Schalten Sie ein!
Hier hören Sie jederzeit das aktuelle Programm von NDR 90,3.
Audio-Stream starten
Mechthild Großmann spielte in berühmten Ensembles Theater. Doch prominent machte sie der "Tatort".
Geboren wurde Mechthild Großmann 1948 in Münster, zufällig in derselben Stadt, in der seit 2002 Staatsanwältin Wilhelmine Klemm die Oberaufsicht führt über die "Tatort"-Ermittler Thiel und Boerne. Das sei schon sonderbar, erzählte sie der "Neuen Osnabrücker Zeitung", wenn man sich 44 Jahre lang im Theater die Knochen blau gehauen und auf Japanisch, Russisch und Englisch in der ganzen Welt gespielt hat. Und dann gehe ich hin, sage 'Gute Arbeit, Thiel', und jeder kennt mich. Das ist schon absurd, das lässt sich ja nicht mit irgendeiner Leistung in Zusammenhang bringen." Die besten Münster-"Tatorte" gibt es einzeln als DVD und in mittlerweile drei sogenannten Thiel/Boerne-Boxen (Disney/Touchstone).
Ihre Schauspielausbildung erhielt Mechthild Großmann in Hamburg. Bei einer Eignungsprüfung war Ida Ehre ihr Talent nicht aufgefallen, aber da war sie gerade mal fünfzehn Jahre alt. Nach bestandener Abschlussprüfung führte sie ihr erstes Engagement nach Bremen zu Kurt Hübner (1969 - 1973). In Stuttgart, der zweiten Station, wurde sie 1975 von Claus Peymann gefeuert, mit den Worten: "Du bist keine Schauspielerin." Kurz darauf lernte sie Pina Bausch kennen, die für einen Brecht/Weill-Abend eine Sängerin suchte. Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft und eine künstlerische Beziehung, die 34 Jahre andauerte. Dabei endeten die Nächte oft erst am Morgen. Und wenn Mechthild Großmann gelegentlich mahnte: "'Pina, lass uns jetzt nach Hause gehen', dann sagte sie immer: 'Nee, nee. Noch ein Weinchen und ein Zigarettchen - aber noch nicht nach Hause.'" ("Emma")
Mechthild Großmann war nur im Kinderballett und wurde dennoch Ensemblemitglied in Pina Bauschs weltberühmtem Tanztheater. Ab 1978 war sie fest in Wuppertal. "Für so eine Schauspiel-Stelle in einem Tanzensemble", erinnerte sie sich 2010 in der "Emma", "hat sie damals noch kämpfen müssen, das war ja nicht vorgesehen."
Ihr Fernsehdebut hatte Mechthild Großmann 1979 in Rainer Werner Fassbinders Verfilmung von Döblins "Berlin Alexanderplatz". 2001 spielte sie in Caroline Links Oscar prämiertem Film "Nirgendwo in Afrika". Aber erst mit ihrer Rolle im "Tatort" wurde sie bundesweit bekannt. Dazu trug sicher auch ihre tiefe, rauchige Stimme bei, die übrigens ohne Klischees auskommt, also ohne Zigaretten und Whisky. Schon als Kind klang Mechthild Großmann fast wie Staatsanwältin Wilhelmine Klemm, die bevorzugt im Kostüm und mit Pumps am Tatort erscheint. Ihre Stimme sei "ein Fehler der Natur und kein Verdienst. Entscheidender als die Höhe oder Tiefe einer Stimme ist, wie man sie einsetzt. Die Stimme ist unser natürliches Instrument." ("Neue Osnabrücker Zeitung") Bis sie 16 war, empfand sie "die Stimme als Handicap", als "Säuferin" habe man sie beschimpft. Dabei sei sie "ein niedliches Ding gewesen, mit Zöpfen, Faltenrock und Ballettunterricht". ("Westdeutsche Zeitung") In einem Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt" enthüllte sie: "Den typisch weiblich-hysterischen Wutanfall krieg ich nicht hin. Rein technisch schon nicht."
Mechthild Großmann hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Hörbücher aufgenommen, darunter - sehr erfolgreich - die Krimis von Tess Gerritsen. Für deren Roman "Blutmale" wurde sie 2008 für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert. Gemeinsam mit Axel Prahl entstand ein Hörbuch mit Gedichten über Engel - leider vergriffen. Sie hat Kafka und Wolfgang Hildesheimer eingelesen, Märchen der Brüder Grimm, Bücher von Fay Weldon und A. L. Kennedy. Bemerkenswert auch ihre Rolle in der Hörspielfassung des Bestsellers "Der Schwarm" von Frank Schätzing. Kinder-Titel sind ebenfalls dabei: "Rita das Raubschaf" und - ganz neu - "Erwin, der König der Wüste".
Steffi Neils war heroinabhängig. Als Straßen-Verkäuferin des Obdachlosen-Magazins "Hinz&Kunzt" hat sie beeindruckende Gedichte geschrieben, die Mechthild Großmann, ergänzt durch Erinnerungen der Autorin, 2010 zu einem Hörbuch gemacht hat. "Kann etwas noch gefrorener sein als Eis? / Ja, mein Herz / Wenn du mich berührst." "Tag und Nacht", so der Titel, ist weiterhin lieferbar. "Der Erlös geht zur Hälfte an Steffi Neils, zur Hälfte an das Hamburger Straßenmagazin."
"Früher", erzählt Mechthild Großmann in der "Westdeutschen Zeitung", "habe ich stets gesagt: Ich will alles und ein bisschen mehr. Heute sage ich das manchmal auch noch, aber nicht mehr ganz so unverschämt. Ich versuche, sorgsam mit mir umzugehen." ("Westdeutsche Zeitung")
Der Treffpunkt Hamburg bietet Ihnen von Dienstag bis Freitag ab 20.05 Uhr ausführliche Informationen zu einem Thema. Wir berichten über aktuelle, politische und kulturelle Ereignisse aus Hamburg, bieten Ihnen die Gelegenheit, Politiker selber zu befragen und mit Künstlern ins Gespräch zu kommen. Wir stellen Ihnen neue Bücher und Hörbücher vor, ebenso wie Menschen aus Hamburg und ihre spannenden Geschichten. Wir spielen Spiele mit Ihnen, präsentieren neue Musiktrends und bieten Ihnen in unseren zahlreichen Ratgeber-Sendungen die besten Experten für die Beantwortung Ihrer Fragen. Unsere monatlichen Servicethemen: Essen und Trinken, Reise, Gesundheit, Rente, Tiere und Pflanzen.