Claus Dieter Clausnitzer: Der Kammerschauspieler als kiffender Taxifahrer

von Friedel Bott
Der Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer sitzt bei Dreharbeiten zum Tatort in seiner Rolle als "Thiels Vater" im Taxi.  Fotograf: Bernd Thissen Bekannt unter anderem aus TV-Sketchen mit Loriot und aus dem Münster-"Tatort": Claus Dieter Clausnitzer.

Wenn Claus Dieter Clausnitzer, geboren 1939 in Saarbrücken, durch seinen Wohnort Dortmund geht, wird er oft erkannt. Wo das Taxi sei und wo sein Zopf, wird er dann gern gefragt. Denn seit 2002 gehört er zum Stammpersonal des Münster-"Tatort" mit Kommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers). Clausnitzer spielt den Taxifahrer, der ständig und leidenschaftlich gegen das Betäubungsmittelgesetz verstößt, und nebenbei der Vater des Kommissars ist, der vom Hamburger Kiez in die Provinz versetzt worden ist. Der Münster-"Tatort", der in weiten Teilen in Köln gedreht wird, ist die beliebteste deutsche Krimiserie. Mehr als 20 Folgen, die auch gern wiederholt werden, gibt es bislang, und ein Ende ist nicht abzusehen. Viele der unterhaltsamen Geschichten sind übrigens als Einzel-DVD beziehungsweise als Thiel/Boerne-Boxen (Disney/Touchstone) veröffentlicht worden.

Claus Dieter Clausnitzer trat zunächst - als Wirt - in der anderen WDR-Erfolgsgeschichte auf, im ersten Kölner "Tatort", der bereits 1997 mit Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt begann. Fünf Jahre später ging das Taxi nach Münster.

"Ich heiße Erwin Lindemann ..."

Als Loriot 1975 damit begann, seine inzwischen legendären Sketche für Radio Bremen zu produzieren, stellte er ein Ensemble zusammen, zu dem, neben Evelyn Hamann und Heinz Meier, auch Claus Dieter Clausnitzer zählte. In der vielleicht bekanntesten Satire, in der "das Fernsehen" Erwin Lindemann, der 500.000 Mark im Lotto gewonnen hat, aufzunehmen versucht, ist Clausnitzer der gelangweilt-genervte Regisseur. Fast 40 Jahre ist das jetzt her. Loriots "vollständige Fernseh-Edition" ist auf sechs DVDs erschienen (Warner Home Video). Zu seinem Beruf sagt er grundsätzlich: "Ein Schauspieler muss Komödie können und wollen. Außerdem macht es unglaublich Spaß, mal die Sau rauszulassen." ("Westfälische Nachrichten")

Theater als Mannschaftssport

Sein Handwerk hat Claus Dieter Clausnitzer an der Neuen Münchener Schauspielschule gelernt. Danach engagierte man ihn unter anderem in St. Gallen, Göttingen und Bochum. Mitte der 1970er-Jahre arbeitete er in George Taboris Bremer "Theaterlabor". 1976 erhielt er eine feste Anstellung im Schauspiel Dortmund. Dem Theater, das ihn 2007 mit dem Titel "Kammerschauspieler" ehrte, blieb er bis 2010 erhalten. Da war er 71.

Seit Mai 2012 spielt er wieder Theater, diesmal allerdings im Bochumer Schauspielhaus. In Gerhart Hauptmanns Sozialdrama "Vor Sonnenaufgang" ist er gemeinsam mit Dietmar Bär zu sehen. Auf die Frage, was der Motor für 50 Jahre Theater ist, antwortet Claus Dieter Clausnitzer: "Menschen! Kollegen, mit denen ich was erstellt habe. Das interessiert mich. Der Motor ist auch die Geisteshaltung. Ich bin Humanist. Deswegen war es für mich immer wichtig, mit Menschen was zu machen. Theater ist Mannschaftssport. Wahrscheinlich mag ich deshalb Fußball so wahnsinnig gern. (…) Du spielst einen Doppelpass nur befreit, wenn du weißt: Der andere läuft. Auch auf der Bühne." (derwesten.de)

Soziales Engagement

Clausnitzer engagiert sich auch sozial. Er ist Schirmherr des Katholischen Forums Dortmund, das kürzlich den "Bettelstab 2012" an eine sozialtherapeutische Einrichtung vergeben hat, deren Mitarbeiter sich intensiv um krebskranke Kinder kümmern. - Am Herzen liegt ihm auch eine indonesische Familie: Der geschiedene Vater ist nach einem Arbeitsunfall nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben. Clausnitzer unterstützt den Mann und seine schulpflichtigen Kinder.

Hörbücher

In den vergangenen Jahren hat Claus Dieter Clausnitzer eine Reihe von Hörbüchern eingesprochen - mit ganz unterschiedlichen Themen; darunter sind Gedichte des Expressionisten Paul Zech, von dem "Ich bin so wild nach deinem Erdbeermund" stammt, das fälschlich immer Francois Villon zugeschrieben wurde; außerdem einige Titel für Kinder wie "Das Schaf Charlotte" oder "Das große Lesebuch der Weltliteratur". In "100 Kilometer Emschergeschichten", einem "literarisch-musikalischen Streifzug", liest Clausnitzer vorwiegend historische Texte über seine Heimat, das Ruhrgebiet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Treffpunkt Hamburg | 12.06.2012 | 19:05 Uhr

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