Stand: 02.04.2017 09:16 Uhr

Hamburg liebt Ina - und sie liebt ihr Hamburch

von Larissa Gumgowski

"Hamburch, wir haben uns so auf euch gefreut", begrüßt Ina Müller das Publikum in der Barclaycard Arena, "wir haben drei Monate lang für euch geübt!" Mit einem ausverkauften Konzert beendet sie am Sonnabend in Hamburg ihre Tour zum neuen Album "Ich bin die" - ein krönender Abschluss.

Entertainerin Ina Müller auf der Bühne.

Ina Müller: Krönender Tour-Abschluss in Hamburg

Hamburg Journal -

Sie bringt ihre Fans zum Lachen, zum Weinen und zum Tanzen. Vor ausverkaufter Hamburger Arena hat Ina Müller ihre Tour mit einer dreistündigen Show beendet.

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Tausende Hamburger, die einen fremden Sitznachbarn an der Hand halten, sich tief in die Augen schauen und im Chor "Ich bin so froh ..." rufen? Das schafft nur Ina Müller mit ihrem frechen Charme. Kurz darauf brüllt der gesamte Saal vor Lachen. Die Entertainerin ergänzt in gewohnt schnoddriger Manier: "... dass ich nicht so hässlich bin wie du". Situationskomik, die funktioniert und auch den letzten Hamburger aus der Reserve lockt. So geht es einen ganzen Abend lang: Mit einer Mischung aus Ironie und Ernsthaftigkeit, Komik und Melancholie, Konzert und Kabarett begeistert die Sängerin ihre Fans.

Drei Generationen in ihrem Bann

Im Publikum sitzen sowohl Grüppchen von Frauen in Inas Alter und Mütter mit ihren Töchtern als auch ältere Ehepaare. Ina Müller begeistert über Generations- und Geschlechtergrenzen hinweg. Überraschend viele Männer sind an diesem Abend gekommen. "Ich bin so froh, dass ihr jedes Mal wiederkommt", scherzt die 51-Jährige. Bei aller Stichelei gegen die Männerwelt freue sie sich doch, dass sie noch nicht alle vergrault habe - oder dass die Männer zumindest ihren Frauen zuliebe mitkämen. Schließlich gehen Ina Müllers derbe Witze zwar oft unter die Gürtellinie, aber nicht nur auf Kosten des männlichen Geschlechts: Auch die Deutsche Bahn, die Werbeindustrie und die Pharmakonzerne bekommen ihr Fett weg. Nicht zuletzt nimmt die Entertainerin auch sich selbst ordentlich auf die Schippe und ihre Zuhörer mit in ihre eigene Vergangenheit.

Das autobiografische Lied "Fünf Schwestern“ erzählt von ihrer Kindheit auf dem Land, wo sie mit ihren Großeltern unter einem Dach aufwuchs. "Sowas nennt man heute Mehrgenerationenhaus und bekommt dafür einen Zuschuss vom Staat. Vielleicht sollte ich das mit meinem Freund auch machen", fügt sie mit einem schelmischen Lächeln hinzu und spielt damit auf ihren 16 Jahre jüngeren Lebensgefährten Johannes Oerding an. Der hätte das Altern ja noch vor sich, stichelt die 51-Jährige. Sie selbst hingegen sei schon "ausgealtert", wie sie selbst so schön sagt. Wie zum Beweis springt sie vom Flügel und beginnt zu tanzen.

"Oh Gott, Hamburch!"

Rocken gegen das Älterwerden

Das Altern spielt eine große Rolle in Ina Müllers neuem Album. Sie singt von Falten, Nierensteinen und den Wechseljahren. Auf der Bühne tanzt sie unbeschwert, spielt Luftgitarre, springt über ein imaginäres Springseil und auf den Flügel ihres Pianisten - und das alles auf zehn Zentimeter hohen Absätzen. Sie versprüht dabei so viel Jugendlichkeit und Lebensfreude, dass sie kaum älter wirkt als ihre Backgroundsängerinnen. Über die beiden jungen Frauen sagt sie: "Ich liebe sie, als wären sie meine eigenen Töchter." Die drei wirken so authentisch, dass man es ihnen kein bisschen übel nehmen kann, als sie im Lied "Schuhe" vor lauter Lachen mehrmals den Einsatz verpassen. Ganz im Gegenteil: Ina Müller wirkt bei all ihrem derben Humor so entwaffnend ehrlich, dass man sie manchmal am liebsten in den Arm nehmen möchte.

Fotos vom Abend

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Waren Sie beim Konzert von Ina Müller in der Hamburger Barclaycard Arena dabei? Hier finden Sie Ihr Erinnerungsfoto von NDR 90,3. mehr

Fast schon pantomimisch erzählt sie von Selbstzweifeln beim Kleiderkauf, ihrer Kindheit auf dem Land und den typischen Gesprächen zwischen Männern und Frauen. Ihre Beschreibungen sind so bildhaft, dass das Publikum Tränen lacht, als sie davon erzählt, wie sie sich mit Hilfe einer jungen Kaugummi kauenden Verkäuferin in "Quetschwäsche" zwängt oder über die Anzeichen des Älterwerdens sinniert. Immer wieder klettert sie dabei von der Bühne und läuft wild gestikulierend durch die Reihen.

Invalidenquartett bringt das Publikum auf die Beine

Doch wie bringt man eine komplett bestuhlte Konzerthalle zum Tanzen? Inas Antwort: Invalidenquartett. "Ich zähl’ so lange Krankheiten auf, bis alle stehen. Und wenn es bis morgen dauert!" Zuerst fordert sie alle mit Knieschmerzen auf, sich zu erheben. Zögerlich grinsend stehen einige wenige auf. Eine Krücke wird als Beweis in die Höhe gereckt. Es folgen die Hüften, Schultern, "und jetzt die Tennisarme dazu!" Bei den Kopfschmerzen steht schließlich der ganze Saal und klatscht im Takt. Zum Abschluss lädt Ina ihr Publikum zu sich nach vorn ein. Sie freut sich wie ein Kind, als tatsächlich einige Hamburger alles stehen und liegen lassen, um mit ihr vor der Bühne zu tanzen: "Oh Gott, Hamburch, so hab’ ich es mir erträumt hier an meinem letzten Abend."

Nach der dritten Zugabe ist Schluss. Oder, um es mit Inas Worten zu sagen: "Dankeschön Hamburch, ihr Schnullerbacken!"

Sie haben Lust, Ina Müller live zu erleben? Sie waren beim Konzert dabei und können gar nicht genug von ihr bekommen? Glück gehabt: Am 9. Dezember 2017 kommt Ina Müller für ein Zusatzkonzert zurück nach Hamburg.

Porträt
mit Video

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburg Journal | 02.04.2017 | 10:15 Uhr

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