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Albig hat keine Angst vor Neuem

von Charlotte Voß, NDR.de

Oberbürgermeister Torsten Albig © NDR Fotograf: Gesche Wilhelmi Detailansicht des Bildes SPD-Politiker Thorsten Albig, derzeit Oberbürgermeister in Kiel, will bald Schleswig-Holstein regieren. "Thorsten Albig ist sympathisch, offen, selbstbewusst, zielstrebig und kann auf Menschen zu gehen", heißt es unisono von Parteifreunden und Journalisten. Aber dann scheiden sich auch schon die Geister - wenige Wochen vor der Landtagswahl in Schleswig-Holstein, die Thorsten Albig für die SPD gewinnen will.

Während Landes- und Fraktionschef Ralf Stegner für Albig, seinen einstigen Konkurrenten im Rennen um die Spitzenkandidatur, Wahlkampf machen will, stehen auf den Blöcken der Journalisten noch viele Fragezeichen. Genau wie bei der Opposition im nördlichsten Bundesland. Was genau will Herr Albig denn eigentlich machen? Wie? Und vor allem: Woher kommt das Geld dafür?

Albig legt im Norden politischen Durchmarsch hin

27 Milliarden Euro Schulden lassen sich nicht weglächeln, denkt mancher, wenn er die Fotos auf der Internetseite des 48-Jährigen sieht. Sympathisches Lächeln, maritim-blauer Pullover und gegen Wind und Wetter hochgeschlagener Kragen - norddeutsch eben. Ist er ja auch. Albig ist in Bremen geboren, in Ostholstein aufgewachsen und nach Jobs in Bonn, Frankfurt am Main und Berlin nun wieder in Kiel. Seit 2002 wohnt er hier und seit 2009 ist er Oberbürgermeister der Landeshauptstadt an der Förde. Bei der OB-Wahl bezwang Albig die damalige CDU-Amtsinhaberin Angelika Volquartz klar im ersten Wahlgang. Und nun ist er SPD-Spitzenkandidat. "Wir haben das bessere Programm, wir haben den besseren Kandidaten", gibt sich Albig im Gespräch mit NDR Info selbstbewusst und siegessicher. Fast schon so, als sei er bereits Ministerpräsident und die Wahl am 6. Mai nur noch Formsache.  

Das erste Duell auf dem Weg dahin hatte Albig im Februar 2011 für sich entscheiden können. In einem Mitgliederentscheid votierten 57,2 Prozent der Nord-Sozialdemokraten dafür, mit ihm als Spitzenkandidaten anzutreten. Landeschef Stegner, der Mann mit den Fliegen, bekam 31,1 Prozent. Ihm fehle das Menschelnde, das was Albig eben habe, wurde damals parteiintern geraunt.  

Albig hat jahrelange Erfahrung im Bereich Finanzen

Torsten Albig (r) am Ruder eines Segelboots © dpa Fotograf: Bodo Marks Detailansicht des Bildes Albig gibt gerne den Kurs an. Für die Wahl ist sein Ziel: Rot-Grün. Aber reicht das, das Menschelnde? Beruflich hat der zweifache Familienvater und Fußball-Fan Albig einiges vorzuweisen. Neue Herausforderungen hat er immer angenommen. Er war im Bundesfinanzministerium - erst unter Oskar Lafontaine und dann unter Hans Eichel. Nach einem knapp einjährigen Ausflug als Sprecher zur Dresdner Bank in Frankfurt kehrt Albig 2002 in die Kieler Verwaltung zurück. Im Februar 2006 wird er von Finanzminister Peer Steinbrück als Sprecher wieder nach Berlin geholt.  

Von dort kommt auch viel Lob für den Kandidaten. SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier spricht von einem Optimismus in der Landespartei, der ihn sehr zufrieden mache. Ausdrücklich betont Steinmeier seine Wertschätzung für Albig, den er aus dessen Zeit als Sprecher Steinbrücks gut kenne und schätze.

Finanz-Experte mit "klugen Ideen"

Der Jurist Albig hat sich also viele Jahre mit dem Thema Finanzen beschäftigt. Vor der Wahl verspricht er ein beitragsfreies Kita-Jahr, höhere Zuschüsse für Schulen der dänischen Minderheit, weniger Lehrerentlassungen und Entlastungen für Gemeinden und Kommunen. Ganz schön sportlich bei einem Haushalt, der derzeit ein Minus von 27 Milliarden Euro aufweist. Und außerdem verlangt die seit 2009 im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse für 2020 einen ausgeglichenen Haushalt der Länder - auch in Schleswig-Holstein.

Was nun, Herr Albig? Dieser spricht auf NDR Info von "klugen Ideen, um aus der Krise zu kommen". Eine davon: Mehr Menschen in Jobs zu bringen, damit mehr Steuern und Sozialabgaben reinkommen und weniger staatliche Transferleistungen rausgehen. Und wie soll das gehen? Nach Albigs Vorstellung würden Gespräche mit Handwerkskammern oder Firmen genug bringen, um mehr Fachkräfte auszubilden, führt er weiter aus. Diese würden dann ja Steuern zahlen und das System füttern, statt es zu belasten.

Albig setzt ganz klar auf Rot-Grün

Für seinen Kurs setzt Albig auf die Grünen in Kiel. Gemeinsam habe man eine Mehrheit, sagt er. Natürlich auch mit Unterstützung des SSW. Mit der SPD allein rechnet er schon gar nicht. Doch kann er auf die Grünen wirklich zählen? Diese haben sich nicht darauf festgelegt, mit wem sie ein eventuelles Regierungsbündnis eingehen würden. Auf Fragen nach einer Großen Koalition antwortet Albig im NDR Info-Interview nahezu gebetsmühlenartig: Gemeinsam mit den Grünen werde es reichen.

Sympathisch, offen und zielstrebig - so wird Albig oft beschrieben. Ob das reicht, damit ihm die Wähler ihre Stimme geben, das wissen wir am 6. Mai.

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Torsten Albig in einer Nahaufnahme, wie er während seiner Rede auf dem SPD-Parteitag gestikuliert © dpa - Bildfunk Fotograf: Carsten Rehder
 

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