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Seit 25 Jahren leiht Regina Lemnitz der Schauspielerin Whoopi Goldberg ihre Stimme.
Als Regina Lemnitz 1946 in Berlin zur Welt kam, lag die Hauptstadt weithin noch in Trümmern, und im Café Kranzler gab es weder Baumkuchen noch Kaffee. Sollte Ihnen der Name vielleicht nicht geläufig sein, zumindest ihre Stimme haben Sie schon einige Dutzend Male gehört.
Ihre Ausbildung erhielt Regina Lemnitz an der Max-Reinhard-Schule. Sie lernte Schauspiel, Tanz und Gesang. Es folgten Engagements in der Provinz, aber auch in München und bei den Salzburger Festspielen. Regina Lemnitz wurde zudem mehrfach in Bad Hersfeld verpflichtet - auch dort feiert man alljährlich Festspiele, bis sie - von 1978 bis 1990 - Ensemblemitglied an den Staatlichen Berliner Schauspielbühnen wurde. Anfang der 1990er-Jahre engagierte man sie für Musical-Rollen im Theater des Westens und im Theater an der Wien.
"Ich war noch niemals in New York"
Schon von 1968 an übernahm Regina Lemnitz immer wieder operettenhafte Hauptrollen, unter anderem in "My Fair Lady", "Der Mann von La Mancha", "Pariser Leben", "Im weißen Rößl", "Freudiana" oder in der "Dreigroschenoper". Sie trat in "Acht Frauen" und in "Cabaret" auf. Und 2009/2010 war sie die Maria Wartberg in "Ich war noch niemals in New York", dem Udo-Jürgens-Musical im Hamburger Operettenhaus, kurz bevor die Faszination der in die Jahre gekommenen Singspiele ihren Reiz allmählich verlor.
Kabarett mit Dieter Hildebrandt
In den 70er- und 80er-Jahren trat Regina Lemnitz mehrfach an der Seite von Kabarettist Dieter Hildebrandt auf.
Als zum Jahreswechsel im Fernsehen noch kritisches Kabarett geboten wurde und nicht die Silvester-Knaller aus dem Musikantenstadl, trat Regina Lemnitz 1974 und 1975 mit der Münchner Lach- und Schießgesellschaft in "Schimpf vor Zwölf" auf; ebenfalls 1975 spielte sie an der Seite von Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder in "Wort-wörtlich". In den 1980er-Jahren sah man sie öfter in Hildebrandts legendärer Live-Satire-Sendung "Scheibenwischer".
Tierärztin Dr. Charlotte Roesner-Lombardi
Neben kleineren Rollen in Film und Fernsehen, u.a. in der Tragikomödie "Die Ratten" (1977) nach Gerhart Hauptmann oder in Margarethe von Trottas "Rosa Luxemburg" (1986) - das Porträt mit Barbara Sukowa in der Titelrolle erhielt den Deutschen Filmpreis -, hatte Regina Lemnitz Gastauftritte in populären Serien: "Liebling Kreuzberg" und "Der Landarzt". Im "Marienhof" war sie ab 1993 drei Jahre fest engagiert in der Rolle der Fanny Ginster. In der ZDF-Serie "Frauenarzt Dr. Markus Merthin" unterstützte sie Sascha Hehn 19 Folgen lang bei seinem segensreichen Wirken. 1995 wurde Regina Lemnitz als Tierärztin Dr. Charlotte Roesner-Lombardi engagiert, für eine der Hauptrollen in der sehr erfolgreichen ZDF-Serie "Unser Charly". Aber auch Schimpansen garantieren keinen ewigen Spaß: Nach 221 Episoden in 16 Staffeln ist 2010 die letzte Klappe gefallen.
Synchronisation
Dass Regina Lemnitz seit 1985 die feste deutsche Stimme für Whoopi Goldberg ist, verdankt sie Steven Spielberg, der sie beim Stimm-Casting für seinen Film "Die Farbe Lila" auswählte. Aber sie leiht noch zwei anderen Stars ihre prägnante Stimme: Roseanne Barr seit "Die Teufelin" (1989) und Kathy Bates seit "Misery" (1990). Aber auch in den deutschen Fassungen von "Gilmore Girls" (2004 bis 2010), "Two and a Half Men" (seit 2005) und einigen anderen Sitcoms ist Regina Lemnitz zu hören. Überhaupt diese Stimme; die "Hannoversche Allgemeine" hat sie einmal so beschrieben: "Tief, bluesig, verraucht und frech klingt sie, dabei schwingt etwas wie ein tiefer Glockenton mit."
Entgegen einem landläufigen Vorurteil braucht man auch beim Synchronisieren ausgebildete Schauspieler. Denn ein Hollywoodfilm wird dafür in 1.500 Takes aufgeteilt. "Da muss man jedes Mal für ein paar Sekunden aus dem Nichts losheulen oder prusten vor Lachen. Das können nur Schauspieler", sagte Regina Lemnitz der "Hannoverschen Allgemeine".
Auch Whoopi Goldberg hat richtig schlechte Filme gedreht, einen sogar mit Armin Mueller-Stahl, der nicht mehr absagen konnte. Beim Synchronisieren bleibt keine Wahl: "Blick starr aufs Honorar richten und einfach wegsprechen." Wobei Regina Lemnitz so etwas niemals über einen Whoopi-Goldberg-Film sagen würde. Und das nicht nur, weil sie in der Autobiografie des Hollywood-Stars freundlich erwähnt worden ist. "Einfach wegsprechen" gilt mehr für die US-Serien-Konfektion, die ja ebenfalls synchronisiert werden will.
Hörbücher
Das erste Hörbuch, das Regina Lemnitz einsprach, war der Roman "Love" von Stephen King. Das war 2006. Seitdem sind einige Dutzend dazugekommen. Darunter Krimis von Mary Higgins Clark, David Baldacci oder Lisa Jackson, Bestseller von Fay Weldon und Romane von Sadie Jones ("Kleine Kriege") oder Margaret Atwood ("Das Jahr der Flut"). In der Hörbuch-Reihe um die Detektei Sonderberg hat sie neben Jan-Gregor Kremp eine feste Rolle.
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