Stand: 29.04.2010 16:16 Uhr

Die NDR Radiophilharmonie feiert ihren 60. Geburtstag

von Torsten Blaich

Sinfonieorchester haben ihre eigene Zeitrechnung. Als besonders spannend erweist sich ein Blick auf das Gründungsjahr der NDR Radiophilharmonie, die ihr 60-jähriges Jubiläum feiert. Das in Hannover beheimatete Orchester verkörpert ein Stück lebendige Rundfunkgeschichte und spiegelt zugleich die Veränderungen und Entwicklungen der deutschen Orchesterlandschaft wider.

Sechs Jahrzehnte herausragende Dirigenten

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Eivind Gullberg Jensen, Chefdirigent der NDR Radiophilharmonie in Hannover.

Schon in den 1920er-Jahren hatte es in Hannover Livemusik am Rundfunkmikrofon gegeben, ehe die NDR Radiophilharmonie am 1. Mai 1950 ihren Dienst unter dem Namen "Orchester des Senders Hannover" aufnahm. Seither haben, in sechs Jahrzehnten, große Persönlichkeiten am Dirigentenpult des Orchesters gestanden, Chefdirigenten wie Bernhard Klee, Zdeněk Mácal, Aldo Ceccato oder der heutige Ehrendirigent Eiji Oue. Seit Beginn der Konzertsaison 2009/2010 hat Eivind Gullberg Jensen als einer der herausragenden und gefragtesten Vertreter der jungen Dirigentengeneration das Chefamt in der Stadt an der Leine inne. Wie seine Vorgänger verleiht er mit seinen künstlerischen Vorstellungen und Visionen dem Orchester neue Impulse - auf künstlerischer wie programmatischer Ebene.  

Sechs Jahrzehnte - Große Solisten

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Yehudi Menuhin - nur einer von vielen Weltstars, die bereits mit der NDR Radiophilharmonie gespielt haben.

Ebenso eindrucksvoll wie die Riege der Dirigenten ist die der Solisten, die bis heute den Einladungen nach Hannover gefolgt sind: Yehudi Menuhin und Mstislav Rostropowitsch gehören dazu, David Oistrach, Alfred Brendel, Rudolf Buchbinder, Hélène Grimaud, Frank Peter Zimmermann, Thomas Quasthoff und Hilary Hahn. Eine Liste ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Nicht zu vergessen die unzähligen Solokünstler aus den Bereichen Pop, Rock und Jazz, die mit der NDR Radiophilharmonie aufgetreten sind: Al Jarreau, Ray Charles und Bobby McFerrin, Herbert Grönemeyer, Ute Lemper, Patricia Kaas oder Chet Baker. Klangvolle Namen, die für sich sprechen und mit Nachdruck auf eine andere Art der "Zeitrechnung" eines Orchesters aufmerksam machen: auf die "innere Zeit", die ablesbar ist an der Vielfalt, an der historischen Tiefe und Breite des Repertoires, das ein Klangkörper pflegt.  

Grenzgänger zwischen den Epochen und Stilen

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Die NDR Radiophilharmonie hat ein vielseitiges Repertoire.

Wie kaum ein anderes Orchester sind die NDR Philharmoniker Grenzgänger zwischen den musikalischen Epochen, Zeiten und Stilen: Die große sinfonische Literatur aus Klassik und Romantik hat ebenso einen festen Platz in den unterschiedlichen Abonnementsreihen der NDR Radiophilharmonie wie die Meisterwerke des Barocks, das zeitgenössische Schaffen des 20. und 21. Jahrhunderts, die Crossover-Projekte oder die Filmmusik - für ein Rundfunk-Sinfonieorchester freilich immer verbunden mit der besonderen Herausforderung, mit größter Perfektion zu musizieren, sowohl für das Publikum im Konzertsaal als auch für den Hörer am Radio daheim. 

Eine unaufhörliche Inspirationsquelle

Diese Vielschichtigkeit der künstlerischen Auseinandersetzung blieb und bleibt nicht ohne Einfluss auf die tägliche Arbeit in Probe und Konzert, vielmehr ist sie eine unaufhörliche Inspirationsquelle, ein steter Impulsgeber. Wer wie die NDR Radiophilharmonie mit Doppelplatin für eine Live-DVD mit Herbert Grönemeyer ausgezeichnet wurde oder den Soundtrack für den preisgekrönten Kinofilm "Das Wunder von Bern" eingespielt hat, wer in der historischen Aufführungspraxis geschult ist und gleichzeitig immer wieder Auftragskompositionen aus der Taufe hebt, der interpretiert eine Mahler-Sinfonie aus einer anderen Perspektive heraus - jeder, der die Konzerte des Orchester kennt und besucht, weiß davon zu berichten; genauso wie von der Suche nach modernen Konzertideen und -formaten, die ein Markenzeichen der NDR Radiophilharmonie ist.

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