Stand: 04.08.2017 11:45 Uhr

Recherchekooperation NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung

Die Rahmenbedingungen für investigative Recherchen haben sich in den letzten Jahren stark verändert: Die Recherche-Themen werden komplexer und globaler (z.B. Panama Papers, Offshore-Leaks, NSA). Die sorgfältige journalistische Aufarbeitung bindet immer mehr personelle und finanzielle Ressourcen. Um auch besonders umfangreiche und anspruchsvolle Projekte umsetzen zu können, wird daher bei investigativen Recherchen stärker mit Medienpartnern kooperiert.

Recherchekooperation und Ressort Investigation

Der NDR ist deswegen eine Recherchekooperation mit dem WDR und der Süddeutschen Zeitung (SZ) eingegangen. Dabei handelt es sich um eine freiwillige, anlass- und themenbezogene Zusammenarbeit. NDR, WDR und SZ behalten jeweils die volle finanzielle, redaktionelle und personelle Verantwortung, gemeinsame Etats gibt es nicht.

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Georg Mascolo

Die Recherchekooperation ist im direktionsübergreifenden Ressort Investigation angesiedelt. Georg Mascolo leitet diese Kooperation. Er ist über einen Rahmenvertrag als freier Mitarbeiter für den NDR tätig. Georg Mascolo leitet die Recherchekooperation nicht im arbeitsrechtlichen, sondern im fachlichen Sinn. Über Projektverträge sind neben Georg Mascolo vier weitere Redakteure und Redakteurinnen beim NDR Fernsehen beschäftigt sowie zwei Kollegen.

Das Ressort Investigation ist eng mit Hörfunk, Fernsehen und der Online-Redaktion des NDR sowie mit ARD-aktuell vernetzt. Mit seiner Hilfe soll auch die themenspezifische investigative Zusammenarbeit mit anderen Medien gestärkt werden. Das Ressort Investigation arbeitet innerhalb des NDR programmübergreifend und ist inzwischen durchgehend trimedial besetzt. Kolleginnen und Kollegen vom Fernsehen, vom Hörfunk und aus dem Online-Bereich sitzen in gemeinsamen Redaktionsräumen beim NDR in Hamburg-Lokstedt. Recherchiert wird in vielen Fällen zusammen; bei der Berichterstattung bedienen sie ihr jeweiliges Medium.

Weitere Informationen

Ressort Investigation im NDR

Das Ressort Investigation arbeitet an komplexen Themen abseits der Tagesaktualität. Eine Themenübersicht. mehr

Zwei weitere Redakteure haben ihren Sitz in Berlin, das inzwischen auch zu den Standorten des Ressorts gehört. NDR und WDR unterhalten ein gemeinsames Büro für freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dauerhaft von Berlin aus arbeiten.

Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern

Das Ressort Investigation im NDR arbeitet auch immer wieder in Kooperation mit anderen Landesrundfunkanstalten, etwa dem SWR, dem BR und dem MDR. Ferner pflegt es weitere Kooperationen mit anderen Medien, deren Anzahl und Umfang perspektivisch ausgebaut und verstetigt werden sollen. So besteht etwa eine Zusammenarbeit mit der Plattform Spiegel.TV, die themenbezogen ausgewählte Folgen der Dokumentationsformate 45 Min und Länder - Menschen - Abenteuer des NDR Fernsehens übernimmt.

Der NDR ist auch an einem Ausbau der Kooperationen wie beispielsweise mit ZEIT Online interessiert. Im März 2015 boten beide Medien gemeinsam ein Multimedia-Projekt über die feministische Aktionsgruppe Femen an. Seit bald 15 Jahren kooperiert das NDR Fernsehen darüber hinaus im Rahmen der Sendung "Mare TV" mit dem Mare Verlag.

Die investigativen Ressorts der drei Kooperationspartner NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung tauschen sich regelmäßig aus:

  • Welche Themen sind in der Planung?
  • Welcher Partner bzw. welche Kollegin / welcher Kollege kann dazu etwas beitragen?
  • Wie sind die nächsten (Recherche)Schritte?
  • Wo könnte das Thema, die Nachricht in welcher Form erscheinen?

Diese Fragen der Zusammenarbeit werden jeweils themen- und projektbezogen entschieden. Dabei ist jeder Partner in seiner Entscheidung unabhängig. So entstehen unterschiedliche Kooperationskombinationen: Neben NDR, WDR und SZ ergeben sich auch "NDR und SZ", "WDR und SZ", "NDR und WDR".

Die Recherchen des Ressorts Investigation werden aus Programmmitteln finanziert. Ein ausgestrahlter Beitrag wird über den Programmetat der jeweiligen Sendung in Hörfunk oder Fernsehen abgerechnet.

Projektübersicht

Aus der Recherchekooperation sind innerhalb kürzester Zeit publizistisch relevante Projekte hervorgegangen:

  • Juli  2017: „Die Rausschmeißer: Feuern um jeden Preis“, Recherchen über Arbeitgeber-Anwälte
  • Mai 2017: „Der unsichtbare Feind – tödliche Supererreger aus Pharmafabriken“
  • November 2016: „Die Terrorschmiede – Anwerber für den IS in Deutschland“
  • September 2016: „Audi  - Die Mutter des Betruges“
  • August 2016: „Erstickt im Lkw – Das Ende einer Flucht“
  • Juli 2016: „Böses neues Jahr – Die Suche nach den Silvestertätern“
  • April 2016: "Die Volkswagen-Story"
  • April 2016: "Panama Papers – Im Schattenreich der Offshore-Firmen"
  • November 2015: "Der Anschlag aus der Garage" – Recherchen zum Brandanschlag in Salzhemmendorf (Niedersachsen)
  • Oktober 2015: "Das Lügen-Werk – wie VW die ganze Welt täuschte" (nur NDR und WDR)
  • Juni 2015: "Bräute für das Kalifat" – Recherchen über Frauenhandel (nur WDR und NDR)
  • Feb. 2015: "Swiss-Leaks": Die schmutzigen Geschäfte einer Schweizer Bank
  • Nov. 2014: "Lux-Leaks": Die Steuersparmodelle multinationaler Konzerne in Luxemburg
  • Nov. 2014: Bürokratie des Terrors: Geheime Dokumente enthüllen den Aufbau des Islamischen Staates
  • Juni 2014: Frankfurter Internetknotenpunkt: BND gibt Daten an USA weiter

Nennung von Quellen

Die Nennung der SZ wie auch anderer Printmedien erfolgt im Rahmen der branchenüblichen Quellenangaben. Quellen werden immer dann angegeben, wenn Medien unter journalistischen Gesichtspunkten exklusiven Nachrichtenwert produzieren. Das gilt z. B. auch für die Bild-Zeitung oder den Spiegel. Ebenso wie bei allen anderen Medien ist es auch bei ARD-aktuell üblich, die Ergebnisse der Recherchekooperation unter Angabe von "NDR, WDR und SZ" zu publizieren.