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Käpp'n Herbert und Kurt Esmarch 1938 beim Singen
"Schaffen Sie etwas ganz Neues, eine Sendung, die nach Tang und Teer riecht, eine Sendung, in der die See zu den Hörern spricht, die See und die Männer, die sich ihr verschrieben haben. Nutzen Sie alle Möglichkeiten, die Ihnen die Technik bietet. Stellen Sie die Technik vor neue Probleme. Kurz und gut: Schaffen Sie eine einmalige Sendung für den frühen Sonntagmorgen." So lautete der Auftrag, den der erste Intendant der Nordischen Rundfunk AG, Hans Bodenstedt, im Frühjahr 1929 seinem Mann für das Maritime, Kurt Esmarch, erteilte. Schon einen Tag später legte der seinem Chef ein Konzept vor, das bis heute Grundlage des Hamburger Hafenkonzertes geblieben ist. - Eine alte Sendung, mag man denken. Stimmt, sogar die älteste Hörfunksendung der Welt.
Das Team des Hafenkonzertes ist ganz nah und aktuell an den Themen, die zu Hamburgs wichtigstem Wirtschaftsfaktor, dem Hafen, gehören. In den vergangenen 80 Jahren hat sich der Hamburger Hafen enorm verändert - das Hafenkonzert hat diese Veränderungen begleitet und dokumentiert. Wie sich die Themen entwickelt haben, so hat sich auch musikalisch einiges getan.
Für die erste Sendung am 9. Juni 1929 von Bord des Dampfers "Antonio Delfino" der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-Gesellschaft wurde das Altonaer Symphonieorchester engagiert, das Melodien aus dem "Freischütz" und die Ouvertüre zu "Die Lustigen Weiber von Windsor" spielte - kein Ohrenschmaus unter den Kopfhörern eines Detektorradios. Die Verantwortlichen beschlossen deshalb, nur noch Blasorchester zu verpflichten.
Fast ein Vierteljahrhundert prägte Hans Freese mit seinem Hamburger Blasorchester die Sendung. Es folgten Musiker wie Alfred Hause, Günther Fuhlisch oder Karl-Heinz Loges. Anfangs ein ganz schöner Schreck für das traditionsbewusste Publikum unserer Sendungen, denn plötzlich wurde gejazzt und geswingt.
Veränderungen, auch musikalische, brauchen ein bisschen Zeit, bis sie allgemein Anklang finden. Als einer der frühen Hafenkonzert-Redakteure, Horst Trinkwald, nicht mehr nur die altbekannten und beliebten maritimen Künstler wie Carl Bay, Hein Timm oder Richard Germer einlud, sondern auch Schlagerstars wie Freddy Quinn, Fred Bertelmann oder Heino engagierte, ging erst einmal ein Raunen durch die Hafenkonzertgemeinde. Heute ist die Hafenkonzertgeschichte ohne Freddy unvorstellbar.
Wie fänden Sie es, wenn Heidi Kabel nie im Hafenkonzert aufgetreten wäre? Und Lale Andersen oder Lieselotte Malkowsky auch nicht? An Bord durften Sängerinnen im Hafenkonzert nämlich erst Mitte der 50er-Jahre. Wie gut also, dass es Veränderung gibt und dass sich eine so traditionsreiche Sendung wie das Hamburger Hafenkonzert ständig weiterentwickelt. Deshalb klingt auch die Musik im Hafenkonzert heute anders als noch vor ein paar Jahren.
Auch im 80. Jahr des Hafenkonzertes werden die bewährten Lieder weiterhin am Sonntagmorgen ihren Platz haben. In Harmonie vereint mit frischer Hamburger Hafenkonzertmusik, die von anderen Dingen erzählt als dem blonden Matrosen, der mit einer seuten Deern an der Hand über die Reeperbahn bummelt. Denn der kommt auf Grund der kurzen Liegezeiten und Sicherheitsbestimmungen im Hafen gar nicht mehr von Bord.
Zum Jubiläum der Sendung hat das Hafenkonzert eine CD aufgelegt, die Bewährtes und Neues zusammenbringt. Darauf fragt zum Beispiel ein Eddy Winkelmann, was passiert, wenn wir weiter Raubbau an der Natur treiben, "Wenn Hamburg zu Atlantis wird", Mario Covi, selbst lange zur See gefahren, weiß um das wahre Leben als Seemann, genau wie die Musiker der Gruppe Hart Backbord, die echte Seelieder ohne romantische Verklärung singen. Die CD ist ab 14. Januar erhältlich.
Bei aller Veränderung aber ist allen, den alten wie den jungen Hafenkonzertmusikern, eines gemeinsam: Ihre Musik ist es, die das Hamburger Hafenkonzert zu einer besonderen Sendung macht, die sich nicht nur durch Reportagen und Interviews auszeichnet, sondern "die nach Tang und Teer riecht", eine Sendung, "in der die See zu den Hörern spricht".
Schalten Sie also ein, wenn das Hamburger Hafenkonzert Sie jeden Sonntagmorgen ab 6.05 Uhr mit "Anchors Aweigh" begrüßt: "Willkommen zum Hamburger Hafenkonzert. Angeschlossen sind für das Sendegebiet des Norddeutschen Rundfunks die Mittelwellensender von NDR Info Spezial, für Europa der Satellit Astra 1 B mit Astra Digital Radio, in Afrika die Namibian Broadcasting Corporation in Windhoek sowie in Australien die Deutsche Stimme der E.B.I in Adelaide."