die Siedlung "Großer Dreesch"

Von 1971 bis 1990 entstand auf dem Flurstück Großer Dreesch eine Großwohnsiedlung mit den Stadtteilen Großer Dreesch (Dreesch I), Neu Zippendorf (Dreesch II) und Mueßer Holz (Dreesch III) - insgesamt rund 20.000 Wohnungen. Aufgrund seiner attraktiven Lage und des hohen Wohnkomforts stand der "Dreesch" zu DDR-Zeiten hoch im Kurs. Etwa die Hälfte der Stadtbevölkerung Schwerins lebte 1988 hier. Nach der Wende traten in dem Viertel die sozialen und ökonomischen Umbrüche im Zuge des politischen Transformationsprozesses besonders deutlich hervor. Die Einwohnerzahl sank rapide, Wohungsleerstand, Kriminalität und Arbeitslosigkeit stiegen. Seit Mitte der 1990er-Jahre wirken Förderprogramme wie etwa "Soziale Stadt" der Tendenz zur sozialen Ausgrenzung entgegen. Erste Erfolge wurden erzielt, doch nach wie vor liegt der Dreesch mit einer Arbeitslosenquote von knapp 20 Prozent und vielen Hartz-IV-Empfängern weit über dem städtischen Durchschnitt.

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Redaktion
Birgit Müller
Produktionsleiter/in
Stephan Helms
Autor/in
Till Lehmann