Stand: 10.10.2017 14:45 Uhr

Zwischen Zahlen, Paragrafen und Harry Potter

von Thomas Jähn

Zur Schule gehen und ganz nebenbei noch die Uni besuchen? Was für viele junge Menschen wohl nach einer absoluten Horrorvorstellung klingt, war für Midas Kempcke aus Hamburg-Eilbek eine zukunftsweisende Erfahrung. Und so hat der gerade einmal 16-Jährige neben der Schule auch noch ein Frühstudium absolviert - als jüngster Hamburger Stipendiat der Claussen-Simon-Stiftung im bundesweiten Programm für wirtschaftlich und naturwissenschaftlich begabte Schüler.

Das heißt, Midas hat neben der Oberstufe auch zwei Semester lang Lehrveranstaltungen an der FOM Hochschule für Wirtschaft und Management besucht. Die Kurse und Punkte kann er sich später im Studium anrechnen lassen - für ihn aber nicht der einzige Vorteil: "Auch die Erfahrung, also dass man später im Studium nicht ins kalte Wasser geworfen wird und schon weiß, wie das alles abläuft. Und natürlich das fachliche Wissen, das man da mitnimmt." Doch Wissensdrang ist nicht sein einziges Talent.

Preisgekröntes Filmtalent

Eine weitere Leidenschaft war und ist das Filmemachen, auch wenn die Zeit dafür gerade sehr knapp ist. Die vergangenen Jahre hat Midas Kempcke im Kinderzimmer und dem unter Beschlag genommenen Wohnzimmer der Eltern mehrere eigene Filme gedreht - und dafür bundesweit mehr als ein Dutzend Multimedia- und Filmpreise gewonnen. Angefangen hat er damit im Alter von zehn Jahren. Eine KiKa-Sendung hat ihn dazu gebracht. Vor allem sind es Geschichten um den Zauberhelden Harry Potter, die er mit eigens geschriebenem Drehbuch und seinen Lego- und Playmobil-Figuren im sogenannten Stop-Motion-Verfahren umgesetzt hat.

Mehr als 2.000 Fotos für fünf Minuten Film

Für die Stop-Motion-Filme setzt Midas seine Figuren in die jeweilige Filmkulisse und macht mit seiner Digitalkamera ein Foto. Dann bewegt er die Figur ein bisschen und macht wieder ein Foto. Pro Filmsekunde sind das sieben Fotos, die er braucht. Für einen fünfminütigen Film also 2.100 Bilder. All die Fotos lädt er in sein Schnittprogramm am Computer und fügt sie zusammen. Dann sieht es so aus, als ob die Figuren ihre Arme und Beine bewegen. Mit einem anderen Programm kann Midas den Figuren auch sprechende Gesichter geben. Dazu kommen noch Musik, Geräusche und Sound-Effekte. "Ich habe vor allem am Wochenende gearbeitet, weil mit der Zeit unter der Woche lohnt sich das nicht", beschreibt Midas seine Arbeitsweise. "Und dann hat das schon immer so zehn bis zwölf Wochenenden gedauert, bis man alles fertig hatte."

Ein zeitaufwendiges Hobby, das in der Oberstufe viel zu kurz kam. "Deshalb war es schön, dass ich im vergangenen Jahr mit einem Freund zusammen eine Video-AG an der Schule machen konnte. Das war dann so ein fester Slot von anderthalb Stunden jede Woche, wo man sein Wissen weitergeben und auch filmerisch tätig sein konnte", erinnert sich Midas.

Eine Zukunft zwischen Zahlen und Paragrafen

Die Zeiten der Video-AG sind leider erst einmal vorbei. Denn seit Juli hat Midas sein Abitur in der Tasche - und das mit gerade einmal 16 Jahren. Nun macht er ein sogenanntes Gap-Year, ein Lückenjahr, und absolviert Praktika in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen in Hamburg. "Ich bin leider, weil ich noch minderjährig bin, so ein bisschen an Hamburg gebunden. Im Ausland ist es schwierig unter 18 Jahren mit einem Praktikum."

Midas Kempcke © NDR Fotograf: Thomas Jähn

Porträt: Midas Kempcke

NDR 90,3 -

Der 16-jährige Hamburger hat sein Abitur in der Tasche, zwei Semester an der Hochschule hinter sich und preisgekrönte Filme gemacht.

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Danach will Midas gern studieren, wahrscheinlich Jura. Die Begeisterung dafür hat er schon zu Schulzeiten entdeckt: "Die Denkweise, dieses sehr analytische Vorgehen, das hat mir schon in der Schule sehr gefallen, da hatte ich das Fach Philosophie auf erhöhtem Niveau. Und das zieht mich Richtung Jura." Ob er dafür in Hamburg bleiben oder sogar in die USA gehen wird, weiß er noch nicht so ganz. Aber wenn er wieder mehr Zeit findet, dann will er auf jeden Fall den nächsten Film machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 10.10.2017 | 14:45 Uhr