Stand: 21.06.2010 16:09 Uhr

"Zentrale gegen Ärger und Zeitverlust" - Das NDR Verkehrsstudio

von Lynn Schneider

Reisezeit - Stauzeit

Am 27. Juni 1970, pünktlich zu den Sommerferien, meldete sich das NDR 2 Verkehrsstudio zum ersten Mal. Damit begann die Ära einer heute nicht mehr wegzudenkenden Einrichtung, die das Autofahren entspannter macht und so zu deutlich mehr Verkehrssicherheit beiträgt.

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Egon Schätzle (NDR) und Alfred Max Dörfler (ADAC) im NDR Verkehrsstudio (1971).

Die Sendezeit beschränkte sich auf die Wochenenden in der Hauptferienzeit: Sechs Wochen lang informierte das Verkehrsstudio die Autofahrer zwischen Harz und Küste samstagvormittags und sonntagnachmittags über das Geschehen auf den Straßen. Zu diesen Zeiten waren die Straßen erfahrungsgemäß besonders stark befahren.

120 Sendestunden

Während Freunde, Bekannten und Kollegen den Sommer genossen, verbrachten Egon Schätzle (NDR) und Alfred-Max Dörfler (ADAC) die Wochenenden im Studio 6 des Hamburger Funkhauses, insgesamt 120 erfolgreiche Stunden. Sie gaben den Fahrern Hinweise, wie sie ihre Ziele am schnellsten und sichersten erreichen konnten. Mehr als 350 mal schaltete sich das Verkehrsteam ins laufende Programm ein. Die Urlauber konnten die schönste Zeit des Jahres somit ganz unbesorgt angehen – ohne Stress auf ihren Reisewegen.

Dichter Verkehr in einer Autobahn-Baustelle © dpa

Das NDR Verkehrsstudio

Der Verkehrsservice für den ganzen Norden: Die NDR Hörer wissen sofort, wo es auf den Straßen stockt. Die Verkehrsredakteure versorgen die NDR Radioprogramme mit den neusten Staumeldungen - rund um die Uhr.

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Enge Zusammenarbeit zwischen NDR, ADAC und der Verkehrspolizei

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Die ADAC-Piloten im Cockpit (1973).

Damit der Verkehrsservice überhaupt funktionierte, war (und ist bis heute) die Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei und der ADAC-Straßenwacht sehr wichtig. Das NDR Verkehrsteam stand in ständiger Verbindung mit ihnen. Aus vier ADAC-Flugzeugen heraus wurde das Geschehen auf den sommerlichen Straßen zusätzlich aus der Vogelperspektive beobachtet. Die Zusammenarbeit funktionierte reibungslos. Nicht zuletzt erhielt das Verkehrsteam Unterstützung durch die Autofahrer selbst, die sich telefonisch mit vielen Hinweisen engagierten. Das Verkehrsstudio übermittelte den Autofahrern nebenbei hilfreiche Informationen über Ausweichrouten und Schleichwege. Denn selbst bei überfüllten Autobahnen waren die meisten Nebenstrecken am Rand der Hauptrouten relativ unbefahren. Es boten sich zahlreiche Möglichkeiten, die Staus zu umfahren.

Resultat: weniger Staus, weniger Unfälle

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Egon Schätzle und Nicolai Hübner (beide NDR) im NDR Verkehrsstudio (1980).

Die Autofahrer nahmen die Verkehrshinweise dankend an. Die Lage auf den Straßen entspannte sich merklich: Viele Staus lösten sich bereits kurz nach dem Entstehen wieder auf. Die sechswöchige Pilotphase im Sommer 1970 war ein voller Erfolg: Die Unfallquote blieb während dieser Zeit deutlich unter dem Durchschnitt. Der damalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Dr. Helmut Lemke bedankte sich nach dieser gelungenen Aktion sogar schriftlich beim Verkehrsstudio. Er nannte das Verkehrsstudio eine "Zentrale gegen Ärger und Zeitverlust".

"Wir freuen uns immer über Urlaubsgrüße"

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Das Team des NDR Verkehrsstudios (1982).

Auch von den Hörern erreichten viele Nachrichten, Anrufe und Dankesbriefe die Mitarbeiter des Verkehrsstudios. Egon Schätzle war hocherfreut über die Rückmeldungen: "Wir sind dafür sehr dankbar, sind sie doch eigentlich der Gradmesser der Resonanz und beleben in gewisser Weise unser Geschäft. Wir freuen uns auch immer über die Urlaubsgrüße von Hörerinnen und Hörern, die sagen, ihr habt uns geholfen." Natürlich gab es auch einige Anrufe verärgerter Hörer, die wenig Verständnis für die Unterbrechungen des Programmes aufbrachten. Die positiven Reaktionen von dankbaren Autofahrern waren deutlich in der Überzahl.

Nach positivem Feedback in die Verlängerung

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Egon Schätzle im NDR Verkehrsstudio (1985).

Aufgrund der positiven Reaktionen auf die sechswöchige Startphase wurde der Verkehrsservice nach dem Ende der Ferien verlängert, allerdings ohne das Verkehrsstudio. Stattdessen gab es direkte Leitungen zwischen dem NDR und den Zentralen der Verkehrspolizei. Die Meldungen wurden direkt vom jeweiligen Leiter vom Dienst weitergeben und bei Bedarf gesendet. Am 27. September 1970 endete diese Art der Versorgung mit aktuellen Verkehrsmeldungen. Nachdem erfolgreichen Start des Verkehrsstudios sagte Egon Schätzle in einem Gespräch: "Ich bin sicher, dass der NDR auch in den kommenden Jahren während der sommerlichen Hauptreisezeit die Kraftfahrer auf den Straßen im Sendegebiet ähnlich unterrichten wird, wie wir es in diesem Jahr tun."

Er sollte damit Recht behalten: Pünktlich zur Sommersaison 1971 lebte das Verkehrsstudio wieder auf. Wiederum nur für die Ferienzeit. Aber ein Jahr später wurde es dann zu einer festen Einrichtung, die nicht nur in der Sommerzeit verlässlich über das Verkehrsgeschehen informierte.

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