Wilde Wasser, tiefe Wälder

Durch die chinesische Mandschurei

Mittwoch, 03. Juni 2015, 15:15 bis 16:00 Uhr

Mandschurei-Kranich im Morgengrauen im Naturschutzgebiet Zhalong (Provinz Heilongjiang). © NDR/Ariane Reimers, honorarfrei

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Der äußerste Nordosten Chinas, Heimat des Amur-Tigers, hieß einst "Land des Überflusses". Hier finden sich tiefe Wälder, gigantische Flüsse und weite Ebenen und Auenlandschaften. In früheren Jahrhunderten zogen Jäger durch die tiefen Wälder an der Grenze zu Sibirien, an den Ufern des Flusses Amur lebten Fischer vom reichen Fang. Im Winter trugen sie Pelze, im Frühjahr und Herbst einzigartige Kleidung aus Fischhaut.

Eine wohlhabende Provinz

Das ist heute Geschichte, denn Nordostchina ist mittlerweile dank der Bodenschätze und der fruchtbaren Landwirtschaft eine der wohlhabendsten Provinzen des Landes. Nur wenige Nachfahren der Fischer können noch von den Traditionen ihrer Großeltern berichten, ihre tungusischen Sprachen sind vom Aussterben bedroht.

Die spannende Hauptstadt Harbin

Quirlige Hauptstadt der Region ist Harbin. Von Russen gegründet Ende des 19. Jahrhunderts als Stützpunkt der Trans-Mandschurischen Eisenbahn, wuchs sie schnell zu einer internationalen Metropole heran. Sie ist berühmt für ihr winterliches Eisfestival, aber im Sommer genauso interessant. "Klein-Moskau" oder "Klein-Paris" wurde sie genannt. Die Stadt hatte auch eine große jüdische Gemeinde, es waren von allem Flüchtlinge vor den Pogromen in Russland. Heute gibt es keine in Harbin geborenen Juden oder Russen mehr, aber in ihrer europäischen Architektur ist die Geschichte noch sehr präsent.

Touristenmagnete: Schlafende Vulkane und heilende Quellen

Immer mehr Chinesen machen in der großartigen und weiten Landschaft Urlaub. Ganz abenteuerlich beim Rafting auf den wilden Flüssen oder brav in der Gruppe in bizarrer Vulkanlandschaft. Sehr chinesisch sind die Heilbäder von Wudalianchi. Hier kommt man mit Chinesen in direkten Kontakt. Die schlafenden Vulkane von Wudalianchi formten eine Krater- und Seenlandschaft mit einzigartigen Quellen, die heilende Wirkung haben sollen. Hunderte Kranke, die an diese Wirkung glauben, baden deshalb im eisenhaltigen Mineralwasser.

Schutz bedrohter Tierarten

Die Provinz ist so wohlhabend, dass sie, was für China eher ungewöhnlich ist, großen Wert auf den Schutz bedrohter Tierarten legt. Die Auenlandschaften Nordostchinas sind wichtiger Brutplatz für seltene Vögel. Der Mandschurenkranich hat hier sein Sommerrevier, und im Grenzgebiet zu Russland leben noch einige wenige Exemplare des Amur-Tigers. Sein Lebensraum wurde im vergangenen Jahrhundert stark verkleinert. Wilderer tragen dazu bei, dass die Art vom Aussterben bedroht ist, denn Amur-Tiger sind nach wie vor eine begehrte Beute auf dem Schwarzmarkt.

Naturschützer kämpfen um die letzten Refugien dieser vom Aussterben bedrohten Arten, versuchen, die Balance zwischen Mensch und Natur zu bewahren. Denn hier gibt es sogar erste Ansätze von Naturtourismus in China.

Redaktionsleiter/in
Claudia Buckenmaier
Redaktion
Christine Hasper
Produktionsleiter/in
René Pech
Autor/in
Ariane Reimers
Regie
Ariane Reimers