Vom Maschsee bis zum Mittelmeer
NDR 1 Niedersachsen präsentiert jeden Sonnabend interessante Reisetipps. Am 10.12.2011 ist der englische Kurort Royal Tunbridge Wells Thema der Sendung.
Es gibt Ecken in England, die gefallen gar nicht, sie sind hässlich und dicht besiedelt - und dann gibt es Ecken wie die Grafschaft Kent östlich von London, da sieht alles aus wie im Bilderbuch. Auch und gerade im Herbst. Tunbridge Wells ist solch eine Ecke, ein Kurort mit Mineralquelle und voll mit Geschichten.
1606 entdeckte Lord Dudley North die Quelle auf einem Jagdausflug, trank und fühlte sich danach topfit. Das sprach sich über die Jahre herum, die spätere Königin Anne von England kam und mit ihr ein ganzer Tross von Edelmännern und -damen. Als Ende des 17. Jahrhunderts immer noch keine nennenswerte Infrastruktur vorhanden war, ging Anne ins benachbarte Bath und setzte Tunbridge Wells eine Frist: Fußwege und Unterkünfte her, sonst kein "Royal" im Titel. Und so geschah es: Im Jahr 1690 war alles fertig und aus Tunbridge Wells wurde Royal Tunbridge Wells.
Das Wasser der Quelle ist stark eisenhaltig, zudem besitzt es nachweislich viel Magnesium und Calcium. Es ist also durchaus gesundheitsfördernd. Die Kurgäste zu Annes Zeiten sollten jedoch nach dem Frühstück bis zu acht Liter davon trinken. Kein Wunder, dass schnell Casinos und Kneipen folgten, in denen man sich den Rest des Tages von diesem Trank mit Wein und deftigem Essen erholen konnte.
Heute ist Tunbridge Wells eine wohlhabende Stadt in den schönen Hügeln von Kent, nur etwa eine Stunde östlich von London entfernt. Viele Hauptstädter sind hierher gezogen und haben die Immobilienpreise kräftig nach oben getrieben. Einer der Bewohner der Stadt macht sich an drei Tagen in der Woche nach London auf: Harry Collins, der Juwelier der Königin. Sein hübsches Geschäft in der High Street trägt seit 2007 das Wappen des Königshauses und wird inzwischen von Tüstehern bewacht. Der 55-jährige Collins darf sich im Tower um das Zepter und einen 520-Karat-Diamanten der Königin kümmern. Das Königshaus wollte ganz bewusst einen Juwelier aus dem Umland haben, und Collins hatte die Queen früher schon mehrfach beraten.