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Seit einem halben Jahrhundert brilliert Schauspieler Peter Matić auf deutschsprachigen Bühnen.
In Wien kennt Peter Matić, der dort 1937 geboren wurde, jedes Kind - na ja, fast jedes. Denn Peter Matić ist der "Grandseigneur des österreichischen Theaters, charismatisches Langzeit-Ensemblemitglied des Wiener Burgtheaters" (ORF). Aufgewachsen ist er allerdings im Neckartal. 2010 erinnerte er sich im "Freitag" an seine Kindheit: "Bei Kriegsende war ich acht. Ich habe keine schlimmen Dinge erlebt, weil wir auf dem Land gelebt haben, aber doch, die deutsche Wehrmacht hatte Munitionszüge abgestellt. Es ist sehr eng im Neckartal, und es gab immer wieder Tiefflieger, die angriffen. Für mich als Kind war das wie Indianerspielen. Wenn einen Tag nichts los war, war ich enttäuscht."
Nach seiner Ausbildung hatte er mit 23 Jahren sein Debüt am Theater in der Josefstadt, wo er bis 1968 fest engagiert war. Nach einigen Gastauftritten zog es ihn 1972 nach Berlin, wo er an den Staatlichen Schauspielbühnen viel beschäftigt war. Matić blieb bis zur Schließung des Schillertheaters im Jahr 1994. Seitdem ist er an der Wiener Burg - mit gelegentlichen Ausflügen zu den Salzburger Festspielen. Die Kritiken klingen eigentlich immer gleich: Der elegante, reservierte Herr, zumeist unterwegs mit Hut und Handschuhen, brilliert seit einem halben Jahrhundert auf fast allen deutschsprachigen Bühnen. Schauspieler des Jahres 2005, verlieh man ihm ein Jahr später den Titel eines "Kammerschauspielers". - "Hier in Wien hat man Herren, ich sage Herren, ohne Hüte eigentlich bis vor kurzem gar nicht gekannt, und Handschuhe, das sieht man eigentlich gar nicht mehr heute." (Der Freitag)
In einem Interview mit dem "Freitag" beschrieb Peter Matić den Unterschied der beiden Städte, in denen er jeweils mehr als zwei Jahrzehnte gewohnt, gelebt und Theater gespielt hat: „Wenn sich in Berlin eine Auseinandersetzung entfaltet auf der Straße, dann beschimpfen sie sich hart, gehen aber mit einem 'Nüscht für ungut' auseinander, in Wien dagegen gehen sie als Todfeinde."
Viele kennen vor allem die Stimme von Peter Matić - zum Beispiel aus "Gandhi" oder "Schindlers Liste".
Seit 1982 ist Peter Matić die deutsche Stimme von Ben Kingsley - in guten wie in schlechten Zeiten. Erster Höhepunkt seiner Synchronarbeit war der Film "Gandhi"; aber auch in "Schindlers Liste" trägt seine eindringliche Stimme zur Wirkung des grandiosen Films bei. Inzwischen hat er sich weitgehend aus dieser zumeist mäßig bezahlten Knochenarbeit zurückgezogen; in den 1980er-Jahren dagegen konnte man ihn in sehr unterschiedlichen Rollen verschiedener Schauspieler hören: Er synchronisierte u.a. Scott Glenn in "Das Schweigen der Lämmer" oder Jeffrey Jones, der als Kaiser Joseph II., überfordert von Mozarts Kompositionen, in "Amadeus" eine inzwischen klassische Formulierung geprägt hat: "Zu viele Noten".
Peter Matić ist seit den 1960er-Jahren auch durch das Fernsehen populär geworden. Man sah ihn besonders in prägnanten Nebenrollen: mehrfach im "Tatort", aber auch in populären Serien wie "Die Wicherts von nebenan" (1986 - 1991), "Liebling Kreuzberg", "Der Landarzt" oder "Unser Lehrer Doktor Specht". In den 70er- und 80er-Jahren besetzte man ihn vor allem in Literaturadaptionen.
Auch in Kino-Produktionen wusste Peter Matić zu überzeugen: neben Armin Mueller-Stahl im Drama "Bronsteins Kinder" (1991); in dem zu Unrecht kaum bekannten Film "Gebürtig" (2001) nach dem Roman von Robert Schindel, der die Waldheim-Ära und die österreichische Nazi-Vergangenheit problematisiert. Und auch in Detlev Bucks "Die Vermessung der Welt" (2012) ist Matić einer der Darsteller.
Nicht nur als Film- und Fernsehschauspieler ist Peter Matić bekannt und beliebt - auch als Hörbuch- und Hörspielsprecher.
Seit den 1960er-Jahren hat Peter Matić auch für den Rundfunk gearbeitet - als Sprecher und in einer großen Anzahl von Hörspielen. Für den ORF hat er in mehr als 50 Produktionen mitgewirkt: "Es ist eine große Herausforderung, nur mit der Stimme eine Figur, den Raum, die Atmosphäre zu schaffen - auf der Bühne kommt so vieles dazu, Dekoration, Kostüm, Licht, da ist es leichter, etwas auszudrücken. Wenn es im Hörspiel gelingt, Atmosphäre zu schaffen, und das ist gar nicht so einfach, dann ist das eine hohe Kunst, da bin ich voll des Respekts für diejenigen, die das vermitteln können." (kundendienst.orf.at)
Unter den Büchern, die Peter Matić zum Hörbuch gemacht hat, finden sich vorwiegend die ganz großen Autoren: Thomas Manns "Mario und der Zauberer", Jules Vernes "Keraban der Starrkopf", oder Franz Kafkas "Der Process".
Hörbuch des Jahres 2010 war Marcel Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit", ein siebenbändiger Jahrhundert-Romanzyklus, gelesen von Peter Matić. Die Jury der hr2-Hörbuchbestenliste nannte die 160 Stunden eine "Höroffenbarung" und eine "Großtat von Rundfunkanstalt, Interpret und Verlag". Die "Funkkorrespondenz" schwärmte von der Arbeit, die den Schauspieler ein knappes Jahrzehnt beschäftigt hat: "Peter Matić ist ein Klangkundiger, der Prousts Welten, die eben auch Klangwelten sind, zu Ohren bringt, ohne mit groben Effekten und großen Gesten aufzutrumpfen. Die kleinen, schneidenden Szenen und Dramen beherrscht er vortrefflich, den Ton des vergifteten Kompliments ebenso wie die heitere Liebelei, das oberflächliche Parlando und existenzielle Bekenntnis, er macht den Abgrund, das Seelengeständnis ebenso sensibel hörbar wie die intimsten Confessiones."
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