Stand: 31.08.2017 11:12 Uhr

"Homo-Ehe" gerne - aber nur als Mann und Frau

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Beim Eintrag von gleichgeschlechtlichen Ehen ins Melderegister gibt es ein Software-Problem. (Archivbild)

Wer möchte der Mann sein, wer die Frau? Diese Frage wird sich kurioserweise demnächst stellen, wenn gleichgeschlechtliche Paare heiraten. Nachdem der Bundestag die "Ehe für alle" verabschiedet hat, sind für den Staat ab Oktober alle Paare in dieser Hinsicht gleichgestellt. Das Problem ist nur, dass die Computer nicht so flexibel sind: Die Software der Standesämter ist von der gleichgeschlechtlichen Liebe schlichtweg überfordert.

Software-Update erst im Herbst 2018

Das Programm, das deutschlandweit von den Standesämtern genutzt wird, kennt nämlich nur Ehemann und Ehefrau. Zwei Männer oder zwei Frauen lassen sich dagegen nicht ins elektronische Melderegister eintragen. Ein kleiner Fehler, der leicht zu beheben sein müsste, sollte man denken. Doch weit gefehlt. Nach Angaben von Hannovers Stadtsprecher Udo Möller wird es das notwendige Update von der Softwarefirma voraussichtlich erst im Herbst 2018 geben. Bis dahin muss bei jeder gleichgeschlechtlichen Hochzeit einer der beiden Partner  mit dem falschen Geschlecht im Melderegister geführt werden.

Zumindest die Urkunde ist korrekt

In Hildesheim hoffen die Standesbeamten, dass das zuständige Bundesinnenministerium dafür sorgt, dass die Computerfirma so schnell wie möglich eine neue Software für die Behördenrechner entwickelt. Der Start der "Ehe für alle" sei damit aber in keiner Weise in Gefahr, sagte ein Sprecher NDR 1 Niedersachsen. Und ganz wichtig: Auch die ausgedruckten Eheurkunden werden mit den korrekten Geschlechtern der frisch Vermählten ausgegeben.

Bisher erst wenige Anmeldungen

Das Interesse an der gleichgeschlechtlichen Ehe ist übrigens noch überschaubar. In Hannover haben sich bislang 18 Paare angemeldet, in Nienburg sind es gerade mal zwei. Auch in Hildesheim hat es nur vereinzelte Anfragen gegeben. Der ganz große Ansturm sei noch nicht zu beobachten, heißt es unisono aus den Rathäusern. Aber das könne sich - Software-Problem hin oder her - in den kommenden vier Wochen ja noch ändern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 31.08.2017 | 11:00 Uhr