Stand: 18.01.2014 10:35 Uhr

Töne und Bilder "Aus der Neuen Welt"

von Alina Laura Tiews, Hans-Ulrich Wagner

Er öffnete das "Fenster zur Welt": Der Journalist Peter von Zahn berichtete als erster Auslandskorrespondent in den USA vom großen Vorbild jenseits des Atlantiks. Doch nicht nur der "American Way of Life" wurde vorgestellt, die befreundete Supermacht wurde auch durchaus kritisch beleuchtet. Zum Prüfstein für die journalistische Unabhängigkeit wurden von Zahns Berichte über die aufbegehrende Bürgerrechtsbewegung.

Peter von Zahn 1953 als Reporter in Waschington D.C.

Peter von Zahn war ein Radiomann der ersten Stunde; er absolvierte Stationen in Hamburg und Düsseldorf. 1951 schickte ihn der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) in die USA, wo er in Washington akkreditiert war. In seiner Hörfunkreihe "Aus der Neuen Welt" wendete sich von Zahn regelmäßig an die deutschen Hörer und berichtete Politisches, Soziales und Alltägliches von der anderen Seite des Atlantiks. Diese Hörfunkreihe war äußerst populär und lief bis 1960 im Radioprogramm.

Vom Radio ins Fernsehen

In den Vereinigten Staaten lernte Peter von Zahn das Fernsehen, das dort bereits seinen Siegeszug angetreten hatte, näher kennen. Fasziniert verfolgte der Journalist die Entwicklung des "magischen Apparats", wie er es zeitgenössisch nannte, und entdeckte die Chancen, die das Bildmedium für seine Berichterstattung bot.

Doch für Peter von Zahn stand auch im Fernsehen der "Gedanke", das gesprochene Wort, im Zentrum. Er beschloss, seine Hörfunkreihe "Aus der Neuen Welt" für das Fernsehen weiterzuentwickeln - als "Bilder aus der Neuen Welt".

Wie für das Radio schrieb von Zahn auch für das Pendant im Fernsehen zunächst stets die Geschichte, die er erzählen wollte. Zu diesem Text wählte er passende Bilder aus. In einem Interview erklärte er: "Der Kulturfilm ging ja vom Bild aus, und die Cutter und die Regisseure, die wir anfangs beim Fernsehen verwandten, waren Leute, die Bilder zeigen wollten. Was dazu gesagt wurde, war vollkommen wurscht. Ich ging den umgekehrten Weg. Wichtig war zunächst mal, was gesagt wurde. Was gesagt wurde, wurde durch Bilder illustriert."

USA unterstützten das neue Fernsehformat

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Von 1951 bis 1960 war Peter von Zahn Korrespondent in den USA.

Doch Filmbeiträge in den USA zu produzieren, war äußerst kostspielig. Der NWDR zögerte, solche hohen Investitionen in das junge, sich noch entwickelnde Medium Fernsehen zu tätigen. Peter von Zahn fand einen Ausweg. Das Presseamt der USA, die United States Information Agency (USIA) war bereit, sich finanziell zu beteiligen. Dahinter stand allerdings eine sehr konkrete Absicht: "Man wünschte eine positive Repräsentation des eigenen Landes in der deutschen Öffentlichkeit", wie der Historiker Peter Zimmermann das Motiv der amerikanischen Geldgeber umreißt.

Eine breite Themenpalette

Peter von Zahn berichtete im bundesdeutschen Fernsehen zunächst einmal über neue technische Errungenschaften, über gesellschaftlichen Fortschritt und über die sprichwörtlichen "unbegrenzten Möglichkeiten", die die Vereinigten Staaten verhießen. Die Themen deckten ein breites Spektrum ab. Glaubens- und Wirtschaftsfragen, Arbeitsbedingungen und soziale Aspekte, Bräuche und Eigenarten wurden vorgestellt. Gern nahm der Reporter das deutsche Publikum auch mit auf seine zahlreichen Reisen quer über den Kontinent. Sie führten ihn von Küste zu Küste, von Virginia bis ins kalifornische "Disney Land". In jenen Tagen prägte Peter von Zahn das Bild der Deutschen von Amerika.

Die Jahre 1948 bis 1955

1948 wird der NWDR eine "Anstalt des öffentlichen Rechts" und treibt die technische Entwicklung energisch voran. Das Nachkriegsradio erlebt eine Blütezeit, 1952 startet der Fernsehbetrieb. mehr