Florian Lukas: "Good Bye, Lenin" und die Folgen

von Friedel Bott

Der Schauspieler Florian Lukas © picture alliance / Eventpress MP Detailansicht des Bildes Der Film "Good Bye, Lenin" über die untergehende DDR verhalf Schauspieler Florian Lukas zum Durchbruch. Er ist zu Gast bei NDR 90,3. Florian Lukas kam 1973 in Berlin, der Hauptstadt der DDR, zur Welt. Heute lebt er mit Frau und zwei Kindern im Westteil der wieder vereinten Stadt. Mit "Good Bye, Lenin" (2002), einem der - auch kommerziell - erfolgreichsten deutschen Spielfilme, rückte Florian Lukas als "bester Nebendarsteller" in die erste Reihe der jungen deutschen Schauspieler. "Good Bye, Lenin" ist die wunderbar erzählte Geschichte einer Frau, die ins Koma fällt, kurz bevor der Kapitalismus die DDR treuhänderisch abzuwickeln beginnt - und ihr Sohn rekonstruiert, um die Mutter zu schonen, den einstweilen untergegangenen Sozialismus auf 79 Quadratmetern. Florian Lukas war noch nicht einmal 30, und er blieb mit seiner darstellerischen Leistung ebenso im Gedächtnis wie der (männliche) Hauptdarsteller Daniel Brühl. Auch für ihn war "Good Bye, Lenin", Wolfgang Beckers Film, der bis auf den Oscar alle wichtigen Auszeichnungen gewonnen hat, der Durchbruch. Florian Lukas wird ihm im internationalen Geschäft ganz sicher bald nachfolgen.

Der Eisbär und andere absolute Giganten

Als Jugendlicher spielte Florian Lukas in einer Laien-Theatergruppe. Von der Schulbank weg wurde er mit 17 für den Film entdeckt: Peter Welz drehte mit ihm 1990 "Banale Tage", eine der letzten DEFA-Produktionen. Von 1993 bis 1998 war er am Deutschen Theater in Berlin engagiert und nahm erste kleinere Rollen an, 1994 im "Tatort - Singvogel" zum Beispiel. Bekannter wurde er durch den Film "Der Eisbär" (1998), in dem Til Schweiger nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch Regie führte. Nach zwei Hamburg-Filmen, die beide 1999 entstanden, prägte sich dieser "Mann für alle Fälle" allmählich ein: Sönke Wortmanns bildstarke Episoden-Revue "St. Pauli Nacht" nach dem Roman von Frank Göhre und - weniger aufwendig, aber nicht minder beeindruckend - Sebastian Schippers "Absolute Giganten"; Florian Lukas spielt darin an der Seite des früh verstorbenen Frank Giering den Rapper Rico. Sein Lohn war unter anderem der Bayerische Filmpreis für den besten Nachwuchsdarsteller in beiden Filmen.

Der kleine Mann in der Nordwand

Eine ganze Reihe von Film- und Fernsehproduktionen folgten für Florian Lukas: Er hatte unter anderem eine Rolle in Frank Goosens 1980er-Jahre-Sittenbild "Liegen lernen" (2002), in der erotischen Komödie "Stellungswechsel" (2007), und er hing mit Benno Führmann 2007 in der "Nordwand". Die Dreharbeiten gefielen ihm so gut, dass er nun jährlich mit dem Kameramann dieses Films eine Bergtour unternimmt: "Ich bedaure sehr, dass ich nicht bayerisch spreche und nur noch für Bergfilme gebucht werde. Ich fand es einfach super." (Die Abendzeitung)

In der TV-Serie "Der kleine Mann" (2008) spielte er an der Seite von Bjarne Mädel. Das war eine komische und intelligente Serie von Ralf Husmann, dem Autor von "Stromberg", für die Pro7-Zuschauer aber womöglich eine Serie zu viel. Acht Folgen, keine Quote, keine Fortsetzung - auf DVD (Brainpool Home Entertainment) und ohne die lästige Werbung durchaus ein Vergnügen. 

Prinz Leopold in Weissensee

Das Studium an der Babelsberger Filmhochschule hatte Florian Lukas 1994 abgebrochen, weil die Filmangebote schon damals überhandnahmen. Inzwischen kann er es sich leisten, Drehbücher, die ihm unpassend erscheinen, abzulehnen. Jeder, der so aussehen könnte wie Prinz Leopold im Märchen "Die Gänsemagd", würde die Rolle in der ARD-Verfilmung (2009, KNM Home Entertainment) übernehmen. Endlich ein Film, den er seinen Töchtern zeigen konnte. - Ebenfalls die perfekte Besetzung war Florian Lukas in der ARD-Serie "Weissensee" (2010, KNM Home Entertainment): eine bedrückende Romeo-und-Julia-Geschichte in der DDR der 1980er-Jahre - Hannah Herzsprung spielt die Julia, den potenziellen Republikflüchtling, Florian Lukas den Vopo - 2013 wird es eine Fortsetzung geben. In einem Interview mit der Zeitung "Neues Deutschland" erzählt Florian Lukas, damals sei "vieles normaler (gewesen), als man es sich im Westen vorstellen mag. Ich hatte im Großen und Ganzen eine schöne Kindheit, auch wegen der unverfälschten Natur. Heute ist alles elektrifiziert, gepflastert, beleuchtet, beschildert, umzäunt. In den 80ern konnten wir uns freier bewegen, obwohl überall um Berlin Soldaten stationiert waren."

Wettermoderator

"Als Mann für tragende Nebenrollen und quirlige Typen, liebenswerte Loser, lakonische Frauenversteher und beste Freunde ist Florian Lukas zu einem der vielseitigsten Schauspieler des deutschen Films geworden." (kino.de) Seit einigen Jahren muss er auch damit umgehen, auf der Straße erkannt zu werden: "Manchmal kommen Leute von hinten, tippen einem auf die Schulter und rufen: 'Schauspieler?', ohne auch nur 'Guten Tag' zu sagen. Meistens sage ich nein, und dann heißt es: Sie sehen aber jemandem wahnsinnig ähnlich. Oder die Leute fragen, ob ich vielleicht der Sport- oder eher der Wettermoderator bin. Dann sage ich 'Wetter' und alle freuen sich." (Berliner Zeitung)

Rainer Maria Rilke

In den letzten Jahren hat Florian Lukas, der beim Kinderfunk begann, zahlreiche Hörbücher aufgenommen - darunter Hörspiele wie "Der kleine Prinz" (Karl Rauch Verlag), wo er den Laternenanzünder spricht, oder solche nach Romanen von Sven Regener. Dabei der Regisseur: Sven Stricker, der 2011 ein eigenes Hörspiel inszenierte - die Krimi-Komödie "Böses Ende" (Lübbe Audio), in dem neben Florian Lukas unter anderem Bjarne Mädel und Ulrike C. Tscharre spielten. Auch seine Lesungen sind bemerkenswert: John Boynes "Der Schiffsjunge" (der hörverlag) zum Beispiel oder Otfried Preußlers "Der kleine Wassermann" (Der Audio Verlag). Kürzlich hat er - gemeinsam mit Sven Stricker - etwas Ungewöhnliches aufgenommen: Rainer Maria Rilkes Briefe an Franz Xaver Kappus - "Briefe an einen jungen Dichter", erschienen im Selbstverlag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 24.10.2012 | 20:05 Uhr

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